EU-Strafe drückt Alphabets Gewinn – Aktie legt kräftig zu

Die von der EU verhängte Geldbuße schmälert den Gewinn der Google-Mutter im zweiten Quartal. Dennoch übertrifft der Konzern die Erwartungen der Analysten.


Wenige Tage nach der 5,07 Milliarden Dollar hohen Wettbewerbsstrafe von EU-Kommissarin Margarethe Vestager legte Alphabet am Montag die Zahlen für das zweite Quartal vor. Das sind die wichtigsten Fakten.

  • Alphabet wächst weiter. Der Umsatz kletterte um 26 Prozent auf 32,7 Milliarden Dollar.
  • Die von der EU auferlegte Geldbuße mit eingerechnet, schrumpfte der Nettogewinn um neun Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar. Ohne die Strafe wegen des angeblichen Missbrauchs der Marktmacht beim Smartphone-System Android würde der Quartalsgewinn 8,3 Milliarden Dollar betragen und der Gewinn pro Aktie bei 11,75 Dollar liegen.
  • Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der Wall Street. Die hatten laut Thomson Reuters mit einem Umsatz in Höhe von 32,17 Milliarden Dollar bei einem Gewinn von 9,52 Dollar pro Aktie gerechnet.

Das fällt auf

Die Wall Street reagiert gelassen auf die Rekordstrafe der EU. Gegenüber der Vorwoche verlor die Alphabet-Aktie bis kurz vor Handelsschluss nur minimal (bis zu 0,5 Prozent). Kurz vor Veröffentlichung der Quartalszahlen strebte der Kurs schon wieder nach oben und stieg nachbörslich um sechs Prozent.

Was jetzt passiert

Bislang musste Google mehr Geld investieren, um Klicks für Services einzukaufen, das heißt Hersteller wie etwa Apple dafür bezahlen, damit Google im Internet-Browser Safari als voreingestellte Suchmaschine angezeigt wird. Die Ausgaben wuchsen zuletzt um 22 Prozent im Vorjahresvergleich. Im zweiten Quartal sanken sie nun erstmals seit drei Jahren.


Investoren werden gespannt darauf schauen, ob der Trend so weitergeht. Hält die EU-Order dem Widerspruchsverfahren stand, kann Google Smartphone- und Tablet-Hersteller im europäischen Markt künftig nicht länger dazu verpflichten, den eigenen Suchdienst und Webbrowser vorzuinstallieren, wenn sie das Betriebssystem Android und Googles App Store nutzen wollen. Die Preise könnten demnach steigen.

Sehr interessiert dürfte die Wall Street auch den Anmerkungen von Google-Chef Sundar Pichai und Finanzchefin Ruth Porat zu Waymo gelauscht haben. Die Konzerntochter will bis Ende des Jahres amerikaweit einen eigenen Fahrservice mit autonomen Fahrzeugen starten. Waymo-Chef John Krafcik hat deshalb investiert und 62.000 Autos bei Fiat Chrysler und 20.000 bei Jaguar Land Rover gekauft.