Globale Allianz für Kohleausstieg erhöht Druck auf Deutschland

US-Ausstieg aus Pariser Abkommen dürfte Erde mehr erhitzen

Die Gründung einer globalen Allianz für den Kohleausstieg bei der UN-Klimakonferenz in Bonn erhöht den Druck auf eine künftige Bundesregierung, dem klimaschädlichen Energieträger den Rücken zu kehren. Großbritannien und Kanada verkündeten am Donnerstag die Partnerschaft, der 20 Länder, darunter Frankreich und Italien, sowie sechs weitere Partner angehören. Umweltorganisationen warnten, angesichts des weltweiten Trends zum Kohleausstieg drohe Deutschland den Anschluss zu verpassen.

Kohle sei der "schmutzigste fossile Energieträger", sagte die kanadische Umweltministerin Catherine McKenna. Der deutlich gefallene Preis erneuerbarer Energien mache einen Kohleausstieg ohne wirtschaftliche Nachteile möglich. "Der Markt hat sich bewegt, die Welt hat sich bewegt, die Kohle kommt nicht zurück", fügte McKenna hinzu.

Der sogenannten Powering Past Coal Alliance gehören eine Reihe von europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und die Niederlande an, aber auch lateinamerikanische Länder sowie Fidschi und die Marshall-Inseln. Noch während der Pressekonferenz der Allianz wurde El Salvador als neuer Partner bekannt gegeben. Damit gehören dem Bündnis 20 Länder sowie sechs Bundesstaaten und Städte an. Auch Unternehmen wurden aufgerufen beizutreten.

Bis zum nächsten UN-Klimagipfel Ende 2018 in Kattowitz will das Bündnis mindestens 50 Partner vereinen - vielleicht würden es aber auch "deutlich mehr", sagte die britische Energie-Staatsministerin Claire Perry. Es gebe einen "unglaublichen Schwung" für den Kohleausstieg. Ihr Land habe den Anteil der Kohle an der Stromerzeugung in den vergangenen fünf Jahren von 40 Prozent auf zwei Prozent zurückgefahren und dabei "kein Wachstum geopfert".

Großbritannien will die Kohlenutzung bis 2025 beenden, Kanada bis 2030. Frankreich will es bereits bis 2021 schaffen. Der Umweltminister des Partnerlands Österreich, Andrä Rupprechter, warb dafür, außer auf Kohle auch auf Atomkraft zu verzichten.

In einer gemeinsamen Erklärung des Bündnisses hieß es, der Ausstieg aus der Kohleverstromung sei "einer der wichtigsten Schritte" von Regierungen, um das Pariser Abkommen umzusetzen. Kohle gefährde Menschenleben überdies durch die Verursachung von Atemwegserkrankungen.

Derzeit beträgt der Anteil der Kohle an der weltweiten Energiegewinnung dem Bündnis zufolge fast 40 Prozent. Um das Pariser Abkommen zu erfüllen, das eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vorsieht, müssten die Länder der Europäischen Union und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bis spätesten 2030 aus der Kohle aussteigen, der Rest der Welt bis spätestens 2050.

Das internationale Bündnis bringt Deutschland weiter unter Druck. Umweltorganisationen und auch eine Reihe von deutschen Unternehmen fordern einen Kohleausstieg, bei den derzeitigen Jamaika-Sondierungen ist diese Forderung jedoch hoch umstritten.

"Der weltweite Abschied von der Kohle hat begonnen und Deutschland droht den Anschluss zu verpassen", erklärte der Politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals, mit Blick auf die neue Allianz. Vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hieß es: "Deutschland droht zum Fossil der internationalen Klimapolitik zu werden."

Der WWF Deutschland nannte die Allianz "ein Signal, das wir uns derzeit stärker kaum wünschen könnten". "Es ist peinlich, dass Deutschland - ehemals Vorreiter beim Klimaschutz - nicht dabei ist", kritisierte WWF-Klimaexperte Michael Schäfer. Die Chefin der European Climate Foundation, Laurence Tubiana, lobte die Initiative als "ein großartiges Beispiel für die Führung, die wir brauchen, um das Wettrennen gegen den Klimawandel zu gewinnen".

Derweil ging die Plenumssitzung der Klimakonferenz weiter. Dabei sollte auch die Referatsleiterin für Ozeane und internationale Umwelt- und Wissenschaftspolitik des US-Außenministeriums, Judith Garber, das Wort ergreifen. Der Umweltminister der Malediven, Thoriq Ibrahim, forderte im Namen der Allianz der kleinen Inselstaaten (OASIS), schon vor 2020, dem eigentlichen Starttermin des Pariser Abkommens, mehr für den Klimaschutz zu tun.