Glashütte: Spielend für das Leben lernen

Melek musste vor kurzem umziehen und geht nun in eine neue Klasse. Ihr Vater ist gestorben und die Familie musste das Haus verkaufen. Die 15-Jährige mit kurdischem Migrationshintergrund hat zu alledem auch noch Probleme mit den Jungs aus ihrer Klasse. Sie bewerfen sie mit Papierkügelchen, stehlen ihr die Brotdose und lauern ihr sogar auf dem Heimweg auf.

Meleks Geschichte haben sich 16 Jugendliche zweier neunter Klassen der Kopernikusschule in Porz während einer theaterpädagogischen Woche ausgedacht. Nun führten die 14- bis 15-Jährigen das Stück vor Mitschülern, Lehrern und Eltern im Jugendzentrum Glashütte auf. Mitarbeiter vom Theater Impuls hatte das Ensemble eine Woche lang darauf vorbereitet und gemeinsam das Stück entwickelt.

"Die Idee kam von den Schülern. Es war ihnen wichtig, das Thema Ausgrenzung aufzugreifen", sagt Sevil Mokhtare vom Theater Impuls. Für Melek hatte die Geschichte ein gutes Ende. Als ihre Mutter, gespielt von Fiona, die Peiniger der Tochter sieht, zieht sie sich kurzerhand einen Schuh aus und vertreibt sie damit. Zudem findet Melek schnell in der neuen Klasse eine Freundin. "Ich habe mir einfach vorgestellt, ich wäre meine Mutter", schilderte Fiona während der Proben.

Der Verein Theater Impuls war auf die Kopernikusschule zugegangen, da dort viele der Schüler aus Drittländern kommen. Deshalb hatte sich eine theaterpädagogische Woche zum Thema Integrations-Botschaften angeboten.

Zuerst besuchten die Jugendlichen, die sich freiwillig anmelden konnten, mit den Betreuern in Ehrenfeld das "Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland". Danach erarbeiteten die Schüler selbst das Konzept der etwa 30-minütigen Aufführung und beschäftigten sich dabei auch mit der eigenen Geschichte.

"Ich glaube, Theater zu spielen erhöht die Teamfähigkeit der Schüler und die Konzentration", sagte Lotar Kienzler vom Theater Impuls. Außerdem hätten die Jugendlichen an ihrer Sprache und Bühnenpräsenz gearbeitet. "Zu Beginn waren sie noch ganz leise", meinte Kienzler.

Bei der Aufführung war davon nichts mehr zu spüren: Mit lauter Stimme zählten die Nachwuchsschauspieler Dinge auf, die sie mit Deutschland verbinden. Ein Schüler nannte dabei den Döner. "Gehört das wirklich zu Deutschland?", fragte ihn seine Mitschülerin. Er nickte. "Jetzt schon."

Über das Thema Heimat hatten die Theaterpädagogen ebenfalls mit den Jugendlichen gesprochen. "Für mich ist Heimat die Kölner Innenstadt und der FC", sagte einer der Hauptschüler. "Meine Heimat ist der Kosovo. Da kann ich sogar Auto fahren. Ich liebe einfach die alte albanische Tradition", sagte ein anderer auf der Bühne. Schließlich zogen die Schüler Bilanz aus ihren Erfahrungen der vergangenen Woche: "Ob schwarz oder weiß - alle sind gleich."...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta