Glückliche Bayern wahren Mini-Chance auf Gruppensieg

Glückliche Bayern wahren Mini-Chance auf Gruppensieg

Sven Ulreich hielt bärenstark, Robert Lewandowski und Corentin Tolisso schlugen eiskalt zu: Der deutsche Fußball-Rekordmeister Bayern München hat dank seiner individuellen Klasse und viel Glück seine Mini-Chance auf den Gruppensieg in der Champions League gewahrt. Die bereits zuvor für das Achtelfinale qualifizierten Münchner gewannen am 5. Spieltag beim RSC Anderlecht mit 2:1 (0:0) und dürfen nach dem neunten Sieg im neunten Spiel unter Trainer Jupp Heynckes auf Platz eins in der Gruppe B schielen.

Dafür muss der Bundesliga-Tabellenführer Paris Saint-Germain zum Abschluss der Vorrunde am 5. Dezember allerdings mit mindestens vier Toren Unterschied besiegen. "Paris hat in der Champions League alles weggeputzt. Ich mache zwar keinen Hehl daraus, dass wir zumindest gewinnen möchten. Aber ich bin kein großer Optimist, dass es für ein 4:0 reicht", lautete allerdings die realistische Einschätzung des Vorstandschefs Karl-Heinz Rummenigge.

"Erste Halbzeit komplett verschlafen"

Ihre Pflichtaufgabe beim punktlosen belgischen Meister lösten die Münchner alles andere als souverän. Ulreich verhinderte gleich mehrfach einen Rückstand, nach einer Leistungssteigerung im zweiten Durchgang trafen Lewandowski (51.) und Tolisso (77.) zum unverdienten Erfolg. Überschattet wurde der Sieg durch die Verletzungen von Arjen Robben und Thiago. Sofiane Hanni (63.) hatte zwischenzeitlich mit dem ersten RSC-Tor in dieser Saison in der Königsklasse ausgeglichen.

"Es war glücklich. Wir haben die erste Halbzeit komplett verschlafen. Anderlecht war aggressiver. Damit können wir nicht zufrieden sein, das ist nicht unser Anspruch. Wir müssen uns auch bei Sven Ulreich bedanken", sagte Jerome Boateng im ZDF.

Heynckes schonte mit Blick auf das schwere Auswärtsspiel am Samstag (18.30 Uhr/Sky) bei Borussia Mönchengladbach einige Stammkräfte, so kam der erst 19-jährige Marco Friedl zu seinem Profi-Debüt bei den Bayern. Weltmeister Boateng kehrte nach überstandenen muskulären Problemen in die Innenverteidigung zurück.

"Man muss in diesem Flow bleiben", hatte Rummenigge vor der Begegnung im Constant-Vanden-Stock-Stadion gefordert. Doch die Gäste begannen unkonzentriert. Nach einem groben Fehler von Boateng verhinderte Ulreich gegen Lukasz Teodorczyk einen Rückstand (8.).

Viel Unvermögen der Belgier

Die Münchner agierten auch in der Folge fehlerhaft, die Gastgeber kamen durch ihr Pressing immer wieder zu Ballgewinnen. Dem Spiel des deutschen Meisters mangelte es an Ideen, Tempo und Engagement.
Immerhin war auf Ulreich Verlass. Der Vertreter von Manuel Neuer parierte auch gegen Dennis Appiah (17.). Teodorczyk vergab zudem auch seine zweite große Möglichkeit frei vor dem Münchner Tor kläglich (30.) und scheiterte dann wieder an Ulreich (39.). 

Es lag einzig am Unvermögen der Belgier, dass der FC Bayern vor der Pause nicht in Rückstand geriet. Das träge Münchner Spiel war geprägt von zahlreichen Missverständnissen. Es passte zudem ins Bild, dass Thiago kurz vor Ende der mit Abstand schwächsten Halbzeit unter Heynckes verletzt vom Platz musste. Für den Spanier kam James Rodriguez.

Das Verletzungspech blieb den Münchnern auch im zweiten Durchgang treu. Robben humpelte nach einem Foul mit Oberschenkelproblemen vom Feld. Der Niederländer wurde durch Javi Martinez ersetzt, weil Offensivoptionen nach den Ausfällen von Thomas Müller, Kingsley Coman und Franck Ribery fehlten. 
Dennoch gingen die Münchner mit ihrem bis dahin besten Angriff in Führung. Tolisso legte mit viel Übersicht quer auf Lewandowski, der Torjäger schob locker zu seinem zweiten Champions-League-Treffer in dieser Saison ein.

Anderlecht zeigte sich geschockt. Die Bayern hatten nun mehr Zugriff, ihre Kombinationen gewannen an Sicherheit. Lewandowski vergab aber die Möglichkeit zum 2:0 (58.). Nach dem Ausgleich durch Hanni traf Tolisso nach einer Flanke von Joshua Kimmich per Kopf. In der Schlussphase verpassten Lewandowski (84.) und Tolisso (86.) einen höheren Sieg.