Commerzbank heuert Investmentbanken an


Unicredit, BNP Paribas, Crédit Agricole: Wer in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen über mögliche Interessenten gelesen hat, der könnte den Eindruck erlangen, eine Übernahme der Commerzbank stehe kurz bevor. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass nun auch die Bank selbst aktiv wird.

Sie hat Finanzkreisen zufolge die Investmentbanken Goldman Sachs und Rothschild beauftragt, sie bei strategischen Optionen zu beraten. Dabei gehe es nicht um ein reines Abwehr-Mandat, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen dem Handelsblatt. Zuerst hatte darüber die „Financial Times“ berichtet. Die Commerzbank, Goldman Sachs und Rothschild äußerten sich dazu nicht.


Aktuell seien keine konkreten Übernahmeangebote zu erwarten, zumal die Regierungsbildung in Berlin noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte, hieß es. Aber die Commerzbank wolle verschiedene Optionen prüfen lassen, falls sich die neue Bundesregierung irgendwann für einen Verkauf ihres Anteils von gut 15 Prozent an der Bank entscheiden sollte.

Die italienische Großbank Unicredit hat Finanzkreisen zufolge bereits vor der Bundestagswahl in Berlin wegen der Commerzbank vorgefühlt. Wenig später bekundete Crédit-Agricole-Chef Philippe Brassac im Handelsblatt-Interview grundsätzliches Interesse an Deutschlands zweitgrößter Privatbank. „Wenn ein so großes Institut wie die Commerzbank tatsächlich zum Verkauf stünde, müssten wir das als eines der bedeutendsten Institute in der Euro-Zone sicher analysieren“, sagte er.


Die Bundesregierung ist seit der staatlichen Rettung der Commerzbank in der Finanzkrise am Frankfurter Geldhaus beteiligt. Und der Bund hat mehrfach klar gemacht, keine Eile beim Verkauf des Aktienpakets zu haben. Zudem müsste der Kurs der Commerzbank noch deutlich zulegen, damit ein Ausstieg für den Staat kein Verlustgeschäft würde.

Gegen eine Übernahme spricht aktuell auch, dass sich die Commerzbank mitten im Umbau befindet. Der neue Vorstandschef Martin Zielke hat im Herbst 2016 im Rahmen seiner Strategie „Commerzbank 4.0“ den Abbau von 9600 Vollzeitstellen angekündigt. Über die Details verhandelt die Bank aktuell mit den Arbeitnehmern. Das Geldhaus will sich künftig ganz auf das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden konzentrieren. Zudem möchte Zielke das Institut zu einem „digitalen Technologieunternehmen“ entwickeln und bis 2020 rund 80 Prozent der Geschäftsprozesse digitalisieren.


Bei vielen Mitarbeitern der Bank ist die Stimmung im Keller. Sie fragen sich, ob der Umbau funktioniert und wohin er führen soll. „Haben wir das Ziel, eine eigenständige Bank zu bleiben?“, fragt ein Arbeitnehmervertreter. „Oder soll die Braut nur für einen Verkauf aufgehübscht werden?“

Viele Investoren, Finanzmanager und Bankenaufseher halten eine Übernahme der Commerzbank ab 2019 für realistisch, wenn der Umbau des Instituts weitgehend abgeschlossen sein soll. Aus Sicht von Investoren steigt dann auch der Druck auf die Deutsche Bank, sich erneut mit der Commerzbank zu beschäftigen. Im vergangenen Jahr hatten beide Geldhäuser bereits kurz über einen Zusammenschluss gesprochen. Die Verhandlungen wurden jedoch nach kurzer Zeit auf Eis gelegt – und seitdem nicht wiederbelebt.