Stars der Goldenen Kamera positionieren sich gegen sexuelle Gewalt

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Senta Berger und Palina Rojinski

Mit einer klaren Stellungnahme gegen Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt im Filmgeschäft ist in Hamburg der traditionsreiche Film- und Fernsehpreis Goldene Kamera verliehen worden. "Die Zeiten von autoritären sexistischen Machodiktatoren am Filmset sind vorbei", sagten die Schauspielerinnen Senta Berger und Palina Rojinski am Donnerstagabend. Trotz zahlreicher Stars aus Deutschland und einiger Hollywood-Berühmtheiten hielt sich das Interesse der Fernsehzuschauer in Grenzen.

Die von Steven Gätjen moderierte 53. Vergabe der Goldenen Kamera wurde von der Dragkünstlerin Conchita Wurst eröffnet. Es folgte der Auftritt Bergers und Rojinskis: Flirten, sich verlieben und auch Albernheiten seien weiter erlaubt am Filmset, sagten sie. "Aber die Zeit für Leute, die keine Achtung vor Frauen, keinen Respekt für das Filmteam oder für Menschen überhaupt haben, ist vorbei", sagte Rojinski unter Applaus. Mit dem Statement nahmen die Veranstalter Stellung zur sogenannten #MeToo-Debatte.

Mit im Schnitt 3,14 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von rund elf Prozent lag die vom ZDF übertragene Gala knapp hinter dem ESC-Vorentscheid "Unser Star für Lissabon", der zeitgleich in der ARD gezeigt wurde.

Ausgerechnet eine der Topnachrichten des noch jungen Jahres verhagelte den Machern der Goldenen Kamera den sonst wohl stärksten Moment des Abends. Der mehr als ein Jahr in der Türkei inhaftierte "Welt"-Reporter Deniz Yücel sollte aus Solidarität einen Sonderpreis erhalten. Nach seiner Freilassung bat er aber die Veranstalter, auf die Auszeichnung zu verzichten.

Ebenfalls ausfallen musste die Vergabe des Preises für die beste deutsche Schauspielerin an Petra Schmidt-Schaller. Die erkrankte Darstellerin ließ sich von ihrem sichtlich gerührten Vater, dem Schauspieler Andreas Schmidt-Schaller, vertreten. Sie bekam die Auszeichnung für ihre Rollen in den Filmen "Ich war eine glückliche Frau" und "Keine zweite Chance".

Dafür erschien der als bester deutscher Schauspieler ausgezeichnete Volker Bruch auf der Bühne. Er bekam den Preis für seine Rolle als Kommissar Gereon Rath in der 20er-Jahre-Serie "Babylon Berlin". Die Goldene Kamera für den besten Fernsehfilm ging an "Jürgen - Heute wird gelebt" mit Heinz Strunk und Charly Hübner.

Die 79-jährige Schauspielerin Christiane Hörbiger bekam die Goldene Kamera für ihr Lebenswerk von ihrem Sohn Sascha Bigler überreicht. Neben Hörbiger wurde auch Hollywood-Star Liam Neeson ("Schindlers Liste", "Les Misérables") für sein Lebenswerk gewürdigt.

Gut gelaunt nahm der Schotte Ewan McGregor ("Trainspotting", "Fargo") seinen Preis als bester internationaler Schauspieler entgegen. Die Waliserin Naomi Watts ("Mulholland Drive", "King Kong") wurde als beste Schauspielerin international geehrt. Sie erinnerte in ihrer Rede an die Opfer des jüngsten Amoklaufs an einer Schule in Florida. Watts sprach von einer "weiteren Tragödie".

"Sing my Song" wurde als beste Fernsehshow ausgezeichnet, beste Serie wurde "4Blocks". Der Nachwuchspreis ging an Louis Hofmann, der Zuschauerpreis für die beste "Dokutainment"-Sendung an die Trödelshow "Bares für Rares". Deren Moderator Horst Lichter verließ die Bühne mit dem Jubelschrei: "Scheiße, ich liebe euch!"