Golden-Globes-Verleihung: Ein Abend für eine bessere Welt

Heute Nacht wurden die Golden Globes verliehen. Wie erwartet, wurde die Preisgala genutzt, um auf Sexismus nicht nur in der Unterhaltungsindustrie aufmerksam zu machen. Werden die Gesten und Zeichen etwas bewirken?

Vergangene Nacht deutscher Zeit wurden sie wieder vergeben, die Golden Globes. Zum 75. Mal, übrigens – und doch war es diesmal eine besondere Veranstaltung. Denn erstmals hatten sich die Stars und Macher der US-Film- und Fernsehbranche zur Selbstbeweihräucherung versammelt, nachdem US-Zeitschriften wenige Wochen zuvor mit Enthüllungsberichten über Harvey Weinstein, Kevin Spacey und Co. eine weltweite Debatte über eine sexistische Kultur nicht nur in Hollywood ausgelöst hatten. Dass die Branche auf der Preisverleihung das Thema aufgreifen würde, war klar. Die Frage war nur: In welcher Form würde dies geschehen?

Wenig überraschend war das Mittel, zu dem Hollywood immer gerne greift, wenn es darum geht, ernste gesellschaftliche Themen in einer Unterhaltungsveranstaltung zu thematisieren: Humor. Auch heute Nacht wurde wieder gewitzelt und gelacht. Moderator Seth Meyers, Schauspieler und wohlgemerkt: Komiker, spöttelte gegen die abwesenden Frauen- und Männerbelästiger Weinstein und Spacey. Er machte Witze über US-Präsident Donald Trump, der nicht nur fragwürdige und damit für Ironie und Sarkasmus prädestinierte Politik macht, sondern bekanntlich auch mit frauenfeindlichen Kommentaren und Handlungen empörte und empört. Und er nahm die Anwesenden auf die Schippe, wenngleich er sich hier natürlich taktvoller geben musste.

Die Statements der Stars
Ernst und voller Symbolik ging es dagegen im Vorfeld der Veranstaltung zu. Viele Stars erschienen in Schwarz und brachten damit ihren Protest gegen Sexismus zum Ausdruck. Einige Schauspielerinnen kamen in Begleitung von Frauenrechtlerinnen. Michelle Williams lief mit der afroamerikanischen Bürgerrechtsaktivistin Tarana Burke über den roten Teppich, die lange vor dem Weinstein-Fall die #MeToo-Bewegung initiiert hatte. Emma Stone kam mit Billie Jean King, die nicht nur als Tennisspielerin Sportgeschichte schrieb, sondern sich als offen lebende Homosexuelle auch für soziale Gerechtigkeit verdient gemacht hat. Und nicht zuletzt: Als Zeichen für Gleichberechtigung der Geschlechter trugen viele Stars einen Anstecker der Kampagne “Time’s Up” (Die Zeit ist vorbei), die auch hinter der Idee mit den schwarzen Roben steckt.

Sam Rockwell gewann einen Golden Globe als bester Nebendarsteller (Foto: ddp)

Ein Zeichen mussten aber auch die Mitglieder der Hollywood Foreign Press Association setzen. Tatsächlich haben auch die rund 100 internationalen Journalisten, die über die Preise entscheiden, nicht weggesehen. Als bestes Filmdrama zeichneten sie nicht etwa das im Vorfeld favorisierte Drama “Die Verlegerin” von Steven Spielberg aus. Vielmehr würdigten sie den kleinen Independent-Film “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” von Martin McDonagh. Die Tragikomödie über eine Frau, die nach der Vergewaltigung und Ermordung ihrer Tochter einen Feldzug gegen die handlungsunfähige Polizei beginnt, gewann insgesamt vier Preise. Frances McDormand setzte sich gegen die fast jedes Jahr gewinnende Meryl Streep als beste Hauptdarstellerin durch, Sam Rockwell freute sich über den Preis als bester Nebendarsteller und der Ire McDonagh gewann einen Preis für das beste Drehbuch.

Preisgekrönten Filme über starke Frauen
Viele der prämierten Filme kreisen um starke und vielschichtige Frauen, die ihren eigenen Weg im Leben gehen und sich nicht von der Gesellschaft bevormunden lassen wollen. Wie Greta Gerwigs “Lady Bird”, eine autobiographisch gefärbte Tragikomödie über eine junge Frau, die sich in einem Selbstfindungsprozess von ihrem sozialen Milieu abnabelt. Der Film gewann zwei Preise, einen für die beste Komödie und einen für die beste Hauptdarstellerin (Saoirse Ronan). In der Fernsehkategorie gingen Preise an die Macher und Darsteller von “The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd”, “Big Little Lies” und “The Marvelous Mrs. Maisel” – alles Serien mit Frauen als Dreh- und Angelpunkte der Erzählungen.

Regisseur Fatih Akin und Hauptdarstellerin Diane Kruger freuen sich über den Golden Globe für “Aus dem Nichts”.

Zu erwähnen ist natürlich auch der Triumph des deutschen Regisseurs Fatih Akin. Sein Thriller “Aus dem Nichts” um eine Hamburgerin, deren Mann und Kind Opfer eines Anschlags werden, wurde als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. Zu den unterlegenen Filmen in dieser Kategorie gehört immerhin die Tragikomödie “The Square” von Ruben Östlund, die in den vergangenen Monaten so ziemlich jeden wichtigen Filmpreis gewann.

Ja, letzte Nacht haben sich Hollywood und die US-Fernsehindustrie einmal mehr sozial engagiert gezeigt. Sie haben die Probleme erkannt, die es nicht nur in den eigenen Branchen gibt, und mit Gesten, Symbolen und Statements auf sie aufmerksam gemacht. Es wäre naiv zu glauben, dass sie die Welt damit zu einem besseren Ort gemacht haben werden. Und doch: Für eine gerechtere Gesellschaft ist auch die kleinste Geste willkommen. Vor allem darf man hoffen, dass die Veranstaltung für die Film- und Fernsehwelt selbst etwas bewirken wird. Dass die Zeit nicht nur der geschlechtlichen Ungleichheit und nicht nur in der Unterhaltungsindustrie endgültig vorbei sein wird. Dass die Weinsteins, die Spaceys und Co. ein für alle Mal der Vergangenheit angehören werden. Denn es stimmt ganz einfach: “Time’s Up”.