Kramer und Struktur verloren: Gladbach verspielt Heimsieg

Aron Johansson (l.) glich in der 78. Minute für Werder Bremen aus

Nach 70 Minuten saß Christoph Kramer auf dem Rasen und signalisierte: Es geht nicht mehr. Der Weltmeister musste mit verletzt ausgewechselt werden. Laut Sportdirektor Max Eberl hatte er sich einen Nerv im Wadenbein eingeklemmt und konnte nicht mehr laufen.

Nachdem Borussia Mönchengladbachs Trainer Dieter Hecking zuvor bereits Denis Zacharia platzverweisgefährdet aus dem Spiel genommen hatte, verloren die Fohlen anschließend komplett den Faden.

"Als Zakaria und Kramer unten waren, ist die Stabilität verloren gegangen", gab Hecking nach dem 2:2 gegen Werder Bremen zu. Kapitän Lars Stindl pflichtete ihm bei Eurosport bei: "Wir hatten alles in der eigenen Hand. Dann haben wir Zakaria und Kramer verloren. Das tat uns weh, dadurch haben wir die Struktur verloren."

Auf dem Weg nach Europa war es für Gladbach ein weiterer Rückschlag. Die Mannschaft verspielte zum Auftakt des 25. Spieltages in der Bundesliga gegen Werder Bremen trotz eine 2:0-Pausenführung und könnte nach dem dritten Heimspiel in Serie ohne Sieg am Samstag auf Platz neun abrutschen. (Tabelle der Bundesliga)

Kruse wollte mehr

Der starke Zakaria (5.) mit seinem zweiten Saisontreffer und ein Eigentor von Niklas Moisander (33.) hatten für eine scheinbar beruhigende Pausenführung des fünfmaligen deutschen Meisters gesorgt.


Doch die nicht aufsteckenden Bremer schlugen nach der Pause durch Thomas Delaney (59.) und "Joker" Aron Johannsson (78.) zurück und holten einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

"Die erste Halbzeit war ganz schlecht von uns, aber die zweite Halbzeit war sehr gut. Deshalb ist der Punkt verdient", sagte Werder-Torschütze Delaney nach dem Abpfiff bei Eurosport.

"In der ersten Halbzeit sind wir im Tiefschlaf, da hauen wir uns die Dinger selber rein. Deswegen haben wir leider nur Unentschieden gespielt", fügte Max Kruse hinzu.

Zakaria sorgt für Blitzstart

Auf dem durch leichten Schneefall seifigen Untergrund erwischten die Gastgeber einen Blitzstart vor 52.211 Zuschauern im Borussia-Park. Zakaria eroberte im Mittelfeld zunächst den Ball, nach einem unfreiwilligen Doppelpass mit dem Bremer Delaney ließ der Schweizer Werder-Schlussmann Jiri Pavlenka keine Abwehrchance.


Die Gäste versteckten sich nach dem frühen Rückstand nicht, dem Spiel des Teams von Trainer Florian Kohfeldt mangelte es aber an der notwendigen Präzision. Ein Schuss von Ludwig Augustinsson blockte der Ex-Bremer Jannik Vestergaard zudem im letzten Moment (16.).

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Moisander trifft mit der Hacke

Die Gladbacher waren zielstrebiger in ihren Aktionen. Zakaria und Kramer leiteten die Angriffe immer wieder mit viel Übersicht ein. Zakaria war auch maßgeblich am zweiten Tor beteiligt. Seine Hereingabe lenkte Moisander mit der Hacke am chancenlosen Pavlenka vorbei ins eigene Tor.

Hecking hatte vor der Begegnung eindringlich vor dem ehemaligen Gladbacher Max Kruse gewarnt. Kruse zeigte sich an seiner alten Wirkungsstätte zwar äußerst engagiert und ging weite Wege, wie seine Mitspieler agierte aber auch der 29-Jährige vor der Pause glücklos. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Gladbach kombinierte trotz der schwierigen Platzverhältnisse etwas flüssiger und hatte durch Raul Bobadilla (38.) noch vor der Pause die Chance zum dritten Treffer. Der Ersatz des verletzten Raffael zielte aber zu hoch.

Kruse bereitet Delaneys Anschlusstor vor

Hecking nahm zur zweiten Halbzeit den mit Gelb vorbelasteten Zakaria vom Feld - mit negativen Folgen für das Spiel der Borussia. Delaney verzog zunächst knapp (49.), dann köpfte er ungehindert eine Ecke von Kruse ein.


Der Anschlusstreffer gab Werder neues Selbstvertrauen, Gladbach wirkte verunsichert. Der zur zweiten Hälfte eingewechselte  Johannsson belebte das Bremer Offensivsspiel und vergab bereits in der 62. Minute eine Möglichkeit zum Ausgleich, als er an Schlussmann Yann Sommer scheiterte. Eine gute Viertelstunde später machte er es dann besser. 

Zuvor hatte sich schon ein offenes Spiel entwickelt, in dem Gladbach durch Bobadilla die mögliche Entscheidung (69.) verpasst hatte.