Die Deutsche Bank wird ihre anvisierte Eigenkapitalrendite wohl nicht erreichen, meinen Analysten von Goldman Sachs – trotz eines guten Marktumfelds.

Mit guten Nachrichten konnte die Deutsche Bank in diesem Jahr bislang wahrlich nicht glänzen. Zunächst musste sie einen Jahresverlust von 500 Millionen Euro für das vergangene Geschäftsjahr verkünden, es folgte eine aufgeheizte Debatte über die hohen Boni-Zahlungen trotz deutlichem Minus, vor wenigen Tagen kamen dann auch noch Stellenstreichungen im wichtigen Investmentbanking dazu.

Vorstandschef John Cryan dürfte deshalb wenig erfreut darüber sein, dass nun auch die große US-Konkurrenz beim Frankfurter Geldhaus massive Probleme sieht. Eine Analyse der amerikanischen Großbank Goldman Sachs kommt zu dem Ergebnis, dass die Bank trotz eines günstigen Marktumfeldes ihr angepeiltes Ziel von zehn Prozent bereinigter Eigenkapitalrendite (Return on Tangible Equity) nicht erreichen wird.

Die Analysten um Jernej Omahen prognostizieren sogar, dass die Bank die Schwelle wohl selbst dann nicht knacken wird, wenn die Investmentbanker es schaffen sollten, ihre Erträge in diesem Jahr um die Hälfte zu erhöhen.


Das Investmentbanking ist das wichtigste Ertragsfeld des Instituts. Es steuert circa 60 Prozent der Gesamteinnahmen bei. Die Bank investiert viel in dieses Segment, allerdings lief es in den vergangenen beiden Jahren äußerst schlecht: Umsätze und Marktanteile sind kontinuierlich gefallen. Allein im vierten Quartal des vergangenen Jahres brachen die Erträge im Vergleich zum Vorjahresquartal um 16 Prozent ein. Die Eigenkapitalrendite für das vergangene Geschäftsjahr beträgt minus 0,8 Prozent.

Kürzlich war zudem bekannt geworden, dass die Deutsche Bank rund 250 der 17.000 Stellen in der Investmentbank streichen wird, vorrangig geht es dabei um ranghohe Jobs in New York und London. In Finanzkreisen heißt es, dass die Kürzungen wahrscheinlich auf bis zu 500 Stellen ausgeweitet werden könnten, dann auch am Standort Frankfurt.

Ausschlaggebend für die zuletzt miserablen Zahlen waren unter anderem die geringen Schwankungen an den Finanzmärkten. Je geringer die Volatilität im Markt, desto weniger Geld lässt sich mit Handelsgeschäften verdienen. In dieser Hinsicht läuft es im ersten Quartal des neuen Jahres wegen der deutlich höheren Ausschläge seit Anfang Februar deutlich besser – zu diesem Urteil kommen auch die Goldman-Sachs-Analysten. Sie vermuten daher für das erste Quartal steigende Erträge im Investmentbanking – die angepeilte Eigenkapitalrendite sei wohl trotzdem zu hoch.

Bei der Vorlage der Bilanz für 2017 hatte John Cryan bereits das Kostenziel für das laufende Jahr kassieren und den dritten Jahresverlust in Folge verkünden müssen. Der Druck auf den Vorstandschef ist inzwischen groß – und dürfte sich verstärken, sollten in diesem Jahr nicht endlich echte Erfolgsmeldungen kommen. Zwar ist es unbestritten, dass Cryan maßgeblich zur Sanierung der Bank beigetragen hat. Gleichwohl zweifeln einige Investoren daran, dass die Bank mit dem Briten an der Spitze nachhaltig wachsen kann.

Die Investmentbank war zuletzt unfreiwillig in die Schlagzeilen geraten, nachdem der Leiter des Segments und Vize-Chef der Bank, Marcus Schenck, trotz der schwachen Marktentwicklung vehement auf eine Erhöhung der Boni für Investmentbanker gepocht haben soll. Andernfalls, so Schenck, würde die Bank ihre Top-Banker an die Konkurrenz verlieren. Etwa 1,4 Milliarden Euro an Boni hatte das Geldhaus 2015 für Investmentbanker ausgeschüttet, ehe die variable Vergütung im Folgejahr drastisch gekürzt worden war und viele Mitarbeiter leer ausgegangen waren.


Goldman Sachs hat das Kursziel der Deutschen Bank außerdem minimal von 15,10 auf 15 Euro gesenkt, stuft die Aktie jedoch weiter mit „neutral“ ein. So sieht es inzwischen auch die US-Bank Merrill Lynch, die Anfang der Woche das Kursziel – unter anderem aufgrund der hohen Volatilität im Markt und damit verbundenen Ertragschancen im Investmentbanking – von zwölf auf 15 Euro erhöhte. Für eine Kaufempfehlung reiche es aufgrund der strukturellen Probleme der Bank noch nicht, betonte Analyst Andrew Stimpson.

Immerhin: Die Analyse von Goldman Sachs gilt nicht nur für die Deutsche Bank. Auch die britische Großbank Barclays, die am Donnerstagmorgen ihre Bilanz für 2017 vorlegte, werde die anvisierte Eigenkapitalrendite verfehlen, so die Analysten – geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid.