Goodbye FUD #4 – Der dezentrale Blockchain-Staat

Phillip Horch

Die letzten Wochen und Monate waren alles andere als rosig für den Kryptomarkt. Fallende Kurse und schlechte Nachrichten haben stark auf die Stimmung im Krypto-Ökosystem geschlagen – das Schlagwort FUD (Fear, Uncertainty and Doubt) schlug hohe Wellen. In manch einer Berichterstattung konnte schnell der Eindruck gewonnen werden, dass die Krypto-Ökonomie am Ende ist. Wir halten dies für eine Fehleinschätzung und möchten in unserer 10-teiligen Artikelserie skizzieren, warum sich 2018 zu einem herausragend guten Jahr entwickeln kann. Heute: der Blockchain-Staat.

Man stelle sich einen Staat vor. Einen Staat, dessen Länder überall auf der Welt verteilt sind. Einen Staat, der dezentral organisiert ist – der Blockchain-Staat. Schauen wir ihn uns an, den Blockchain-Staat und seine Länder.

Eins vorneweg: Momentan ist die Lage im Blockchain-Staat noch recht chaotisch. Einige Länder ordnen sich unter, manche passen sich an, andere haben gar keine Ahnung. Doch so ist das mit jungen Staaten  – sie müssen sich erst formen.

Ein Blick ins nächste Umfeld zeigt verschiedenste Positionen. Während Länder wie Liechtenstein, Malta und die Schweiz längst die Zeichen der Zeit erkannt haben, hinkt Deutschland noch hinterher. Zwar spricht man im Koalitionsvertrag immer wieder von „Blockchain”. Doch so richtig Ahnung haben offenbar die wenigsten deutschen Politiker.

Bedenken first, digital second

Das erkannte laut Welt auch Frank Schäffler von der FDP: „Die Bundesregierung stochert bei ICOs und Blockchain im Nebel. Das ist kein gutes Signal für Deutschland […] Für die Regierung gilt: Bedenken first, digital second.“ Außerdem wisse niemand, wie viele ICOs es in der Bundesrepublik überhaupt gebe. Auch das Hinweisschreiben der BaFin ist recht undurchsichtig – im Prinzip können Kryptowährungen alles sein, man müsse da im Einzelfall entscheiden.

Dabei sind die Anwendungsfälle vielfältig, gerade für Regierungen ist die Blockchain und diese ominösen digitalen Währungen, über die man im Einzelfall entscheiden muss, attraktiv. Wahlen auf der Blockchain, Verwaltung von Immobilien und Regierungsdokumenten – jegliche Form von Infrastruktur lässt sich über die Blockchain regeln. Und damit kann man eine große Menge Papier und Arbeit einsparen. Bis das ins Bewusstsein der Bundesregierung rückt (und dann auch noch umgesetzt wird), kann es etwas dauern.

Nachbarstaaten erkennen Zeichen der Zeit

Ein Blick in die Nachbarschaft eröffnet da schon andere Perspektiven. So gründete der Schweizer Bundesrat bereits im Dezember letzten Jahres eine Blockchain-Taskforce, die im Januar ihr erstes Treffen hatte. Man wolle schnellstmöglich die Grundlagen verankern, um Blockchain-Start-ups auch rechtlich abzusichern. So kamen dann auch erste Richtlinien für ICOs im Februar, die lediglich für mehr Sicherheit bei ICOs sorgen sollen – von Verboten keine Spur. Solche tummeln sich bereits in der Idylle des neutralen Landes. Das Krypto-Valley Zug ist nicht erst seit gestern Anlaufstation für Tech-Start-ups. Selbst an ausgesuchten schweizer Unis kann man mit Bitcoin bezahlen.

Blockchain-Hotspots formen sich

Doch es herrscht noch Uneinigkeit unter den Ländern des Blockchain-Staats. Letztes Jahr gab es das ICO-Verbot in China, die Handelsbörsen bekamen rechtliche Probleme. Die Börsen zogen kurzerhand um, man bewegte sich nach Singapur, Hongkong und Japan. Aber auch in Japan kam es in den vergangenen Monaten zu Problemen: Ankündigungen von Regulierung und Verboten sorgten für miese Stimmung am Kryptomarkt. Mit erhobenem Zeigefinger jagte man Binance aus dem Land. Nun machen sie es sich in Malta bequem – die Inselgruppe im Mittelmeer will sich die ökonomischen Vorteile, die Kryptobörsen mitsichbringen, offenbar nicht entgehen lassen. In Liechtenstein sieht es ähnlich aus: Auch hier wolle man Blockchain-Hotspot werden. Unter anderem hat dort das Start-up Aeternity von Ethereum-Gründer Yanislav Malahov seinen Hauptsitz.

Einen der wohl größten Schritte bisher wagte Venezuela. Mit einer landeseigenen Kryptowährung und einem dazugehörigen ICO sammelte das südamerikanische Land in der ersten Runde offenbar 735 Millionen US-Dollar ein. So umstritten das Projekt auch sein mag – es zeigt, dass Kryptowährungen gerade für krisengeplagte Länder attraktiv sein können. In Zeiten hoher Inflation und schwachen Landeswährungen kann das Krypto-Ökosystem Linderung bringen. Das bestätigt sich mit einem Blick auf Simbabwe: Dort bewegen die schlechten ökonomischen Verhältnisse immer mehr Menschen dazu, Bitcoin zu verwenden, um die horrenden Gebühren der Banken zu umgehen und grenzüberschreitende Zahlungen zu tätigen.

Goodbye FUD #4: Der letzte Punkt

Diese kurze Umschau zeigt, dass sich das Bitcoin-Ökosystem und die Blockchain-Technologie auf dem Globus verbreitet. Nachdem er sich etwas abgekühlt, aus seinen Fehlern gelernt hat und die Kinderschuhe ausgezogen hat, kann er also kommen, der Blockchain-Staat. Dafür braucht er keinen Ort. Kein Grund zur Panik also.

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Source: BTC-ECHO

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