GoalSCOUT: Metehan Güclü - Mbappes Nachfolger?

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Wenn man sich einer französischen Großstadt nähert, kommt man unweigerlich an ihnen vorbei. Oft bemerkt man sie gar nicht wirklich, man will da hin, wo das Leben pulsiert, ins Zentrum der Stadt. Doch es gibt sie, sie sind da. Die Vororte, die Randbezirke, die Problemzonen, die scheinbar kein französischer Präsident in den Griff bekommt und die vor Hochhäusern nur so strotzen. In den Banlieues bestimmen Hoffnungslosigkeit und Verbitterung den Alltag. Der einzige Ausweg, der sich den Jugendlichen bietet, ist oft der Fußball. Und der große Traum Fußball-Star, er scheint rund um Paris öfter wahr zu werden als anderswo: Paul Pogba , Anthony Martial , Riyad Mahrez oder Kylian Mbappe – sie alle stammen aus den Banlieues rund um die französische Hauptstadt. Genau wie Metehan Güclü.

Der 18-Jährige hat es inzwischen aus Montfermeil, einem Vorort, in die zweite Mannschaft von Paris Saint-Germain geschafft. Seine fußballerischen Anfänge hat Güclü jedoch in einem - inzwischen sehr bekannten - Verein aus dem Osten der französischen Hauptstadt gemacht, beim AS Bondy. Jenem Verein, bei dem auch einst Mbappe seine ersten fußballerischen Gehversuche unternahm .

Doch das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen Güclü und dem Mega-Youngster von Paris St. Germain: Das junge Talent ist ebenfalls Stürmer, obwohl seine Größe von nur 1,61 Meter das nicht vermuten lässt. Das sei schon immer seine liebste Position gewesen, gestand er im Interview mit der vereinseigenen Homepage: "Ich spiele am liebsten im Sturm."

Training bei den Profis

Ein Blick auf seine Stärken genügt und schnell fällt einem Erstaunliches auf: Er beherrscht das Spiel mit dem Rücken zum Tor, kann den Ball abschirmen und anschließend verteilen. Auch im Kopfallspiel weiß er – trotz seiner geringen Körpergröße – zu überzeugen; die fehlenden Zentimeter gleicht er durch gutes Timing aus.

Diese Stärken sind auch den Verantwortlichen der Profis nicht verborgen geblieben. In den Länderspielpausen durfte der in Frankreich geborene Türke schon beim Team von Trainer Unai Emery mittrainieren.

Güclü ist der Erfüllung seines Traums ganz nahe. Doch alles auf die Karte Fußball will er nicht setzten. Er weiß, wie schnelllebig das Geschäft ist, es auch in eine andere Richtung gehen kann. Man verletzt sich, bekommt keinen Vertrag mehr, landet in der Arbeitslosigkeit. Darauf ist der Stürmer bestens vorbereitet, auch abseits des Platzes führt er sein Leben hochprofessionell. Er hat sein Abitur bereits in der Tasche und absolviert neben dem Training Sprachkurse in Englisch und Spanisch.

Noch nicht alles perfekt - Güclü muss noch weiter arbeiten

Der Rohdiamant arbeitet aber auch an seinen fußballerischen Schwächen. Nicht umsonst ist sein über Instagram bekannt gewordenes Motto: "Finde jeden Tag einen neuen Grund, um dich zu übertreffen." Ein Grund ist sein rechter Fuß, der dem eines Arjen Robben gleicht und bis jetzt mehr zum Stehen denn zum Spielen zu gebrauchen ist.

Und natürlich muss Güclü, dessen Nachname auf Deutsch so viel wie 'stark' oder 'kraftvoll' bedeutet, körperlich zulegen, um auf Dauer gegen die größeren und robusteren Verteidiger bestehen zu können. Seine Defizite werden in seiner Statistik der UEFA Youth League schnell deutlich: Von den bisherigen fünf Spielen wurde er bei vieren ausgewechselt, jeweils vor der 70. Minute. Er hat zu kämpfen mit den Gegenspielern, die nicht immer fair bleiben angesichts der technischen Überlegenheit ihres Gegenübers.

Mit seinem linken Fuß kann der Stürmer sowohl Tore erzielen, als auch vorbereiten, schon drei Tore in der Gruppenphase der "kleinen" Champions League belegen seine Klasse, trotz des Aufholbedarfs.

Mit 18 Jahren schon im Fokus der türkischen Nationalmannschaft

Genau diese guten Leistungen bei PSG waren es auch, die ihn immer näher an die Nationalmannschaft der Türkei bringen. Momentan spielt er noch für die U18 des Landes, könnte jedoch aufgrund des Scheiterns in der WM-Qualifikation bald für die A-Mannschaft in Betracht gezogen werden. Da Güclü qua Geburt auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, ist auch der Wechsel zur Equipe Tricolore noch möglich. Realistisch ist dieser aber nicht, denn der 18-Jährige fühlt sich zum Land seiner Eltern hingezogen. Er bekennt: "Das Trikot der Türkei zu tragen, war einfach großartig. Es macht mich und meine ganze Familie stolz." Die Familie ist sehr wichtig für ihn, sein Rückzugsort, er besucht wann immer es geht die Verwandten in Adiyaman in der Nähe von Gaziantep.

PSG Metehan Güclü Instagram 30112017

Metehan Güclü in der Youth League gegen Anderlecht

Wechsel in die Türkei?

Bald könnte der Weg zu seiner Verwandtschaft jedoch deutlich kürzer sein. Wie die Zeitung Takvim berichtet, haben alle drei großen Istanbuler Klubs Interesse am Youngstar aus Paris. Noch läuft der Ausbildungsvertrag bei PSG aber bis Mitte 2019, Galatasaray, Besiktas, oder Fenerbahce müssten also eine Entschädigung für den Stürmer bezahlen. Wahrscheinlicher ist das Modell einer Leihe. Aufgrund der für viel Geld eingekauften Konkurrenz im Sturm bei PSG könnten sich die Einsatzzeiten von Güclü nämlich gering halten, trotz aller mitgebrachten Qualität. Im Weg könnte ihm dann auch sein großes Vorbild sein: "Bei PSG mag ich Cavani wirklich, aber ich mag auch Agüero und seine Abschlussqualitäten." Spielpraxis muss er sich dann woanders holen. "Die besten Jugendspieler unterschreiben ihren ersten Profivertrag dann meist nicht bei PSG", sagt auch Julien Quelen von Goal Frankreich.

Zunächst will er sich aber in der französischen Hauptstadt durchbeißen, denn er hat es fast geschafft. Nur noch einen Schritt und er kann die Vororte hinter sich lassen, noch einen Schritt und er hat das Zentrum erreicht. Dann sind Hoffnungslosigkeit und Verbitterung Geschichte, der Traum wahr. Dann ist er das Idol der kickenden Kinder in den Banlieues.