Ludwig/Walkenhorst vollenden WM-Märchen

Laura Ludwig (l.) und Kira Walkenhorst (r.) feiern den WM-Titel

Laura Ludwig hüpfte mit Tränen in den Augen vollkommen ausgelassen durch den Sand der Wiener Donauinsel und kreischte vor Freude, ihre Partnerin Kira Walkenhorst schüttelte nur ungläubig den Kopf.

Die "Golden Girls" des deutschen Beachvolleyballs haben ihren großen Traum wahrgemacht und sich 353 Tage nach dem Olympiasieg in Rio auch die WM-Krone aufgesetzt. Ein Triumph, an den vor dem Turnier nur wenige geglaubt hatten.

"Jaaaaa!", schrie Ludwig ihre Emotionen nach einem Sieg des Willens mit 2:1 (19:21, 21:13, 15:9) gegen das US-Duo Lauren Fendrick und April Ross heraus.

"Es hat so viel Spaß gemacht mit dem Team im Hintergrund", sagte die 31-Jährige. Ihre fünf Jahre jüngere Teamkollegin Walkenhorst meinte: "Dieses Jahr war so schlecht, dass wir gar nicht damit gerechnet haben, so weit zu kommen. Irgendwie haben wir es bis zum Ende geschafft, und jetzt sind wir Olympiasieger und Weltmeister."

Triumph trotz schlechter Vorzeichen

Nach dem Olympiasieg an der Copacabana im vorigen Jahr und zwei EM-Titeln haben sich die gebürtige Berlinerin Ludwig und die aus Essen stammende Walkenhorst endgültig einen Platz in den Beachvolleyball-Geschichtsbüchern gesichert.

Noch vor knapp einer Woche hätte jedoch kaum jemand auch nur einen Cent auf einen WM-Sieg des deutschen Ausnahme-Duos gesetzt.

Viel zu durchwachsen waren die Leistungen im Vorfeld des Saisonhöhepunkts, weil zu Beginn der Saison erst eine Schulter-Operation Ludwig lange außer Gefecht gesetzt hatte und anschließend Walkenhorst mit Schulterproblemen aufgrund einer Virusinfektion ausfiel.

Gerade deshalb galt der erste Dank den Helfern hinter den neuen Weltmeisterinnen. "Ohne unser Team wäre das nicht möglich gewesen", sagte Ludwig: "Sie haben einen unglaublichen Job gemacht und uns immer die Vision gezeigt."

Mit Geduld zum alter Stärke

Direkt nach dem ersten Freudensturm schlossen sie den auf den Center Court geeilten Gold-Trainer Jürgen Wagner in die Arme. Zusammen mit Psychologin Anett Szigeti und Physiotherapeut Jochen Dirksmeyer hatte er die schier unmögliche Aufgabe gemeistert, die angeschlagenen Athletinnen rechtzeitig zur WM fit zu bekommen.

"Es war sehr hart in den letzten Monaten", sagte eine sichtlich gerührte Walkenhorst: "Ich habe nicht daran geglaubt, dass wir das schaffen können." Gerade in Anbetracht des starken Teilnehmerfeldes waren dem Duo keine allzu großen Medaillenchancen eingeräumt worden.

"Es sind super viele krasse Teams dabei gewesen, jeder hat mal ein Turnier gewonnen", sagte Ludwig: "Wir wussten, dass wir den Fokus auf uns legen und geduldig bleiben mussten."

Auch Top-Duo kein Hindernis

Mit dieser Geduld und unbändigem Willen pflügten das extrovertierte Energiebündel Ludwig und die zurückhaltende Perfektionistin Walkenhorst ungeschlagen durch das Turnier. Selbst die Weltranglistenersten und Topfavoritinnen auf den Titel, Larissa und Talita, stellten in der Vorschlussrunde kein Hindernis dar.

In der Neuauflage des Halbfinales von Rio fegten die Olympiasiegerinnen die Brasilianerinnen glatt mit 2:0 vom Court.

"Zu erwarten war das vor zwei Wochen sicherlich nicht, da wussten sie ja noch nicht einmal, ob sie hier starten können", sagte London-Olympiasieger Jonas Reckermann, der zusammen mit Julius Brink 2009 im norwegischen Stavanger den bislang einzigen WM-Titel im Sand für den Deutschen Volleyball-Verband (DVV) geholt hatte.