GLS Bank bleibt auf Kurs – trotz 60 Euro Jahresgebühr

Das sozial-ökologische Institut steigert Kreditvolumen und Gewinn. Der neue Jahresbeitrag im Kampf gegen sinkende Zinseinnahmen schreckt zwar Tausende von Kunden ab, doch die Zahl der Neuzugänge fällt höher aus.


Die alternative GLS Bank hat die Zahl ihrer Kunden gesteigert – und das, obwohl das Bochumer Institut im Kampf gegen sinkende Zinseinnahmen vor gut einem Jahr eine neue Gebühr eingeführt hat. Diese liegt bei 60 Euro jährlich, zusätzlich zu den ohnehin anfallenden Kontoführungsgebühren. 18.000 Kunden hätten daher ihre Geschäftsbeziehungen mit der GLS Bank beendet, 20.000 seien aber neu hinzugekommen, erklärt Bank-Chef Thomas Jorberg am Dienstag bei der Vorlage der Jahreszahlen. Unter dem Strich sei die Kundenzahl daher um 2.000 auf insgesamt 213.000 gestiegen.

Die GLS ist die größte sozial-ökologische Bank in Deutschland. Das Institut konzentriert sich darauf, nachhaltige Projekte – etwa im Wohnungsbau, im Energie- und Gesundheitssektor – zu finanzieren. Im vergangenen Jahr hat die Bank ihr Kreditvolumen um fast ein Viertel auf rund drei Milliarden Euro gesteigert. Dazu hat offenbar vor allem die Zunahme von Wohnungsbaukrediten beigetragen. Die Bilanzsumme stieg um zehn Prozent auf fünf Milliarden Euro. Der Bilanzgewinn legte von 6,2 auf 7,6 Millionen Euro zu.

Mit der Einführung des Jahresbeitrags von 60 Euro reagierte die Bank auf die sinkende Zinsmarge. Die Differenz zwischen Guthaben- und Kreditzinsen, traditionell die Haupteinnahmequelle von Banken, ist im Zuge der Niedrigzinspolitik geschrumpft. „Wir werden es auch weiterhin mit einer zurückgehenden Zinsmarge zu tun haben“, betont GLS-Chef Jorberg, „selbst wenn die Zinsen wieder steigen sollten, denn wir haben es in der Branche mit einem starken Wettbewerb zu tun.“


Jorberg zählt zu den Bankern, die häufig ungewöhnliche Töne einschlagen. Geht es aber um Regulierung, dann stimmt er in die Kritik der Branche ein: Die zunehmende Regulierung lasse den Handlungsspielraum der Banken gegen Null sinken. „Und Regulierung ist die Zementierung des Misstrauens zwischen Bank und Kunde“, kritisierte Jorberg. Die Vorschriften der Aufsichtsbehörden würden es nicht schaffen, das verlorengegangene Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Zu den großen Regulierungsprojekten im Finanzsektor gehört das EU-Regelwerk Mifid II, das Anfang dieses Jahres in Kraft getreten ist. Es soll den Anlegerschutz durch mehr Transparenz erhöhen. Banken dagegen klagen, dass Mifid II hohe Kosten und mehr Bürokratie mit sich bringt. „Statt ins Detail zur regulieren und teilweise Widersprüche zu schaffen“, gebe es eigentlich andere Wege, um Banken und insgesamt das Gebaren der Branche zu ändern, so Jorberg. Man hätte die Eigenkapitalauflagen noch stärker erhöhen und bestimmte Aktivitäten, etwa den Hochfrequenzhandel, verbieten können.