Glücklicher Rekord: Mann überlebt fast 40 Minuten ohne Herzschlag

John Ogburn im Kreis seiner Liebsten und den engagierten Ersthelfern. (Bild: ddp Images)

In den USA wurde ein Mann nach einem Herzstillstand 38 Minuten lang wiederbelebt. Er überlebte ohne bleibende Schäden – ein glücklicher Rekord. Wie kann das möglich sein?

Es gibt eine Regel: Nach 20 Minuten dürfen Ersthelfer alle Wiederbelebungsversuche einstellen. Zu unwahrscheinlich ist es, dass ein Mensch ohne Herzschlag länger überleben kann, zu wahrscheinlich sind irreparable Hirnschäden für den Fall, dass er doch überlebt. Umso erstaunlicher ist es, dass die Ersthelfer von John Ogburn nach 20 Minuten nicht aufgaben. Oder nach 30 Minuten. 38 Minuten hielten sie durch und sie wurden belohnt.

Es war der 26. Juni, als John Ogburn nachmittags um Viertel nach vier in einem Restaurant in Charlotte, im US-Bundesstaat North Carolina, saß und an seinem Laptop arbeitete. Er ist Garten- und Landschaftsgestalter, hat eine Frau, zwei Kinder, ist 36 Jahre alt und trainiert im Kickbox-Gym. Und plötzlich setzte sein Herz aus. Er krümmte sich vor Schmerzen und sank auf den Boden.

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Die Kellnerin April Bradley wurde von ihrem Bruder auf den Mann hingewiesen, der hinten im Gastraum zusammengesunken war. Sie alarmierte den Notruf um 16.17 Uhr. Und Ogburn hatte Glück: Direkt gegenüber von dem Restaurant befand sich ein Polizist, der langjährige Erfahrung im medizinischen Bereich hatte. Er eilte herbei und begann die Erste-Hilfe-Maßnahmen. Seine Kollegin war ebenfalls ganz in der Nähe und kam bald dazu. Kurz darauf kamen auch Feuerwehrleute, die einen Defibrillator nutzten, um Ogburns Herz mit Stromstößen wieder zum Schlagen zu bringen.

Seine Retter machten alles richtig

Warum John Ogburn überlebt hat, ist unklar, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass es die frühen Wiederbelebungsmaßnahmen waren, die den Ausschlag gaben. Statistisch ist es so, dass eine Überlebenschance von 50 – 75 Prozent besteht, wenn die Wiederbelebung innerhalb der ersten fünf Minuten beginnt – danach ist es fast aussichtslos. Bei Ogburn waren es nur etwa 30 Sekunden.

John Ogburn dankt einer der Ersthelferinnen für ihre Mühen. Ohne sie wäre er womöglich nicht mehr am Leben. (Bild: ddp Images)

Im Krankenhaus wurde Ogburn in ein künstliches Koma versetzt, aber bereits nach wenigen Tagen – pünktlich zu seinem 36. Geburtstag – wieder aufgeweckt. Er hat keine Hirnschäden davon getragen und kann mittlerweile schon wieder arbeiten.

Nun werden bereits die Forderungen nach Konsequenzen laut: Wenn ein Mensch so viel wahrscheinlicher überleben kann, wenn er früh genug Hilfe bekommt – warum sind dann nur Rettungskräfte wirklich geschult darin, eine Herzdruckmassage durchzuführen? Warum würde sich ein normaler Gast im Restaurant nicht trauen, einem Menschen wie John Ogburn zu helfen? So wird gefordert, dass mehr Menschen regelmäßig geschult werden, um Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen zu können.

Außerdem erscheint die 20-Minuten-Regel nun voreilig – denn Ogburns Herz hat doppelt so lange gebraucht, um wieder zu schlagen. Umso bewundernswerter scheint die Durchhaltekraft der Ersthelfer. Ohne ihren Glauben an ihre Fähigkeiten wäre John Ogburn heute wohl tot.

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