Nach Demonstration: Video zeigt brutales Vorgehen der Polizei in Göttingen

Ein Demonstrant wird von einem Polizisten zu Boden gedrückt. (Bild: Vimeo.com/Links Unten Göttingen)

Mit äußerster Härte ging die Polizei am vergangenen Wochenende in Göttingen gegen Demonstranten vor. Die Beamten streckten unter anderem einen Ordner auf brutale Art und Weise nieder. Zuvor hatte es mehrere Razzien im Zusammenhang mit dem G20-Gipfel gegeben.

Ein kürzlich aufgetauchtes Video von einem Polizeieinsatz am 9. Dezember in Göttingen zeigt einen jungen Mann, der von Beamten gewaltsam attackiert wird. Bei dem Opfer handelt es sich um einen 27-Jährigen, der bei einer Demo als Ordner im Einsatz war. An dem Protest, der von der Gruppierung „Antifaschistische Linke International“ organisiert wurde, nahmen rund 600 Aktivisten teil. Man wollte ein Zeichen gegen die bundesweiten Razzien setzen, bei denen die Polizei wenige Tage zuvor mittels Hausdurchsuchungen Informationen über G20-Gegner sammeln wollte.

In dem rund zweieinhalbminütigen Video sind einige Polizisten zu sehen, die den jungen Mann aus einer Menschenmenge ziehen. Schnell eskaliert die Situation. Obwohl sich der Mann allem Anschein nach nicht wehrt, treten und prügeln die Polizeibeamten mehrfach auf ihn ein, teilweise auch von hinten und mit Schlagstock. Ein Polizist verpasst dem Ordner sogar einen Faustschlag ins Gesicht.

Das Video können Sie hier sehen (Warnung: Drastische Gewaltdarstellungen)

Schließlich drücken die Polizisten den 27-Jährigen zu Boden. „Lasst ihn doch in Ruhe!“, „Was macht ihr denn da mit dem?“, schreien einige Zeugen. Auch Hilferufe sind zu hören. Obwohl sich der Mann nicht bewegt, fixiert ihn ein Polizist, indem er mit dem Knie und unter Einsatz seines vollen Körpergewichts auf den Kopf des Ordners drückt. „Ich wehre mich nicht“, ruft der Ordner, der abwechselnd nach Luft ringen und würgen muss.

Als die Polizisten den Mann wieder hochheben, bewegt sich dieser nicht mehr. Mehrere Demonstranten machen die Beamten darauf aufmerksam, dass der Ordner bewusstlos sei. Doch die Polizeitruppe fordert jetzt sogar noch Verstärkung an. Als „Sicherung“.

Schließlich schreit eine ältere Frau die Beamten an: „Das ist mein Kind!“ Sie versucht, zu dem jungen Mann vorzudringen, wird von den Polizisten jedoch weggeschoben. Am Ende des Videos sind rund ein Dutzend Beamte zu sehen, wie sie den ohnmächtig wirkenden Ordner hinter sich herziehen und dann mit ihm hinter einem Lieferwagen verschwinden.

Mehrere Polizisten schleifen den 27-Jährigen hinter sich her. (Bild: Vimeo.com/Links Unten Göttingen)

Wie „Buzzfeed“ nun unter Berufung auf Oberstaatsanwalt Frank-Michael Laue berichtet, hat die Polizei gegen den verletzten Ordner Anzeige erstattet, und zwar wegen Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und versuchter Körperverletzung. Die Polizei erklärte in einer Pressemitteilung, die Beamten seien „unvermittelt und von hinten angerannt und angegriffen“ worden.

In dem Statement heißt es weiter: „Entgegen zwischenzeitlich aufgekommener Gerüchte bzw. Behauptungen befand sich der Tatverdächtige weder während seiner Festnahme noch anschließend in bewusstlosem Zustand. Die Begutachtung des Demonstranten durch eine hinzugezogene Rettungswagenbesatzung ergab keine Hinweise auf bei dem Polizeieinsatz erlittene Verletzungen oder die zuvor beschriebene Bewusstlosigkeit.“

Der Anwalt des Mannes, der als Ordner eigentlich für Frieden zwischen der Polizei und den Demonstranten sorgen sollte, widerspricht dieser Darstellung. Gegenüber „Buzzfeed“ erklärte Anwalt Sven Adam, der Betroffene habe Hämatome am ganzen Körper, die fotografisch festgehalten sowie in der Notaufnahme festgestellt wurden. Neben einer aufgeplatzten Lippe und Verletzungen an der Stirn habe sein Klient auch mehrere „Bewusstseinseintrübungen“ erlitten, wie dem Video zu entnehmen sei. Erst nach einer zwanzigminütigen Fahrt zur Wache sei der 27-Jährige von einer Rettungsmannschaft untersucht worden. Zu dem Zeitpunkt habe man laut Anwalt aber keine Bewusstlosigkeit mehr feststellen können.