Warum der Goldman-Sachs-Chef gegen Trump twittert


Sechs Jahre hatte Lloyd Blankfein nach seiner Twitter-Anmeldung im Juni 2011 für seinen ersten Tweet gebraucht: Nachdem US-Präsident Donald Trump Anfang Juni den Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt hatte, meldete sich der Goldman-Sachs-Chef erstmals auf dem Kurznachrichtendienst Twitter zu Wort.

Die Entscheidung Trumps sei ein Rückschritt für die Umwelt und für die weltweite Vormachtstellung der USA, schrieb er und bekam dafür bis heute 13.000 Retweets. Weitere US-Konzernchefs wie Tim Cook oder Mark Zuckerberg bezogen damals ebenfalls Stellung gegen die Pläne Trumps.


In einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC äußerte Blankfein sich jetzt zu seinen Beweggründen für diesen Tweet und sein Social-Media-Engagement. „Ich habe in der Finanzkrise gelernt, dass man sich äußern muss, wenn die Bank oder deren Mitarbeiter bedroht sind.“ Dies war nun offensichtlich durch Trumps Handeln der Fall.

Für Blankfein gibt es demnach nur wenige Situationen, in denen er es für nötig hält, in die Öffentlichkeit zu gehen. Entweder gehe es um Kernthemen der Bank, dann interessiere sich dafür aber vor allem die Bankerwelt, oder, „wenn Dinge, die Leute berühren, in dem was sie sind und wie sie ihren Job erledigen können“.

In den vergangenen Jahren hatte er sich auf anderen Wegen zu gesellschaftlichen Themen geäußert, etwa mit seiner Unterstützung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Er habe nach der Finanzkrise entschieden sich zu solchen Themen zu äußern, weil er das Gefühl gehabt habe, die Menschen hätten nicht verstanden, wofür Goldman Sachs stehe, „den Wert, den wir erschaffen, was wir für die Gesellschaft tun, für die Menschen, die Geld brauchen“.


Goldman Sachs ist eine der größten Investmentbanken der Welt, Blankfein führt das Geldhaus seit 2006. Immer wieder wird der Bank vorgeworfen, zu eng mit der Politik verbandelt zu sein. Zahlreiche Ex-Banker haben in der Regierung Karriere gemacht, etwa der Ex-Vize-Chef Gary Cohn, den Trump zu seinem wichtigsten Wirtschaftsberater machte.

Blankfeins großem ersten Wurf auf Twitter folgten bislang übrigens nur sechs weitere Tweets kleineren Kalibers. So äußerte er sich zum Beispiel dazu, dass die US-Regierung mehr in Infrastruktur investieren müsse.