Ein goldenes Jahr kündigt sich an

Die Edelmetallpreise kamen in diesem Jahr nicht so recht vom Fleck. Experten blicken jedoch optimistisch ins neue Jahr: Höhere Zinsen, steigende Inflation und geopolitische Risiken könnten die Gold-Notierungen nach oben treiben.


Seit mittlerweile fast neun Jahren läuft der Aufschwung an den Aktienbörsen. Anleger jubeln – aber nicht alle. „Das ist gleichzeitig der größte Nachteil für Gold“, meint Ronald-Peter Stöferle, Mitgründer der Anlagefirma Incrementum. Mit dieser Meinung ist er nicht allein. Viele Experten stützen die These: Der Börsenaufschwung lockt viele Investoren in die Aktie statt in Gold.

Wie stark der Reiz ist, belegt der sogenannte Volatilitätsindex für die Wall Street. Er spiegelt mit seinem tiefen Niveau die geringen Schwankungserwartungen der Anleger und damit eine gewisse Sorglosigkeit wider. Derart tiefe Stände sind eher unüblich. Doch die Investoren haben sich sehr an die Geldfluten der Notenbanken gewöhnt und hoffen auf ihr Eingreifen bei Marktturbulenzen.


Nun scheint eine Wende absehbar. Insbesondere die US-Notenbank erhöht die Zinsen weiter. Ökonomen erwarten, dass die Fed auch im neuen Jahr noch drei Mal an der Zinsschraube drehen wird. „Das könnte die Märkte belasten“, vermutet Stöferle und leitet daraus Chancen für Gold ab. Die Idee: Bei turbulenterer Börse würden Investoren wieder stärker den sicheren Hafen Gold anlaufen.

Steigende US-Zinsen an sich müssen den Goldpreis nicht zwangsläufig berühren – obwohl manche Analysten genau das annehmen. „Von den Erwartungen höherer Zinsen ist schon viel in den Marktpreisen enthalten“, schätzt Aram Shishmanian, Chef der Minenlobby World Gold Council.


Und dann ist da noch die Inflation. Sie war bisher kaum ein Thema. Viele Fachleute rechnen jedoch mit steigender Geldentwertung. Einige Inflationsdaten, etwa aus den USA oder Großbritannien, lagen zuletzt über der Marke von drei Prozent. Das könnte Gold als klassischen Inflationsschutz wieder interessanter machen, glauben die Edelmetall-Optimisten.

Sollte die Wirtschaft entgegen der Mehrheitsannahme der Analysten kippen, wäre das nach Ansicht vieler Experten auch zum Vorteil des Metalls. Stöferle hat für die USA nachgerechnet: In den Rezessionen während des vergangenen halben Jahrhunderts gewann der Goldpreis im Schnitt ein Fünftel an Wert.


Sehr billig im Vergleich zu Aktien

Manche Fachleute blicken außerdem auf die relativen Preisentwicklungen. Frank Holmes, Chef des US-Fondshauses U.S. Global Investors, findet hier ein Argument: „Gold ist im Vergleich zu Aktien völlig unterbewertet.“ Er setzt einfach den Goldpreis ins Verhältnis zum Aktienindex S & P 500. Dieser Quotient sei nahe eines 50-Jahres-Tiefs.

Sehr langfristige Betrachtungen dienen häufiger als Kaufargumente. Markus Bachmann von der südafrikanischen Anlagefirma Craton Capital etwa sieht Ähnlichkeiten des laufenden Goldpreisaufschwungs seit Beginn dieses Jahrtausends mit dem in den 70er-Jahren. Auch dieser sei von einer mehrjährigen Konsolidierung unterbrochen worden, wie sie 2011 eingesetzt habe. Gemessen daran müsste sich der Goldpreis in den kommenden Jahren vervielfachen.


Der aktuelle Aufschwung beim Goldpreis begann um die Jahrtausendwende bei rund 250 Dollar je Feinunze. Das Top vor sechseinhalb Jahren lag über 1900 Dollar. Danach fiel der Preis, begann vor zwei Jahren, wieder nach oben zu drehen. 2017 pendelte er in einer Spanne zwischen 1150 und 1350 Dollar.

„Der Goldpreis dürfte 2018 seinen Aufschwung fortsetzen“, glaubt auch Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Den Kurs stützen werden seiner Meinung nach weiter tiefe reale Zinsen – trotz der Zinssteigerungserwartungen in den USA. Seine Preisprognose für das Jahresende ist dennoch recht vorsichtig: 1350 Dollar.


Weinberg setzt dabei auch auf möglicherweise wachsende politische Unsicherheiten – etwa Wahlen in Italien, die Brexit-Verhandlungen, die zahlreichen geopolitischen Krisenherde wie im Nahen Osten, in Nordkorea, die wachsenden Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Politische Risiken waren in der Vergangenheit stets ein Plus für Edelmetalle. Im Herbst dieses Jahres etwa, als der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea zu eskalieren drohte, war Gold als sicherer Hafen einmal mehr gefragt.

Die Deutschen spielen im Welt-Goldmarkt übrigens eine besondere Rolle. Der Preis wartet zwar noch auf ein neues Top. Der größte deutsche Goldfonds stellt jedoch regelmäßig neue Volumenrekorde auf. „Xetra-Gold“ beispielsweise ist ein Spezial-Wertpapier, das für den Anteilsbesitzer Barrengold hinterlegt: Es steuert inzwischen auf die Marke von 200 Tonnen zu.


Anlegen 2018 – Alle Teile der Serie

Zum Jahreswechsel gibt die Handelsblatt-Redaktion einen Ein- und Ausblick zu verschiedenen Anlageklassen und Geldanlagemöglichkeiten. Die Serie hat 15 Teile und läuft vom 21. Dezember bis 4. Januar 2018. Jeweils im Tagesverlauf geht eine weitere Folge online.

Teil 1 (21.12.): Aktien Deutschland

Teil 2 (22.12.): Wohnimmobilien

Teil 3 (23.12.):Unternehmens- und Staatsanleihen: Industrieländer

Teil 4 (24.12.): Aktien Europa

Teil 5 (25.12.): Aktien Emerging Markets

Teil 6 (26.12.): Unternehmens- und Staatsanleihen: Schwellenländer

Teil 7 (27.12.): Aktien Skandinavien

Teil 8 (28.12.): Gold

Teil 9 (29.12.): Devisen

Teil 10 (30.12.): Aktien USA

Teil 11 (31.12.): Der beste Markt der Welt

Teil 12 (1.1.2018): Die Fehler des Jahres 2017

Teil 13 (2.1.): Kreditzinsen

Teil 14 (3.1.): Leser-Erwartungen 2018

Teil 15 (4.1.): Ölpreis

KONTEXT

Die zehn wichtigsten Fragen und Fakten zu Gold

1. Wie lässt sich in physisches Gold investieren?

Wer als Privatperson in Gold investiert, der will es üblicherweise auch in der Hand halten können. Dabei kommen drei Möglichkeiten infrage: Schmuck, Barren und Münzen. Wer sich für einen Ring oder eine Halskette entscheidet, der muss bedenken, dass letztlich auch hier der Feinheitsgehalt des Edelmetalls und das Gewicht die Preisuntergrenze bilden. Ästhetik oder Handwerkskunst rechtfertigen vielleicht einen Aufpreis, das ist aber Geschmackssache. Goldbarren gibt es bei Banken in Stückelungen von einem Gramm bis einem Kilogramm. Einen guten Überblick und Preisinformationen bieten die Onlineangebote der Produzenten Degussa und Heraeus.

Die gängigsten Goldmünzen sind der Krügerrand aus Südafrika, der Maple Leaf aus Kanada sowie der American Eagle, die jeweils zwischen einer Unze (31,10 Gramm) und einer zehntel Unze schwer sind. Im Gegensatz zu Goldmedaillen - etwa zu Olympischen Spielen - sind die Goldmünzen offizielle Zahlungsmittel. Deshalb ist ihre Akzeptanz auf der ganzen Welt hoch. Um vor Fälschungen sicher zu sein, sollte man die Münzen und Barren nur bei seriösen Kreditinstituten kaufen. Wer die Stücke vor Kratzern und Beschädigungen schützen will, sollte sie in Klarsichtfolie eingeschweißt bestellen. Peter Köhler

2. Wer kauft das gelbe Edelmetall

Geht es ums physische Gold, schlägt keiner die Chinesen: 970 Tonnen haben sie in Form von Münzen, Barren und Schmuck im vergangenen Jahr gekauft, fast ein Drittel mehr als die Inder, die mit 661 Tonnen auf Platz zwei liegen. Das zeigt eine Erhebung des World Gold Councils, eines Lobbyverbandes für Gold. Die Plätze drei und vier gehen an die USA (211 Tonnen) und Deutschland (121 Tonnen). Insgesamt lag die weltweite Nachfrage 2016 bei 3"‰088 Tonnen und damit elf Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Trend dürfte sich auch im kommenden Jahr fortsetzen. Weltweit betrachtet war das dritte Quartal das schwächste Kaufjahr seit 2009. Zwei Entwicklungen macht John Mulligan, Direktor des World Gold Councils, als Hauptursachen aus: Erstens sank die Nachfrage in Indien unter anderem aufgrund der Bargeldreform des Landes zur Bekämpfung der Korruption. Als zweiten Grund führen die Experten an, dass die Investoren die Lust am Gold derzeit verloren haben - trotz aller geopolitischen Spannungen. Jessica Schwarzer

3. Wie läuft die Anlage über Wertpapiere?

Erfahrene und risikoerprobte Anleger können direkt in Minenaktien investieren. Börsennotierte Bergbaukonzerne findet man an den kanadischen, US-amerikanischen, australischen und südafrikanischen Handelsplätzen - den traditionellen Förderländern. Dabei sollten Anleger darauf achten, dass die Titel in offiziellen Aktienindizes vertreten und liquide sind. Sogenannte Penny Stocks - oft nur wenige Cent wert - sollten gemieden werden. Wer nicht nur auf einzelne Aktien setzen will, der ist bei Rohstofffonds gut aufgehoben. Sie streuen das Risiko über eine ganze Reihe von Papieren. Zu den großen Anbietern in Deutschland zählen die Deutsche-Bank-Tochter DWS, die zur Allianz gehörende AGI, die Dekabank (Sparkassen) sowie Union Investment (genossenschaftlicher Verbund).

In jüngerer Zeit kommt zudem ein relativ junger Trend zu speziellen Wertpapieren verstärkt zum Tragen. Die Rede ist von sogenannten Exchange Traded Products (ETP), die mit physischem Gold besichert sind und den Goldpreis nachbilden. Das bedeutendste Wertpapier dieser Art in Deutschland ist das sogenannte Xetra-Gold von der Deutschen Börse - es feierte 2017 seinen zehnten Geburtstag. Dessen Bestände, die in Tresoren von Clearstream Banking verwahrt werden, überstiegen in diesem Jahr bereits 170 Tonnen. Wer Xetra-Gold besitzt, kann sich das Edelmetall auch ausliefern lassen, und zwar schon ab einem Gramm. Peter Köhler

4. Wie bildet sich der Preis?

Am London Bullion Market wird der Weltmarktpreis für das Edelmetall zweimal täglich um 10.30 Uhr und 15 Uhr festgestellt. Dieser Richtpreis wird von einem kleinen Kreis von Banken gebildet und von großen Goldbesitzern wie etwa Bergbauunternehmen abgefragt. Auch die meisten Notenbanken, darunter auch die Deutsche Bundesbank, beziehen sich auf den Referenzpreis am Nachmittag, um ihren Goldreserven einen Wert zu geben. Zahlreiche Edelmetallhändler im Einzelhandel ändern ihre Preise täglich in Übereinstimmung mit dem Londoner Goldpreis. Im März 2013 eröffnete die Internationale Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Manipulationen beim damaligen Gold-Fixing. Hintergrund war die Aufdeckung des sogenannten Libor-Skandals im Jahr 2012, bei dem die ähnlich dem Goldpreis ermittelte London Interbank Offered Rate für Zinsgeschäfte zwischen Banken jahrelang durch falsche Meldungen systematisch verzerrt worden war. Daher hat die Vereinigung der Goldhändler in London, die LBMA, die Methode zum Festsetzen des Referenzpreises für Gold umgestellt und die antiquierten Telefonkonferenzen durch ein elektronisches Verfahren ersetzt. Zudem kontrolliert die britische Finanzaufsicht FCA den Goldpreis. Peter Köhler

5. Wer kauft in Deutschland Gold?

Die Bundesbürger reagieren auf die Nullzinspolitik der Notenbanken nicht nur mit Immobilienkäufen, sondern stecken auch einen Teil ihres Geldes in Gold. Im Jahr 2016 waren es immerhin 75 Prozent der Bevölkerung, die auf das gelbe Edelmetall setzten. Laut einer Studie der Reisebank besitzen die über 18-Jährigen in Deutschland durchschnittlich 58 Gramm Schmuck und 69 Gramm physisches Gold in Form von Münzen und Barren. Das würde heute einem Wert von 4.240 Euro entsprechen.

Allerdings gibt es in Deutschland große regionale Unterschiede. Im Süden der Republik hortet man 85 Gramm pro Kopf, die Ostdeutschen kommen dagegen nur auf 45 Gramm. Bei den Gründen für Goldinvestments scheint auch die deutsche Geschichte eine Rolle zu spielen. Knapp 45 Prozent der Befragten stimmen der These zu, dass Goldinvestments helfen, "eine Währungsreform besser zu überstehen". Fast 53 Prozent versprechen sich Schutz vor Inflation. Und jeder vierte Deutsche will bald wieder in Gold investieren. Peter Köhler

6. Wie viel Gold lagert bei den Zentralbanken?

Das edle Metall ist weltweit ein wichtiger Bestandteil der staatlichen Währungsreserven. Den mit Abstand größten Goldschatz besitzen dabei die USA. Mehr als 8.100 Tonnen Gold liegen in den Tresoren von Fort Knox und der amerikanischen Notenbanken. Deutschland schafft es mit knapp 3.400 Tonnen auf den zweiten Platz. Das entspricht 70 Prozent der Währungsreserven der Bundesbank. Gut die Hälfte davon lagert in einem unterirdischen Tresor der Bundesbank in Frankfurt - was nicht immer so war. Bis vor wenigen Jahren wurde das deutsche Gold zum größten Teil im Ausland aufbewahrt. Wohl auch deshalb rankten sich jahrelang Verschwörungstheorien um den mit rund 270.000 Barren zweitgrößten Goldschatz der Welt. War das deutsche Gold im Ausland sicher, überhaupt vorhanden? Noch nie, bemängelte sogar der Bundesrechnungshof im Herbst 2012, habe die Bundesbank die deutschen Goldreserven jenseits der Landesgrenzen "körperlich aufgenommen und auf Echtheit und Gewicht" geprüft. Und eine Initiative forderte gar: "Holt unser Gold heim!"

Die Kritik wurde ernst genommen: Von 2013 an brachte die Bundesbank Hunderte Barren nach Deutschland zurück - wie sich von selbst versteht auf streng geheimen Wegen. Das Gold aus den New Yorker Tresoren der US-Notenbank Fed und der Banque de France in Paris wurde über den Atlantik und den Rhein nach Frankfurt transportiert. Doch warum überhaupt war das Gold, das dem Staat gehört und von der Bundesbank verwaltet wurde, über Jahrzehnte fast komplett im Ausland aufbewahrt worden?

Anfang der 1950er-Jahre baute die Bank deutscher Länder, eine Vorgängerin der heutigen Bundesbank, erste Goldreserven auf. In den Jahren des Wirtschaftswunders wuchs dieser Schatz rasant an. Der florierende Export brachte der noch jungen Bundesrepublik viele Dollar ein, die bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht wurden. In den Jahren des Kalten Krieges war es gewollt, diesen Goldschatz außerhalb der Landesgrenzen zu verwahren - als möglichen Puffer für Währungskrisen. Auch heutzutage wird ein Teil des zweitgrößten Goldschatzes der Welt noch in New York und London aufbewahrt. Über den drittgrößten Goldschatz verfügte im Oktober nach Daten des World Gold Council übrigens Italien mit knapp 2.452 Tonnen, gefolgt von Frankreich mit 2.436 Tonnen. Die chinesische und die russische Notenbank kaufen seit Beginn der 2.000er-Jahre zwar Gold wie nie zuvor. Mit 1.843 beziehungsweise 1.745 Tonnen des wertvollen Edelmetalls halten China und Russland aber vergleichsweise geringe Goldreserven. Und in den Tresoren der indischen Notenbank schlummern nur knapp 560 Tonnen. Jessica Schwarzer

7. Welche Rolle spielt Gold als Sicherheit?

Für viele Anleger gilt Gold als sicherer Hafen, als Krisenwährung im Depot sowie als Wertanlage für die Ewigkeit, weil es gegen Inflation schütze. Für sie ist das Edelmetall wie eine Versicherung in unsicheren Zeiten. So wirkt es beruhigend in Jahren heftig schwankender Kurse an Aktien- und Rentenmärkten. In diesem Jahr war Gold bei den Deutschen stärker gefragt, was sich im Preis widerspiegelte: Kostete Gold zu Jahresbeginn noch knapp 1.170 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), sind es heute wieder 1.260 Dollar.

Vor allem die Kursausschläge in Krisenzeiten dienen als Argument dafür, dass Gold als Versicherung tauge. In der Finanzkrise beispielsweise schien das gelbe Edelmetall neben Bundesanleihen die einzige Rettung zu sein. Als alle anderen Anlageklassen rund um den Globus mehr oder weniger gleichzeitig zusammenbrachen, flohen Anleger in die vermeintlich sicheren Häfen. Auch nach dem "Ja" der Briten zum Austritt aus der Europäischen Union macht Gold seinem Ruf alle Ehre - der Preis steigt. Nicht nur Privatanleger, sondern auch institutionelle Investoren setzen auf das Edelmetall. Die Empfehlungen gehen von einem sinnvollen fünf- bis 15-prozentigen Depotanteil aus, je nach Risikoneigung darf es auch schon einmal etwas mehr sein.

Für deutsche Anleger allerdings ist wichtig: Gold wird in US-Dollar gehandelt. Euro-Anleger gehen damit ein Wechselkursrisiko ein. In diesem Jahr lief der Devisenmarkt gegen sie. Aus dem sicher geglaubten Investment wurde eine Risikoanlage wie jedes andere Wertpapier. Wenn auch die Entwicklung des Goldpreises über die vergangenen 2"‰000 Jahre zum Kaufkrafterhalt beigetragen hat, bedeutet das nicht zwingend, dass Gold auf kürzere Sicht Sicherheit garantiert. Jessica Schwarzer

8. Welches sind die größten Förderländer?

Weltweit wurden im Jahr 2016 rund 3.100 Tonnen Gold produziert. Mit rund 455 Tonnen und einem Marktanteil von 13 Prozent ist China führend in der Goldproduktion. Auch im restlichen Asien, in Australien und in Nordamerika werden große Mengen Gold abgebaut. Australien liegt mit 270 Tonnen nach Angaben des US Geological Survey auf Platz zwei der größten Förderländer. Aus russischen Minen wurden im Jahr 2016 immerhin 250 Tonnen Gold ans Tageslicht geholt, aus amerikanischen 209 Tonnen und aus kanadischen 170 Tonnen. Auf Platz sechs folgt mit 20 Tonnen weniger Peru.

In Südafrika, einst das Land mit der weltweit mit Abstand größten Goldfördermenge, geht die Produktion weiter zurück. Im Jahr 2016 wurden hier nur noch 140 Tonnen gefördert. 1975 holten die Minenunternehmen des Landes noch 715 Tonnen Gold aus der Erde. Das entsprach seinerzeit mehr als der Hälfte der weltweiten Goldproduktion. Doch diese Zeiten sind vorbei.

In Deutschland wird kein Gold gefördert. Doch ein anderes europäisches Land hat offenbar große, ungenutzte Potenziale: Griechenland. So soll sich tief unter den Bergen der griechischen Halbinsel Chalkidiki ein großer Edelmetallschatz verbergen. In Zahlen: Mindestens 230 Tonnen reines Gold, dazu 1.500 Tonnen Silber vermutet das Unternehmen Hellas Gold im Gestein. Eigentlich sollte die Förderung in den beiden Minen bei Skouries und Olympias bereits 2015 beginnen, doch die Regierung verweigert bisher die Bau- und Betriebsgenehmigungen. Jessica Schwarzer

9. Wer sind die größten Förderkonzerne?

Mit 5,52 Millionen Unzen (MOZ) Á  31,1 Gramm ist Barrick Gold der größte Förderkonzern der Welt. Das kanadische Unternehmen hat im vergangenen Jahr 7"…736 Millionen Euro umgesetzt und ein Nettoergebnis von 592 Millionen Euro erzielt. An der Börse lief es zuletzt nicht so gut. Seit Jahresbeginn sank der Kurs um mehr als 20 Prozent, nachdem es im Frühjahr aber zeitweise stark aufwärtsgegangen war.

Der zweitgrößte Goldförderkonzern ist Newmont Mining mit Sitz in Greenwood Village im US-Staat Colorado. Der Konzern kommt auf eine Produktion von 4,9 Millionen Unzen Gold und einen Umsatz von 6"…066 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen einen Verlust von 566 Millionen Euro. An der Börse verlor die Aktie der Amerikaner im laufenden Jahr fast acht Prozent.

Der drittgrößte Goldförderer ist Anglo Gold Ashanti (3,63 MOZ), gefolgt von Goldcorp (2,87 MOZ) und Kinross Gold (2,79 MOZ). Auch diese drei Konzerne sind börsennotiert. Jessica Schwarzer

10. Wie viel gelbes Edelmetall wird recycelt?

Neben dem Goldabbau in Minen spielt auch die Gold-Wiedergewinnung eine wichtige Rolle. Da Gold nicht nur als Anlage, sondern auch in der Industrie wegen seiner hohen Leitfähigkeit geschätzt wird, werden geringe Mengen des Edelmetalls in den meisten technischen Geräten verbaut. So enthält ein Smartphone rund 0,03 Gramm Gold. Das lässt sich wiedergewinnen, wenn das Smartphone ausgedient hat. Recycling macht daher einen gewichtigen Teil der jährlichen Goldfördermenge aus. 2016 wurden auf diese Weise 1.300 Tonnen des Edelmetalls gewonnen - ungefähr 40 Prozent der gesamt produzierten 4.600 Tonnen Gold.

Ganz einfach sind diese Prozesse nicht, und es lohnt sich auch nicht, ein altes Handy zu zertrümmern, um an den Goldschatz zu gelangen. 0,03 Gramm des Edelmetalls entsprechen derzeit sowieso nur 1,20 Euro. Nur die Masse macht"˜s. Beim Goldproduzenten Umicore im belgischen Antwerpen lagern beispielsweise bergeweise alte Smartphones. Gold lässt sich beliebig oft einschmelzen und wiederverwenden. Aus Industrieprodukten ist das natürlich wesentlich aufwendiger als aus Zahngold oder wenn das Edelmetall mit Kupfer oder anderen Metallen zu Schmuck verarbeitet wurde. Das bedeutendste Recycling-Land ist laut Thomson Reuters China mit 232,5 Tonnen Gold. In Deutschland sind es 25 Tonnen. Matthias Streit

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Die globalen staatlichen Goldreserven

Hintergrund

Die Daten des Internationalen Währungsfonds zeigen die Goldreserven ausgewählter Staaten (in Tonnen) zum Jahresende 2016. Die Statistik legt außerdem offen, wie groß der Anteil des Goldes an den gesamten staatlichen Währungsreserven ist. Viele Länder bunkern neben Gold große Devisenbestände, etwa in US-Dollar oder in Euro.

USA

Bestand: 8133,5 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 73,8 Prozent

Quelle: World Gold Council

Deutschland

Bestand: 3779,9 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 67,6 Prozent

Frankreich

Bestand: 2435,8 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 61,5 Prozent

China

Bestand: 1842,6 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 2,2 Prozent

Schweiz

Bestand: 1040,0 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 5,6 Prozent

Russland

Bestand: 1615,2 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 15,2 Prozent

Indien

Bestand: 557,8 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 5,7 Prozent

Großbritannien

Bestand: 310,3 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 8,5 Prozent