Goldman macht Sparern wenig Hoffnung

Der Chef-Ökonom für Europa, Huw Pill, glaubt an eine dauerhaft niedrige Inflation in Deutschland. Damit bliebe die Preissteigerung überall in der Euro-Zone niedrig, sagt er. Das bremst die EZB bei Zinserhöhungen.


Ist die IG Metall daran Schuld, dass es den deutschen Sparern so schlecht geht? Wenn man Huw Pill glaubt, trägt die mächtigste deutsche Gewerkschaft einen guten Teil der Verantwortung für die niedrigen Zinsen in Deutschland und damit letztlich auch für die zögerliche Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Der Chefökonom von Goldman Sachs für Europa sagte am Mittwoch: „Zurzeit sehen wir weltweit Bilder von streikenden Arbeitern in Deutschland. Aber ich glaube, dass sie sich am Ende irgendwo bei drei Prozent Lohnsteigerung einigen werden.“ Und drei Prozent für die Metaller, sagte Pill bei einer Investment-Konferenz seiner Bank in Frankfurt, werden die niedrige deutsche Inflation nur wenig hochtreiben. Der Ökonom hat dabei die sogenannte Kerninflation im Blick, bei der kurzfristig schwankende Preise wie die für Energie und Lebensmittel nicht einbezogen ist. Diese Rate liegt für Deutschland seit langem bei rund einem Prozent. Sie wird sich nach Meinung des Goldman-Experten in den nächsten Monaten nur geringfügig erhöhen. Damit bleibt Deutschland aber weit unter den von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebten knapp zwei Prozent.


Und daraus leitet Pill eine unerbittliche Logik ab. Er nennt zwei Fälle. Einmal kann es passieren, dass die Inflation im gesamten Euro-Raum so niedrig bleibt wie in Deutschland. Dann hat die EZB nur wenig Spielraum, die Zinsen zu erhöhen. Oder aber die Inflation läuft in anderen Ländern wie Frankreich und Italien schneller. „Dann nehmen die Spannungen innerhalb der Euro-Zone wieder zu“, sagte Pill. Deutschland ist ohnehin Exportweltmeister und wettbewerbsfähiger als die anderen großen Euro-Länder. Sollte die Inflation hier niedriger bleiben als anderswo, könnte das schnell zu einer Krise führen – oder zu mehr Lohnzurückhaltung oder einer dämpfenden Politik in den Ländern mit höherer Preissteigerung. Am Ende wäre das Ergebnis, dass EZB-Präsident Mario Draghi wiederum wenig Raum für Zinserhöhungen bliebe.



Was die Sparer ärgert, könnte die Aktionäre aber freuen. Denn die hohen Aktienkurse werden ja weltweit vor allem mit dem Blick auf die niedrigen Zinsen gerade noch als angemessen angesehen. Der bekannte Vermögensverwalter Jens Ehrhardt, Gründer und Chef der DJE Capital AG, setzt beim Blick auf europäische Aktien daher auch auf Draghi. „Es gibt zwar noch Probleme, etwa hohe Arbeitslosigkeit, in einigen europäischen Ländern“, sagte er auf derselben Veranstaltung wie Pill. „Aber ich sehe darin kein Problem“, fuhr er fort, „im Gegenteil: So lange Draghi EZB-Chef ist und es noch Probleme gibt, werden wir so schnell keine Zinserhöhungen sehen.“

Draghis Amtszeit läuft im Herbst 2019 aus. In Deutschland gibt es Stimmen, die für Bundesbank-Präsident Jens Weidmann als Nachfolger plädieren - in der Hoffnung, dass der mutiger die Zinsen erhöht. Aber vielleicht langen bis dahin die deutschen Gewerkschaften ja auch etwas kräftiger zu als bisher.