Schweizer Gletscher gibt vermisstes Ehepaar nach 75 Jahren frei

Ein Pistenbully-Fahrer hat auf einem Schweizer Gletscher die Leichen eines Paares gefunden. Nach fast 75 Jahren gab der Tsanfleuron-Gletscher bei Les Diablerets sie frei. Der Schuster Marcelin und die Lehrerin Francine Dumoulin waren 40 und 37 Jahre alt, als sie am 15 August 1942 auf den Weg auf eine Alm verschwanden. Sie wollten oberhalb von Chandolin im Schweizer Kanton Wallis das Vieh füttern.

Bernhard Tschannen, Geschäftsführer der Seilbahnfirma Glacier 3000, Les Diablerets:

“Einer unserer Kollegen sah sie aus einer gewissen Entfernung und hatte den Eindruck, dass das ein Haufen Gestein war, aber eigentlich waren das zu viele an einer Stelle, also ging er näher ran. Und dann fanden wir Rucksäcke, Geschirr, eine Wasserflasche, da waren Schuhe von einem Mann und einer Frau, ein Teil der Körper – der Rest war noch unter dem Eis.”

Die Route sei damals als Fussverbindung zwischen dem Wallis und Bern benutzt worden. Das Paar könnte in eine Gletscherspalte gefallen sein.

Sie verschwanden 1942 in den Schweizer Alpen. Nun gab die Gletscherschmelze die Leichen eines Ehepaares frei. https://t.co/M0ce6VjmMM— az-online.de (@AZUelzen) 18. Juli 2017

Die polizeiliche Identifizierungsarbeit brachte auch zutage, wie gefährlich das Leben in den Bergen vor einem dreiviertel Jahrhundert war.

Stéphane Vouardoux, Walliser Kantonspolizei:

“Wir haben eine Datenbasis, die reicht zurück bis 1925 . Da drin sind etwa 280 Vermisste im Kanton Wallis aufgeführt, die vor allem im Berggebiet verschollen waren, aber auch in den Seen und rund herum.”

«Wir haben unsere Eltern das ganze Leben lang gesucht”, so die Tochter Marceline Udry-Dumoulin (79) nach Medienberichten («Le Matin»)) – sie war durch den Bergunfall ihrer Eltern Vollwaise geworden – wie eine Schwester und fünf Brüder. “Nach 75 Jahren beruhigt mich dieser Fund.»

Klimaforscher eher nicht: Der Tsanfleurongletscher war vor 150 Jahren doppelt so groß wie heute und schmilzt seither stetig ab.

Nach Medienberichten (Schweizer Rundfunk SRF) wurden die sterblichen Überreste der Gletscher-Leichen per Helikopter ins Tal gebracht und sollen im Institut für Rechtsmedizin in Lausanne untersucht werden.

su