Blutbad in Kirche erschüttert die USA

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Polizeisperre in Sutherland Springs

Schon wieder erschüttert ein Blutbad die USA: Fünf Wochen nach dem Massenmord von Las Vegas hat ein Angreifer im US-Bundesstaat Texas 26 nichts ahnende Menschen getötet und rund 20 weitere verletzt. Der junge Mann, offenbar ein Ex-Soldat, schoss am Sonntag auf Besucher eines Gottesdienstes im Dorf Sutherland Springs. Sein Motiv war zunächst unklar. US-Präsident Donald Trump sagte, die Tat zeige kein Problem mit Schusswaffen, sondern mit "geistiger Gesundheit".

Der schwarz gekleidete Angreifer gab gegen 11.20 Uhr (Ortszeit) die ersten Schüsse vor der First Baptist Church ab, bevor er in das Gotteshaus eindrang und mit einem Sturmgewehr auf die Gläubigen schoss. Ein Anwohner habe dann nach seiner Waffe gegriffen, sagte Freeman Martin von der texanischen Sicherheitsbehörde. Der Täter habe das Gewehr fallen gelassen und sei geflohen. Kurz danach hätten Polizisten den Mann tot in seinem Wagen aufgefunden. In dem Auto seien zahlreiche Waffen gefunden worden.

Ob sich der Schütze selbst das Leben nahm oder erschossen wurde, blieb zunächst offen. Auch über die Hintergründe der Tat war zunächst nichts bekannt. Zur Identität des Schützen sagten die Behörden lediglich, es handle sich um "einen etwa 20-jährigen jungen weißen Mann". Seine Herkunft werde geprüft, dazu würden auch die Verletzten befragt.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge handelt es sich um den 26-jährigen früheren Luftwaffensoldaten Devin Patrick Kelley. Die US-Luftwaffe teilte mit, Kelley sei ab 2010 in New Mexico stationiert gewesen und 2012 wegen eines Angriffs auf seine Frau und sein Kind vor ein Militärgericht gestellt worden.

Er sei zu zwölf Monaten Haft verurteilt und 2014 unehrenhaft aus den Streitkräften entlassen worden, sagte Sprecherin Ann Stefanek der Nachrichtenagentur AFP. Den Medienberichten zufolge lebte Kelley am Stadtrand von San Antonio, rund 50 Kilometer von dem 400-Einwohner-Dorf Sutherland Springs entfernt.

Der texanische Gouverneur Greg Abbott traf trauernde Dorfbewohner und sagte, das Blutbad in Sutherland Springs sei der schlimmste Schusswaffenangriff in der neueren texanischen Geschichte. Verschlimmert werde diese Tragödie noch durch die Tatsache, dass sie sich in einer Kirche ereignet habe, "einem Andachtsort, wo diese unschuldigen Menschen niedergeschossen wurden". Die Toten waren zwischen fünf und 72 Jahre alt. Unter ihnen war auch die 14-jährige Tochter des Pastors Frank Pomeroy, wie dieser dem Sender ABC News bestätigte.

US-Präsident Donald Trump verurteilte den Angriff als "entsetzliches" Verbrechen und eine "Tat des Bösen". Auf ein Waffenproblem in den USA führte er die Tat nicht zurück: "Wir haben viele Probleme mit geistiger Gesundheit in unserem Land", aber im vorliegenden Fall gebe es kein Problem mit Schusswaffen, sagte er während seines Besuchs in Japan.

Trumps Amtsvorgänger Barack Obama, der sich vergeblich für strengere Waffengesetze eingesetzt hatte, sprach von einer "Tat des Hasses". "Möge Gott uns allen die Weisheit schenken zu fragen, welche konkreten Schritte wir einleiten können, um Gewalt und Waffen in unserer Mitte zu reduzieren", fügte er hinzu.

Erst am 1. Oktober hatte ein Heckenschütze in Las Vegas 58 Besucher eines Countrymusik-Festivals getötet und 550 weitere verletzt. Es war der folgenschwerste Schusswaffenangriff der jüngeren US-Geschichte.

Die Tat in Sutherland Springs erinnert aber auch an den Angriff auf eine Kirche in Charleston im Bundesstaat South Carolina im Juni 2015. Damals erschoss Dylann Roof, ein bekennender Anhänger des rassistischen Ku Klux Klans, während einer Bibelstunde acht Mitglieder der afroamerikanischen Gemeinde sowie den Pastor.

Die Bundesregierung reagierte "bestürzt" auf den Vorfall in Texas und verurteilte "diese sinnlose Gewalt gegen friedliche Teilnehmer eines Gottesdienstes", wie ein Sprecher des Auswärtigen Amts erklärte.