Der größte Börsengang seit 2014: Was man wissen sollte

Motley Fool Investmentanalyst

Der grandiose Börsengang des Finanzdienstleisters AXA Equitable Holdings in dieser Woche wird nicht nur der größte in diesem Jahr sein, sondern auch der bisher größte in den letzten Jahren. Er liegt bei rund 3,5 Milliarden US-Dollar, dem Mittelwert des IPO-Kurses pro Aktie. Es war das größte Erstangebot seit dem Börsengang des chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba Group im Jahr 2014, das immer noch den neuen Größenrekord hält.

Der Börsengang von Alibaba war ein voller Erfolg, und die Aktie des Unternehmens ist heutzutage sehr beliebt. Könnte die Zukunft der AXA als börsennotiertes Unternehmen genauso rosig sein?

Die Details

Im Rahmen des Börsengangs werden 137.250.000 Aktien der AXA Equitable Holdings zu einem Kurs von 24 bis 27 US-Dollar pro Aktie verkauft. Die Aktie wird ab Donnerstag, den 10. Mai, öffentlich gehandelt und an der New Yorker Börse unter dem Tickersymbol EQH notiert.

Der Börsengang wird vom Mutterunternehmen des Unternehmens, dem französischen Versicherungskonzern AXA, durchgeführt, der alle Nettoerlöse aus dem Börsengang erhält. Nach dem Börsengang wird AXA eine Mehrheitsbeteiligung von rund 75 % an dem amerikanischen Unternehmen behalten.

Das Team hinter dem Börsengang ist groß und hochkarätig besetzt. Es wird von Morgan Stanley (WKN:885836), J.P. Morgan Securities von JPMorgan Chase (WKN:850628), Capital von Barclays (WKN:850403) und Citigroup (WKN:A113EY) Global Markets angeführt.

Alles über die Annuitäten

AXA Equitable Holdings ist im Wesentlichen die amerikanische Komponente der AXA. AXA Equitable Holdings erwirtschaftet den größten Teil seines Geldes aus dem Verkauf von Rentenverträgen und anderen Finanzdienstleistungen. Passend für ein Unternehmen der Marke AXA war der Vorgänger Equitable Holdings einer der ältesten amerikanischen Versicherer, an dem sich AXA 1991 mehrheitlich beteiligte.

AXA Equitable Holdings besitzt auch eine Mehrheitsbeteiligung an der AllianceBernstein Holding (WKN:A0JEGN), einem börsennotierten Vermögensverwaltungsunternehmen.

Das Geschäft der AXA Equitable Holdings gliedert sich in vier Geschäftsbereiche: Einzelvorsorge, Gruppenvorsorge, Vermögensverwaltung und Research sowie Vorsorgelösungen (im Wesentlichen Lebensversicherungen). Das Unternehmen sagt, dass es „ein führender Anbieter“ von Variable-Annuity-Produkten ist und über starke Positionen in bestimmten Segmenten seiner anderen Geschäftsbereiche verfügt.

Von den vier Sparten war die Einzelvorsorge mit 4,4 Milliarden US-Dollar im Kalenderjahr 2017 die umsatzstärkste. Die Bereiche Investment-Management- und Vorsorgelösungen erwirtschafteten beide rund 3 Milliarden US-Dollar, während die Gruppenvorsorge mit 947 Millionen US-Dollar das Schlusslicht bildete. Der Nettoumsatz von AllianceBernstein betrug knapp 3,3 Milliarden US-Dollar.

Insgesamt lag der konsolidierte Umsatz von AXA Equitable Holdings im Kalenderjahr 2017 bei etwas mehr als 12,5 Milliarden US-Dollar, was einer Verbesserung um 5 % gegenüber dem Wert von 2016 entspricht. Der  Jahresüberschuss sank jedoch um 33 % auf 850 Millionen US-Dollar, was im Wesentlichen auf eine Erhöhung der Rückstellungen in der individuellen Altersvorsorge zurückzuführen ist.

Das Unternehmen verweist auf die Überalterung Amerikas (die Zahl der Menschen ab 65 Jahren soll sich laut dem Statistischen Bundesamt von 2016 bis 2060 mehr als verdoppeln) als wichtiger Wachstumstreiber für zukünftiges Wachstum; laut AXA Equitable Holdings soll dieser Betrag von 2016 bis 2021 um über 5 % pro Jahr steigen.

Kein supertolles Schnäppchen

Diese Faktoren, kombiniert mit der starken und gut etablierten Position des Unternehmens im Rentensegment, dürften dazu beitragen, die Umsatz- und Ertragslage zu verbessern. Aber macht das diese Aktie zu einer überzeugenden Investition?

In der Mitte der vorgeschlagenen Preisspanne liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei fast 17. Das ist höher als die 12 von AllianceBernstein, und weit über den Konkurrenten Prudential Financial und Lincoln National.

Die Analysten gehen davon aus, dass sowohl Prudential als auch Lincoln für die laufenden Geschäftsjahre ein ordentliches Gewinnwachstum erzielen werden. Um also die Investoren nachhaltig für sich zu gewinnen (und die höhere Bewertung zu rechtfertigen), wird AXA Equitable Holdings die beiden Unternehmen beim Wachstum wohl schlagen müssen.

Anderswo im Finanzsektor ist das KGV von AXA Equitable Holdings etwa gleich hoch wie das von JPMorgan Chase. Meiner Meinung nach ist JPMorgan Chase die Best-in-Class-Aktie unter den „Big Four“ der amerikanischen Banken – die Analysten erwarten in diesem Jahr ein Wachstum von fast 30 % des Jahresgewinns.

Mit anderen Worten, AXA Equitable Holdings scheint keine bessere Investition als andere Unternehmen wie Prudential und Lincoln zu sein. Es ist auch nicht so attraktiv wie JPMorgan Chase. Wer glaubt, dass Renten- und Lebensversicherungen (wiederum die wichtigsten Geschäftsfelder der AXA Equitable Holdings) ein überdurchschnittliches Potenzial haben, könnte das Unternehmen verlockend finden; ich denke, es gibt bessere Käufe im Finanzbereich.

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The Motley Fool hat keine Position in den genannten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Eric Volkman auf Englisch verfasst und am 09.05.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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