Wer ist der größte Depp?

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Angestaubtes Hochamt für die Klassik

Deutschlands begehrtester Musikpreis, der Echo Klassik, braucht neue Ideen, wenn die Show im ZDF der Branche neue Zielgruppen erschließen will.


Wenn es nach Donald Trump Jr. geht, soll Johnny Depp seinen Job als schräger Pirat Jack Sparrow verlieren. „Ich würde glauben, es wird schwer für Disney, ihn zu halten“, mutmaßte der älteste des amerikanischen Präsidenten Donald Trump am Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter und verwies auf den Hashtag #FireDepp.

Was war geschehen? Bei einer Filmvorführung am Rande des Musikfestivals im englischen Glastonbury in der vergangenen Woche hatte der exzentrische Schauspieler, ausgerüstet mit schwarzen Cowboy-Hut, einen Witz über einen Mordanschlag auf Trump gerissen. „Wann war das letzte Mal, dass ein Schauspieler einen Anschlag auf einen Präsidenten verübt hat?“ Depps nicht ernst gemeinte Frage spielte offenbar auf die Ermordung des amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln durch den Schauspieler John Wilkes Booth im Jahr 1865 an.

Doch mit einfältiger Ironie oder gar gewagten Pointen ist das so eine Sache. Trotz Entschuldigung und Herunterspielen der rhetorischen Frage konnte der 54-jährige Hollywood-Star den Unmut der Familie Trump nicht mehr bremsen. In Washington machte sogar der angezählte Regierungssprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, die infantile Äußerung Depps zum Thema.


Am Ende stellt sich die Frage: Wer ist eigentlich der größere Depp? Ein Schauspieler mit seiner unbedachten Äußerung oder der Trump-Clan mit seiner peinlichen Überreaktion?

Die indirekte Bitte von Donald Trump Jr. nach einer Entlassung von Johnny Depp durch Walt Disney ist ebenso so einfältig wie der Witz. Denn Robert Iger, langjähriger Chef des Medienriesen, wird seinen größten Star auf Bitten des 39-jährigen Präsidentensohns sicher nicht feuern. Denn Depp ist noch immer ein Kassenmagnet.


Hollywood verachtet den Trump-Clan

Die fünfte Folge von „Der Fluch der Karibik“ mit dem 54-jährigen Schauspieler übersprang bereits Anfang Juni die Grenze von einer halben Milliarde Dollar allein an Kinoeinnahmen. Das hochrentable Filmabenteuer mit Johnny Depp alias Captain Jack Sparrow in der Hauptrolle macht Disney-Chef Iger und seinen Aktionären seit Jahren eine Riesenfreude. Und am Ende zählen für ein börsennotiertes Unternehmen steigende Erlöse und Erträge und nicht die Reaktionen auf geschmacklose Gags eines Darstellers.


Was Donald Trump Jr. bei seinem Tweet offenbar übersehen hat: Johnny Depp ist gar nicht ausschließlich auf Disney angewiesen. Denn der Konkurrent Warner Bros., Filmtochter des Medienkonzerns Time Warner, plant vier weitere Folgen der Harry-Potter-Serie mit Johnny Depp in seiner Lieblingsrolle als Bösewicht. Vielleicht muss der Präsidenten-Sohn per Twitter daher nochmals nachlegen – ansonsten wird der Hollywood-Star nicht arbeitslos.

Die provokanten Äußerungen des Schauspielers sind ein Indikator, wie sehr Hollywood den amtierenden Präsidenten im Weißen Haus verachtet. Bereits im Januar bei der Verleihung der Golden Globes machte die amerikanische Schauspieler Meryl Streep aus ihrem Herzen keine Mördergruppe und griff Trump wegen seiner verbalen Geschmacklosigkeiten scharf an. Der mächtigste Mann der Welt konterte damals mit dem Tweet, dass die in der Branche hoch angesehene und vielfach ausgezeichnete Streep „eine der am meisten überschätzten Schauspielerinnen“ sei.

Im Fall von Johnny Depp delegierte Papa Trump offenbar die Reaktion an seinen Filius. Das Ergebnis ist das Gleiche: Es schweißt Hollywood gegen den Trump-Clan noch fester zusammen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die erste Parodie auf den derzeitigen Präsidenten und seine schillernde Familie in die Kinos kommt. Die Sehnsucht des Publikums nicht nur in den USA auf richtigen Witz und Humor wächst. Ein gutes Geschäft für Hollywood winkt.

Immer montags schreibt Handelsblatt-Korrespondent und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar seine Sicht auf die Kommunikationswelt auf.