Gladbach-Sportdirektor Eberl wütend auf Fans: "Ich finde es eine bodenlose Frechheit"

Die Niederlage gegen Borussia Dortmund hat Gladbach tiefer in die Krise gestürzt. Manager Max Eberl will aber noch nicht von Abstiegskampf reden.

Max Eberl stürmte wutentbrannt in den Kabinengang. Der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach war überhaupt nicht zu beruhigen - trotz des 3:1-Erfolgs gegen den Hamburger SV, trotz 28 Punkten nach der Hinrunde. "Ich finde es eine bodenlose Frechheit, wenn man unsere Mannschaft, die ein hervorragendes Heimspiel macht, bei Rückpässen auspfeift. Es geht mir so auf den Sack. Dann sollen sie zu Bayern München oder PSG gehen", sagte Eberl.

Fast zehn Minuten lang macht er seinem Ärger über die Pfiffe einiger Fans in der zweiten Halbzeit nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich des Ex-Gladbachers Andre Hahn (53.) Luft. Dabei schwankte seine Stimmung zwischen Wut, Fassungslosigkeit und Enttäuschung. "Hier wird ehrlich Fußball gespielt und mit jungen Spielern gearbeitet. Mit so etwas kann ich nicht leben, wenn wir bei guten Spielen ausgepfiffen werden. Das ist nicht mehr Borussia Mönchengladbach, wie ich es kenne. Das ist pervers", sagte der 44-Jährige.

Ende November wurden die Gladbacher Profis nach ihrem überraschenden Erfolg gegen Herbstmeister Bayern München noch ausgiebig gefeiert, doch nach drei Spielen ohne Sieg kippte die Stimmung bei einigen Anhängern. "Ich rede nicht von der Nordkurve. Ich rede von den Zuschauern, die ab und an mal Fußball gucken wollen", stellte Eberl klar und warnte vor "erhöhten Erwartungshaltungen, die in die falsche Richtung gehen. Das kann uns erschlagen."

"Das sind keine Fans"

Trotz Verletzungspechs liegt die Mannschaft von Dieter Hecking nach dem Sieg gegen den HSV durch den Doppelpack des Brasilianers Raffael (74., 79.) zur Winterpause auf Europacup-Kurs. Umso unverständlicher war die Reaktion von Teilen des Publikums. "Das ist der Mannschaft und dem Klub gegenüber, der sich acht Jahre den Arsch aufreißt, um einmal gegen Barcelona spielen zu dürfen, eine Frechheit", sagte Eberl.

Der aufgebrachte Sportdirektor erhielt Unterstützung von den Spielern. "Die Leute, die pfeifen, das sind keine Fans", sagte Nationalspieler Matthias Ginter. Thorgan Hazard, der die 1:0-Führung erzielt hatte (9.), erklärte: "Die Fans müssen der Mannschaft helfen. Wenn sie es so machen, helfen sie uns nicht."

Der belgische Nationalspieler hofft auf eine andere Stimmung im Achtelfinale des DFB-Pokals am Mittwoch gegen Bayer Leverkusen. "Die Fans müssen verstehen, dass wir eine junge Mannschaft haben. Wir können nicht immer nach vorn spielen, sondern müssen auch mal in Ruhe aufbauen. Ich hoffe, es wird im Pokal gegen Leverkusen wieder anders", sagte Hazard.