Goldkenner rechnet mit 1.500 US-Dollar je Unze – aus einfachen und guten Gründen

Marlon Bonazzi, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Der Goldpreis kann sich schon länger nicht entscheiden, wo es hingehen soll.

Nach dem Allzeithoch in 2011 ging es erst einmal kräftig nach unten. In den letzten drei Jahren gab es dann immer wieder Erholungstendenzen, von denen aber keine zu einem wirklichen Durchbruch nach oben geführt hat.

Ein angesehener Goldfonds-Manager ist der Ansicht, dass der Goldpreis dieses Jahr den nächsten Bullenmarkt einläuten wird. Er nennt dafür einfache Gründe.

Dieser Goldkenner rechnet mit dem nächsten Bullenmarkt

Ned Naylor-Leyland ist ein Kenner des Gold- und Silbermarkts. Dort investiert er bereits seit über 17 Jahren und verwaltet mittlerweile erfolgreich den vor zwei Jahren gegründeten Old Mutual Gold & Silver Fund. Deswegen sind seine Ansichten zu der zukünftigen Entwicklung des Goldpreises durchaus von Relevanz.

In einem Interview wurde er kürzlich nach seinen Erwartungen für den Goldpreis in den kommenden Monaten gefragt. Seiner Ansicht nach befinden wir uns wieder in einem Bullenmarkt.

Ein langfristig steigender Goldpreis wird seiner Ansicht nach vor allem durch die niedrigen Realzinsen unterstützt. Das heißt, dass Goldinvestoren sich nicht nur auf Zinsen oder Inflation fokussieren sollten, sondern auf deren Zusammenspiel. Falls wir in den nächsten Monaten überraschend hohe Inflation oder überraschend niedrige Zinsen haben werden (oder vielleicht sogar beides), dann wird das den Goldpreis besonders unterstützen.

Nach Ansicht von Naylor-Leyland wäre es deshalb besonders unterstützend für den Goldpreis, wenn die amerikanische Zentralbank dieses Jahr weniger als die aktuell eingepreisten drei Zinsanhebungen durchführen wird. Das könnte dann passieren, wenn der Aktienmarkt eine Flaute erlebt, oder aufgrund geopolitischer Risiken.

So kommt das Kursziel 1.500 US-Dollar zustande

Naylor-Leyland gibt selbst zu, dass er kein Fan davon ist, konkrete Kursziele zu nennen. Er nennt aber trotzdem eine Goldpreis-Spannbreite von 1.450 bis 1.500 US-Dollar je Unze, die in den nächsten zwölf Monaten erreicht werden könnte.

Seine Begründung dafür ist sehr einfach. In seinen Augen befinden wir uns aktuell in einem Gold-Bullenmarkt. In den Bullenmärkten der letzten zwanzig Jahre stieg Gold meistens jedes Jahr im niedrigen einstelligen Prozentbereich, ungefähr 10–15 %. Verhält sich der Goldpreis in dem von ihm erwarteten Aufwärtszyklus wieder ähnlich, dann ergibt sich daraus das von ihm genannte Kursziel von 1.450 bis 1.500 US-Dollar je Unze.

Auch die Allzeithochs können wieder erreicht werden

Auf die Frage, ob Gold-Investoren auch irgendwann wieder das Allzeithoch von knapp über 1.900 US-Dollar je Unze sehen werden, antwortet Naylor-Leyland, dass seiner Meinung nach die Antwort darauf „zweifellos Ja“ ist.

Er weist darauf hin, dass Gold, selbst wenn es dieses nominale Allzeithoch wieder erreichen würde, inflationsbereinigt noch weit von seinem wirklichen Allzeithoch entfernt wäre. Im Januar 1980 wechselte eine Unze Gold aufgrund von Inflationssorgen kurzzeitig für 850 US-Dollar den Besitzer, was inflationsbereinigt laut dem Bureau of Labor Statistics heute 2.726,49 US-Dollar entspricht. Um sein inflationsbereinigtes Allzeithoch zu erreichen, müsste sich der Goldpreis also ungefähr verdreifachen.

Naylor-Leyland betont, dass aktuell keine andere der wichtigen Anlageklassen zu einem Bruchteil ihres inflationsbereinigten Allzeithochs zu haben sei. Für ihn ist das ein guter Grund, Gold nach den vielen Jahren steigender Aktienmärkte als Versicherung im Portfolio beizumischen.

Es gibt also gute und nachvollziehbare Gründe, anzunehmen, dass der Goldpreis wieder bessere Jahre vor sich hat. Besonders wer Angst vor schlechten Zeiten am Aktienmarkt hat, sollte einen näheren Blick auf Gold als Portfolio-Versicherung werfen.

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