Die globale Ölnachfrage schwankt, aber das reicht noch nicht, um den Ölmarkt zu richten

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Die Ölindustrie kommt dieses Jahr einfach nicht aus der Flaute heraus. Die Rohölpreise bleiben niedrig, und das verzögert die Erholung der Branche. Während schwächere Preise für Ölproduzenten schlecht sind, sind sie für Verbraucher großartig, weil es die Preise für raffinierte Produkte wie Benzin im Zaum gehalten hat, was wiederum für das robustes Nachfragewachstum verantwortlich ist. Diese steigende Nachfrage reicht jedoch nicht aus, um den Ölmarkt zu bessern, was zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass die Schieferölfirmen immer noch sehr viel auf den Markt bringen.

Die aktuellen Zahlen

Letzte Woche veröffentlichte die Internationale Energieagentur (IEA) ihren monatlichen Kommentar. Eine der Highlights des Berichtes waren die aktuellen Daten, die ein Wachstum bei der Nachfrage anzeigen. Im letzten Quartal stieg die Nachfrage um 2,3 Millionen Barrel pro Tag, was ein Plus von 2,4 % im Jahresvergleich dank höheren Ölkonsums in den USA und in Europa darstellt. Diese starken Zahlen führten dazu, dass die IEA die Wachstumserwartungen für 2017 noch einmal erhöhte. Sie erwartet jetzt, dass die Nachfrage nach Öl um durchschnittlich 1,6 Millionen Barrel pro Tag wachsen wird. Vor zwei Monaten war man noch von 1,4 Millionen Barrel pro Tag ausgegangen. Das setzt den Trend der steigenden Nachfrage fort, der jetzt deutlich höher steht als vor ein paar Jahren, als der Ölpreis noch dreistellig war.

Bildquelle: IEA.

Üblicherweise würde eine solche Erhöhung der Nachfrage die Kurse nach oben treiben, das war dieses Jahr aber nicht der Fall. Das liegt daran, dass die Industrie immer noch mit zwei Problemen zu kämpfen hat. Nach Jahren der Überproduktion sind die Lager mit über 3 Milliarden Barrel übervoll. Die IEA merkte an, dass das 190 Millionen Barrel über dem Fünfjahresdurchschnitt wären. Warum so viel in den Lagern steht, liegt daran, dass die Produktion so robust bleibt. Die globale Produktion war im August aufgrund von Wartungsarbeiten und unvorhergesehenen Vorkommnissen um 720.000 Barrel pro Tag niedriger. Es wird allerdings jetzt 1,2 Millionen Barrel pro Tag mehr produziert als noch vor einem Jahr, obwohl die OPEC die Fördermenge reduziert hat.

Warum um alles in der Welt schwimmen wir immer noch im Öl?

Es gibt zwei Gründe, warum die globale Ölproduktion trotz der Bemühungen der OPEC immer noch so stabil ist. Zunächst einmal sind zwei ihrer Mitglieder, Libyen und Nigeria, von den derzeitigen Kürzungen der Fördermenge ausgenommen. Aus diesem Grund war die Produktion der OPEC in Libyen fünf Monate lang gestiegen, bevor sie im August nach erneuten Turbulenzen wieder zurückging.

Dann wären noch die Schieferölfirmen in den USA zu erwähnen,  die aufgrund von Effizienzsteigerungen jetzt hohe Produktionszahlen verzeichnen. Diese Verbesserungen haben zu Ergebnissen geführt, die alles auf den Kopf stellen. Dieses Jahr konnten mehrere Rekorde aufgestellt werden. Zum Beispiel meldete EOG Resources (WKN:877961) im letzten Frühjahr, dass die Bohrergebnisse im Delaware-Becken extrem gut ausgefallen waren. Die vier Quellen des Unternehmens lieferten im Durchschnitt 5060 Barrel Öl pro Tag pro Ölquelle. CEO Bill Thomas sagte: ?Damit ist ein Industrierekord im Permian-Becken eingestellt worden.? Thomas sprach diesen Erfolg der fortgeschrittenen Technologie und der Innovation des Unternehmens zu, die beim Durchbruch in unserem Portfolio führend sind.

In Oklahoma brechen die Produzenten währenddessen immer weiter die Rekorde. Im Juli stellte Devon Energy (WKN:925345) einen Rekord auf und erreichte eine Quote von 6000 Barrel an Öläquivalenten. Devon wies darauf hin, dass dies die höchste anfängliche Produktionsrate aller Bohrlöcher wäre. Zum Teil ist das auch auf innovatives Tech-Design zurückzuführen. Continental Resources (WKN:A0MQ12) konnte diesen Rekord ein paar Monate später übertreffen, als an einem Produktionstag 7442 Barrel gefördert werden konnten.

Bemerkenswert ist auch, dass selbst die Quellen, die keine Rekorde aufstellen, außergewöhnliche Ergebnis erzielen konnten. Continental Resources erwartet im Durchschnitt 2,4 Millionen Barrel pro Quelle zu fördern, was bei einem Ölpreis von 50.000 US-Dollar eine unglaubliche Rendite von 80 % darstellen würde. EOG Resources konnte im ersten Jahr mit seinen besten Ölquellen doppelt so viel produzieren wie mit seinen anderen Quellen, während Devon eine Verbesserung von 450 % in den ersten 90 Tagen seiner Quellen seit 2012 erzielen konnte. Die besten Quellen von EOG Resources schaffen einen Gewinn nach Steuern von 30 % bei einem Ölpreis von 40 US-Dollar. Devon schätzt, dass das Unternehmen noch 30.000 potenzielle Bohrstellen hat. Diese sollen zu den aktuellen Ölpreisen profitabel sein. Daher sehen die Unternehmen auch keinen Grund, jetzt weniger zu produzieren.

Ein gut geölter Markt

Die Verbraucher stürzen sich wie verrückt auf das Öl. Das hat die Preise jedoch nicht steigen lassen, da die Schieferölfirmen eine Quelle nach der anderen öffnen und damit die Reserven unangetastet bleiben. Die kleineren Produzenten wollen jetzt etwas weniger, weil der Ölpreis noch nicht den Erwartungen entspricht. Viele andere erhöhen aber die Produktion. Das wird die Ölpreise kurzfristig niedrig halten, was auch die meisten Ölaktien auf diesem Niveau halten sollte. Wenn wir bedenken, welche Renditen einige der besten Produktionen jetzt erwirtschaften, dann haben sie immer noch das Potenzial, für die Investoren gesundes Wachstum auf Kosten der schwächeren Konkurrenten zu generieren.

Wirf dein Geld nicht länger zum Fenster raus!

Fehler beim Investieren können dich Tausende von Euro kosten. Das Schlimmste daran: Du weißt vielleicht gar nicht, dass du diese Fehler machst. In diesem brandneuen Spezial Report von The Motley Fool haben wir Top Investoren aus der ganzen Welt befragt, was die schlimmsten Fehler in der Geldanlage sind und wie du sie vermeiden kannst. Klicke hier für den kostenlosen Zugang zu diesem Report.

The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Matthew DiLallo auf Englisch verfasst und am 17.09.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2017