Lufthansa soll Hauptpaket erhalten

Die insolvente Air Berlin soll zum größten Teil an die Lufthansa verkauft werden. Die Verhandlungen werden aber noch bis Mitte Oktober andauern. Das Bieterverfahren für die Technik-Sparte endet am 6. Oktober.


Der vorläufige Gläubigerausschuss der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin hat sich auf exklusive Verhandlungen mit Lufthansa über den Kauf des Ferienfliegers Niki festgelegt. Das erfuhr die WirtschaftsWoche aus dem Unternehmensumfeld. Niki gilt als Filetstück der Air-Berlin-Gruppe. Die Verhandlungen sollen zunächst bis Mitte Oktober weitergeführt werden und umfassen neben der Niki-Beteiligung weitere Slots und Maschinen von Air Berlin, nicht aber die Langstrecke. Dabei seien konkrete Rahmenbedingungen und Zielvorgaben festgelegt worden.

Zusätzlich wurde der vorläufige Insolvenz-Sachwalter von dem Gremium beauftragt, mit Easyjet über ein zweites, aber deutlich kleineres Air-Berlin-Paket zu verhandeln, berichtet das Magazin. "Je nach Verlauf der Gespräche könnte noch ein drittes Paket geschnürt werden und an Thomas Cook gehen", sagt ein Insider.

Öffentlich sollen die möglichen Käufer der insolventen Fluggesellschaft am kommenden Montag bekannt gegeben werden. Das teilte Air Berlin am Donnerstagabend mit. Die Vertreter im Gläubigerausschuss hätten die vorliegenden Bieterangebote für die die Fluggesellschaft beziehungsweise Teile des Unternehmens "intensiv erörtert".




Air Berlin - die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie - hatte Mitte August Insolvenz angemeldet, weil der langjährige Geldgeber Etihad Airways weitere Finanzspritzen verweigerte. Nur dank eines Staatskredits über 150 Millionen Euro kann der Flugbetrieb derzeit fortgesetzt werden.

In den vergangenen Wochen war ein Bieterwettkampf um die Linie entbrannt. Neben der Lufthansa, Easyjet und Thomas Cook hatten weitere Fluggesellschaften und Unternehmer für Teile oder die ganze Firma den Finger gehoben - darunter die British-Airways- und Iberia-Mutter IAG, Utz Claassen, Hans Rudolf Wöhrl und verspätet auch Jonathan Pang, der chinesische Betreiber des Flughafens Parchim. Über die Angebote hatten die Gläubiger den ganzen Donnerstag in Berlin beraten.

Details der Lufthansa-Offerte hatte deren Vorstandschef Carsten Spohr bereits am Mittwoch verkündet: Der Konzern wolle die 38 bereits angemieteten Mittelstrecken-Maschinen und 20 bis 40 weitere Flugzeuge von Air Berlin kaufen. Käme es so, würde Lufthansa etwa die Hälfte der Flotte übernehmen. „Wir glauben, bald bis zu 3000 neue Mitarbeiter begrüßen zu können“, so Spohr.

Air Berlin hat insgesamt mehr als 8000 Beschäftigte und 144 Flugzeuge. 38 davon samt Besatzungen hat Eurowings schon geleast, die Lufthansa-Billigtochter wirbt auch neues Personal an.

KONTEXT

Das ist Air Berlin

Boom der Billigflieger

Die 1978 gegründete Fluggesellschaft Air Berlin ist mit dem Boom der Billigflieger groß geworden. Erfolg hatte Deutschlands zweigrößte Airline zunächst mit Flügen von Berlin nach Mallorca. 2002 nahm sie Linienflüge in europäische Städte ins Programm.

Zu viel gewollt

Nach einem radikalen Expansionskurs geriet das Unternehmen in eine Krise. Seit 2008 schreibt Air Berlin - mit einer Ausnahme durch den Verkauf des Vielfliegerprogramms - rote Zahlen. Im Jahr 2016 betrug der Verlust rund 782 Millionen Euro, der Schuldenberg wuchs auf knapp 1,2 Milliarden Euro. Jahrelang hielt der arabische Großaktionär Etihad, der 29,2 Prozent der Anteile besitzt, die Airline mit Finanzspritzen in der Luft.

Flug in die Insolvenz

Im August 2017 zieht Etihad die Reißleine: Der Hauptaktionär erklärt, keine weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Air Berlin stellt daraufhin beim zuständigen Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung.