Größer als Schumacher? Hamilton im Legenden-Check

Franziska Wendler

Feiert Mercedes-Pilot Lewis Hamilton am Wochenende beim Großen Preis von Mexiko (So., ab 20 Uhr im LIVETICKER) seinen nächsten WM-Titel? Die Chancen stehen gut - denn wird der Brite mindestens Fünfter, hat er den vierten Titel sicher.

Mit 32 Jahren würde der Brite dann bei der Anzahl der WM-Titel mit Dauerrivale Sebastian Vettel gleichziehen. Macht Hamilton so weiter, könnten in den nächsten Jahren weitere folgen.  Doch wo steht er im Vergleich mit den besten Formel-1-Fahrern aller Zeiten?

SPORT1 vergleicht die Daten des 32-Jährigen mit Michael Schumacher, Juan Manuel Fangio, Alain Prost, Sebastian Vettel und Ayrton Senna.

Vettel war jünger als Hamilton

In Sachen Alter ist Lewis Hamilton beim möglichen Erreichen eines vierten Titels nicht der jüngste. Ferrari-Rivale Vettel hatte seine vier WM-Titel bereits mit 26 Jahren eingetütet.

Aber: Rekordweltmeister Michael Schumacher erlangte wie Hamilton seinen vierten von insgesamt sieben Titeln ebenfalls erst mit  32 Jahren.

Bei der Anzahl der Titel liegt Schumacher mit sieben Titeln klar vor Fangio mit fünf, Vettel und Prost folgen mit vier und Senna mit drei Triumphen. Hamilton könnte damit am kommenden Wochenende im Autodromo Hermano Rodriguez sein großes Vorbild Senna überflügeln.


Hamilton hält den Pole-Rekord

In einer Kategorie hat Lewis Hamilton bereits alle überholt. Mit derzeit 72 Pole Positions steht der Brite besser da, als Rekordweltmeister Schumacher mit 68.

Zu den unglaublichen 91 Grand Prix-Siegen des ehemaligen Ferrari-Piloten fehlen dem 32-Jährigen allerdings noch 29 Erfolge.

Um zu den größten Fahrern aller Zeiten zu gehören, zählen allerdings nicht nur Titel und Erfolge. Neben dem fahrerischen Können spielen auch die Fähigkeiten, ein Team zu entwickeln, und die Entwicklungsarbeit am Auto eine wichtige Rolle.

Hamilton profitiert von Auto

Nicht jeder der Top-Fahrer hatte immer das beste Auto zur Verfügung. Dies trifft vor allem auf Brasilliens Legende Ayrton Senna zu. Bei drei seiner vier Teams konnte er keinen Titel erringen. Lediglich im Cockpit von McLaren gelangen zwischen 1988 und 1991 drei Titel.

Hamilton schaffte bereits 2008 im McLaren-Cockpit die erste Weltmeisterschaft. Seit der Brite für Mercedes an den Start geht, gewann das Team in drei von vier Jahren den Titel.

Bis auf 2017, wo Ferrari fast auf Augenhöhe ist, hatte Hamilton mit Mercedes aber auch immer das mit Abstand beste Auto zur Verfügung und deshalb nur seinen Teamkollegen als ernsthaften Gegner.

Schumacher baut ein Team auf

Anders als Hamilton gelang es Schumacher ein beim Wechsel mittelmäßiges Team zum über Jahre besten Rennstall der Formel 1 aufzubauen. Bis zum ersten Titel mit Ferrari dauerte es aber fünf Jahre.

Von seinem vorherigen Team Benetton wechselten - auf Wunsch von Schumacher - Renningenieur Ross Brawn und Konstrukteur Rory Byrne zu Ferrari. Zusammen entwickelten sie ein schlagkräftiges Fahrzeug, mit dem im Jahr 2000 der erste Titel eingefahren wurde.

Bei Mercedes wurde diese Fähigkeit aber eher Nico Rosberg als Hamilton zugeschrieben. Der noch amtierende Weltmeister war in der Lage, den Ingenieuren den nötigen Input zur Weiterentwicklung des Autos zu liefern und war damit am Aufstieg von Mercedes entscheidend beteiligt.


Sennas fahrerisches Genie einzigartig

Was die größten Formel 1-Fahrer aller Zeiten wohl am meisten auszeichnet, ist jedoch ihr fahrerisches Können. Hamiltons ist hier herausragend und vielleicht sogar über Prost und Vettel zu stellen. An das fahrerische Genie eines Sennas kommt er allerdings nicht heran.

Beim Verhältnis von Rennstarts zu eingefahrenen Siegen kann die Quote eines Mannes niemand schlagen. Bei 51 Starts kam die argentinische Legende Juan Manuel Fangio 24 Mal als Sieger ins Ziel. Damit siegte er bei fast der Hälfte seiner Rennen.

Hamilton ging bisher 205 Mal an den Start und konnte dabei 62 Siege für sich verbuchen. Die Quote von Michael Schumacher ist einen Tick schlechter. Bei 307 Rennen reihte sich der Rekordweltmeister in die Startaufstellung ein – am Ende triumphierte er 91 Mal.

Schuld daran hat auch die Zeit nach seinem ersten Rücktritt, als er mit Rosberg zusammen Aufbauarbeit bei Mercedes leistete. Hamilton setzte sich dann in ein mehr oder weniger gemachtes Nest.


Prost in Sachen Taktik die Nummer eins

In der Kategorie taktisches Verständnis ist wahrscheinlich Alain Prost der beste aller Zeiten. Der Franzose bekam nicht ohne Grund den Spitznamen "Professor". Seine analytische Herangehensweise und sein taktisches Verständnis waren außergewöhnlich.

Sebastian Vettel hat sich - vor allem in dieser Saison - öfter eher als Hitzkopf hinter dem Lenkrad erwiesen. Lewis Hamilton besitzt durchaus taktisches Verständnis und hat - zumindest in diesem Jahr - seine Emotionen besser im Griff als Rivale Vettel.

Fazit:

Statistisch gesehen kann Lewis Hamilton der beste Fahrer aller Zeiten werden. Um weitere WM-Titel zu erreichen hat er mit 32 Jahren auch noch genügend Zeit.

Ob er allerdings noch so lange fahren will, ist eine andere Frage - Hamilton hat bekanntlich eine Reihe anderer Hobbies abseits der Rennstrecke. In den Kreis von Alleskönner Schumacher und Fahrer-Genie Senna wird Hamilton aber auch mit weiteren WM-Titeln eher nicht aufsteigen können.