GKV-Chefin Pfeiffer kritisiert Verzögerungen beim Aufbau von Krebsregistern

Röntgenbild einer von Krebs befallenen Lunge

Der Aufbau der klinischen Krebsregister in den Bundesländern kommt nach wie vor nur schleppend voran. Bisher könne kein Krebsregister "alle Aufgaben vollumfänglich leisten", sagte Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), der Nachrichtenagentur AFP. Probleme gebe es sowohl bei der Datenerfassung als auch bei der länderübergreifenden Datenvernetzung der Register.

"So ist es den Ländern leider nicht gelungen, einheitliche Software zur Informationsverarbeitung zu installieren, es gibt daher eine Vielzahl von Schnittstellenproblemen", sagte Pfeiffer. "Ein funktionierender Datenaustausch über alle Ländergrenzen kam bisher nicht zustande."

Erst seit dem Spätherbst diesen Jahres gibt es Pfeiffer zufolge in allen Ländern die gesetzlichen Grundlagen für klinische Krebsregister. Die technische Umsetzung sei aber sehr unterschiedlich. "Jeder Monat Verzögerung im Informationsfluss führt dazu, dass die Verbesserung der Versorgung von Krebspatienten entsprechend länger dauert", kritisierte Pfeiffer. Erst im Jahr 2020 erwartet die GKV-Chefin den ersten Ergebnisbericht.

Der Aufbau der bundesweiten klinischen Krebsregister ist im sogenannten Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz (KFRG) geregelt, das im April 2013 in Kraft trat. Sie sollen künftig Daten flächendeckend und nach einheitlichen Kriterien erfassen. Experten erhoffen sich davon bessere Erkenntnisse zur Versorgung von Krebspatienten.

Zum einen sollen die einzelnen Behandlungszentren verglichen und Qualitätsunterschiede kenntlich gemacht werden. Zum anderen wird beobachtet, welchen Einfluss einzelne Therapien auf die Prognose und die Lebensqualität der Betroffenen haben. Auch Daten zum Überleben der Patienten werden gesammelt. Dadurch soll die bestmögliche Therapie herausgefiltert werden.

Der Gesetzgeber hat den Ländern eine Frist bis Ende 2018 gesetzt, um die Krebsregister voll arbeitsfähig zu machen. Das beinhaltet bereits eine einjährige Frist zur Nachbesserung. Ob dann jedoch alle Krebsregister alle Aufgaben erfüllen werden, sei wegen der zahlreichen Probleme "noch nicht zuverlässig absehbar", sagte Pfeiffer.

Einen Prüfbericht zum Stand der Umsetzung erwartet der Kassen-Verband Anfang 2018. Ein im Sommer vergangenen Jahres vorgelegtes Gutachten hatte gezeigt, dass damals lediglich drei Bundesländer gut im Plan lagen.

Die klinischen Krebsregister sind nicht zu verwechseln mit den sogenannten epidemiologischen Krebsregistern, die es bereits seit längerem in allen Bundesländern gibt und die unter anderem die Verteilung von Krebserkrankungen nach Alter, Geschlecht und Wohnort der Patienten analysieren.