Zwei Todeskandidaten in den USA entgehen der Hinrichtung

Unmittelbar vor der geplanten Vollstreckung einer Todesstrafe im US-Bundesstaat Texas ist das Urteil in lebenslange Haft umgewandelt worden. Whitaker müsse den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen, erklärte Gouverneur Greg Abbott. Bartlett Whitaker war zum Tode verurteilt worden, weil er die Ermordung seiner ganzen Familie in Auftrag gegeben hatte

Praktisch in letzter Minute sind zwei Todeskandidaten in den USA ihrer Hinrichtung entgangen. Der Gouverneur von Texas wandelte am Donnerstag die Todesstrafe eines 38-Jährigen, der die Ermordung seiner gesamten Familie in Auftrag gegeben hatte, in lebenslange Haft um. In Alabama wurde die Exekution eines Mannes abgebrochen, weil die Beamten keine geeignete Vene für die Giftspritze fanden. In Florida wurden hingegen am selben Abend ein Mann exekutiert.

Die Ansetzung von gleich drei Hinrichtungen am selben Tag in den USA ist ein seltenes Vorkommnis - die Verschonung eines Todeskandidaten in Texas per Beschluss des Gouverneurs allerdings auch. Zuletzt passierte dies in dem Bundesstaat vor zehn Jahren.

Gouverneur Greg Abbott begründete seine Entscheidung unter anderem damit, dass der Vater des Verurteilten die Hinrichtung seines Sohnes leidenschaftlich ablehne. Der Vater von Bart Whitaker argumentiere, dass er erneut zum Opfer gemacht würde, wenn ihm sein letzter direkter Angehöriger genommen werde, erklärte Abbott. Der Häftling reagierte auf die Entscheidung mit den Worten, er sei dankbar, "nicht wegen mir selbst, sondern wegen meines Vaters".

Für den Republikaner Abbott war es das erste Mal, dass er ein Todesurteil aufhob. Überraschend hatte sich zuvor bereits die texanische Bewährungs- und Begnadigungskommission einstimmig für eine Haftumwandlung ausgesprochen.

Bei der Tat im Jahr 2003 hatte ein Auftragsmörder die Mutter und den Bruder Whitakers getötet. Sein Vater wurde verletzt, ebenso wie Bart Whitaker selbst. Erst sieben Monate nach der Tat kam heraus, dass es sich um einen Auftragsmord handelte, der wie ein Raubüberfall aussehen sollte.

Kent Whitaker, ein gläubiger Christ, verzieh seinem Sohn und setzte sich jahrelang für die Aufhebung des Todesurteils ein. Er glaube fest daran, dass Gott ihm dabei geholfen habe, das Verhältnis zu seinem Sohn wieder herzustellen, sagte der 69-Jährige der Nachrichtenagentur AFP.

Zum Verlust seiner Frau und seines Sohnes sagte der Vater: "Ich leide jeden Tag unter ihrer Abwesenheit, und ich kann Ihnen sagen, wie schwer mir das fällt. Und ich bin mir voll bewusst, dass dieser Verlust durch meinen Sohn herbeigeführt wurde."

Im Bundesstaat Alabama wurde die Hinrichtung eines 60-Jährigen hingegen nur vorübergehend ausgesetzt. Doyle Hamm befindet sich seit drei Jahrzehnten in der Todeszelle. Er war zur Höchststrafe verurteilt worden, weil er 1987 bei einem Raubüberfall auf ein Motel einen Angestellten erschossen hatte.

Hamm leidet an Hirn- und Lymphdrüsenkrebs. Seine Anwälte hatten deshalb bereits im Vorfeld seine Hinrichtung mit den Argument zu verhindern versucht, er habe keine geeignete Vene für die tödliche Injektion. Ein Gericht entschied dennoch, dass Hamms körperlicher Zustand für die Hinrichtung ausreiche.

Der Versuch der Exekution wurde zu einer Tortur für den Häftling. Stundenlang versuchten die Vollzugsbeamten vergeblich, das Gift zu spritzen. Schließlich wurde die Prozedur abgebrochen, was die Gefängnisbehörde von Alabama als Vorsichtsmaßnahme bezeichnete. Hamms Anwalt Bernard Harcourt reagierte empört. Was passiert sei, sei "unvorstellbar", sagte er.

Im Bundesstaat Florida wurde die Exekution eines Mannes vollstreckt, der 1993 eine Studentin vergewaltigt und ermordet hatte. Die Anwälte von Eric Branch hatten vergeblich ins Feld geführt, dass ihr Mandant zur Tatzeit erst 21 Jahre alt in seiner geistigen Entwicklung auf dem Stand eines Jugendlichen war.