GK Software: „Sehen uns weit vor unserem Plan“ - Rücksetzer als Kaufchance

Michael Schröder
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GK Software: „Sehen uns weit vor unserem Plan“ - Rücksetzer als Kaufchance

GK Software bleibt auf Wachstumskurs. Die Geschäfte bei dem Entwickler und Anbieter von Standard-Software für den Einzelhandel laufen. Die Aktie befindet sich in einem intakten Aufwärtstrend. Die laufende Konsolidierung bietet eine interessante Einstiegsgelegenheit.

DER AKTIONÄR sprach mit Gründer und Vorstandschef Rainer Gläß über die aktuelle Geschäftsentwicklung, das neue Aushängeschild OmniPOS und die Mehrheitsbeteiligung an der Prudsys AG.

DER AKTIONÄR: Herr Gläß, die GK Software AG hat ihren erfolgreichen Kurs in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 eindrucksvoll fortgesetzt. Wie zufrieden waren Sie mit dem operativen Abschneiden?

Rainer Gläß: Die ersten neun Monate haben ebenso wie das letzte Jahr gezeigt, dass wir in der Lage sind, ein starkes anhaltendes Umsatzwachstum mit einer Rückkehr zu alter Margenstärke zu verbinden. Wir hatten uns für die Erreichung unserer Ziele einen Zeitraum bis 2018 gesetzt und sehen uns in diesem Jahr vor allem bezüglich des Umsatzes bereits weit vor unserem ursprünglichen Plan. Natürlich gibt es für mich als CEO immer Potenziale, an deren Hebung zu arbeiten ist. Aber ja, ich bin sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf dieses Jahres.

Welche Rolle hat dabei Ihr im vergangenen Jahr vorgestelltes neues Aushängeschild OmniPOS gespielt?

Ehrlich gesagt, übertrifft der Erfolg von OmniPOS unsere sicher nicht geringen Erwartungen. Es ist in unserer Branche keineswegs normal, dass man ein neues Produkt vorstellt und anderthalb Jahre später bereits 23 internationale Kunden dafür gewinnen konnte. Und genauso wenig ist es die Norm, dass von diesen Kunden bereits 10 die Lösung im produktiven Einsatz haben. OmniPOS trägt damit maßgeblich dazu bei, unser Wachstumstempo beizubehalten und unseren internationalen Marktanteil weiter zu erhöhen. Nach der jüngsten Global-POS-Studie des britischen Research-Hauses RBR war zwischen Juni 2016 und Juni 2017 weltweit nahezu jede zehnte neue Kasse bei einem Tier 1-Einzelhändler eine GK-Kasse. Bezogen auf unsere Hauptmärkte sieht die Lage noch eindeutiger aus. So war es im westeuropäischen Lebensmitteleinzelhandel mit 42 Prozent schon fast jedes zweite System. Da einige große Rollouts gerade vorbereitet werden, wird sich dieser Trend in den kommenden Jahren weiter verstärken.

In diesem Jahr haben sich weitere Global Top 50 Einzelhändler, für die von GK Software entwickelten und SAP vertriebenen Lösungen entschieden. Welche Bedeutung haben diese Projekte für GK?

Gemeinsam mit SAP haben wir natürlich einen speziellen Fokus auf die großen internationalen Einzelhändler. Aber Projekte bei dieser Zielgruppe sind nicht nur aus einer wirtschaftlichen Sicht für uns sehr interessant. Diese großen Retail-Brands sind immer auch die Leuchttürme der Branche, die als erste Innovationsthemen adressieren und auf neueste Technologien setzen. D. h. wir sind nicht nur außerordentlich stolz, dass wir bereits zwölf der Global Top 50 zu unseren Kunden zählen dürfen. Diese Referenzen helfen uns im Wettbewerb um neue Projekte. Denn sie sind der Nachweis, dass unsere Lösungen die richtigen Antworten auf die Fragen der Retailer liefern und wir in der Lage sind, solche Projekte international erfolgreich umzusetzen.

Die zuletzt gemeldeten Vertriebserfolge waren internationale Projekte, verteilt auf verschiedene Kontinente. Wie global ist GK Software inzwischen aufgestellt und in welchen Regionen sehen Sie die größten Wachstumspotenziale?

Wenn Sie sich die zehn Projekte anschauen, die wir in diesem Jahr bereits gemeinsam mit SAP gewonnen haben, werden sie feststellen, dass diese Kunden auch aus zehn Ländern kommen. Dabei konnten wir nicht nur namhafte Retailer aus Frankreich und Italien überzeugen, sondern auch aus Mexiko und Saudi Arabien. An dieser Kundenvielfalt zeigt sich, in welchem Maße wir international erfolgreich sind. Ein anderes Beispiel zu diesem Thema ist das südliche Afrika. Hier haben wir jetzt ein Projekt ausgerollt, in dessen Rahmen unsere Lösungen in 12 afrikanischen Ländern produktiv sind. Auch das ist ein eindrücklicher Nachweis dafür, dass wir einer der wenigen Anbieter sind, die eine wirklich international einsetzbare Lösung haben. Schauen wir in die Zukunft, bleibt natürlich der US-Markt für uns allein auf Grund seiner Größe von besonderer Bedeutung. Hier machen wir Fortschritte, haben aber noch eine Wegstrecke vor uns. Darüber hinaus sind wir gemeinsam mit SAP in allen entwickelten Retail-Märkten aktiv und das sehr erfolgreich.

Sie haben mit der Prudsys AG eine Mehrheitsbeteiligung an einem Unternehmen erworben, dass sich auf künstliche Intelligenz (KI) fokussiert hat. Welches Potenzial sehen Sie in diesem Bereich?

Ein Blick in die einschlägigen Marktforschungsberichte zeigt, dass KI gegenwärtig eines der großen Trendthemen ist und dass auch der Handel sich zunehmend damit beschäftigt. Ich glaube, dass wir mit KI überall dort massive Verbesserungen erreichen können, in denen auf der Basis von großen Datenmengen und zahlreichen Parametern wiederkehrend Entscheidungen getroffen werden. Es ist meine feste Überzeugung, dass der Einzelhandel im harten Wettbewerb um die optimale Kundenansprache und -bindung zu einem der Vorreiter beim Einsatz von künstlicher Intelligenz werden kann, wenn nicht sogar muss. Denn KI wird die Händler in die Lage versetzen, schneller auf neue Situationen zu reagieren und neue oder bessere Lösungsansätze zu finden. Das wird nahezu alle datenintensiven Geschäftsprozesse betreffen – von der Warenbestellung über Logistik und Personaleinsatz bis hin zum Pricing und zur Kundenansprache. Und wir werden als GK Software in gewohnter Weise frühzeitig innovative Lösungen dafür anbieten. Dabei haben wir mit Sicht auf die Prudsys-Akquisition das große Glück, nicht nur ein hochqualifiziertes und motiviertes Team, sondern gleichzeitig ein auf den Handel ausgerichtetes KI-basiertes Lösungspaket zu bekommen, das bereits bei rund 200 Kunden im Einsatz ist.

Wie muss man sich diese Entwicklung vorstellen, stellen Sie die neuen technologischen Möglichkeiten dem Handel vor oder kommen Ihre Kunden mit konkreten Ideen und Wünschen auf Sie zu?

Innovationen für eine entwickelte Branche entstehen häufig aus einem wechselseitigen Prozess. Dabei treffen die Kunden mit ihren vielfältigen Ideen und Anforderungen auf die IT-Dienstleister. Unser Anspruch bei GK war dabei immer auch die Innovationsführerschaft. Ich glaube, dass diese für die Erringung der Marktführerschaft am Ende auch von immenser Bedeutung ist. Es reicht nicht, lediglich die Anforderungen der Kunden umzusetzen. Zu einem wirklichen Technologiepartner werden sie nur, wenn es ihnen gelingt, immer wieder eigene Impulse zu geben, neue Lösungen vor dem Markt zu entwickeln und ihren Kunden damit Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Dabei müssen sie natürlich häufig auch in Vorleistung gehen, investieren, neue Lösungen schaffen, Risiken eingehen. Aber genau dort liegt nicht nur in unserer Branche der Schlüssel zum Erfolg. Wenn man über Themen wie Cloud, KI oder Machine Learning nur theoretisiert, übersteht man vielleicht eine Talkrunde. Um Händler zu überzeugen, in solche Lösungen zu investieren, muss man auch zeigen können, wie man sie umsetzt und welcher konkrete Nutzen daraus entsteht.

Welche Rolle spielt die Kooperation mit SAP für die weitere Produkt- und Technologieentwicklung?

Wir haben seit Jahren auf nahezu allen Unternehmensebenen einen engen Austausch mit SAP, der aus meiner Sicht gegenseitig sehr befruchtend ist. Wir profitieren dabei am meisten davon, dass wir frühzeitig wissen, mit welchen neuen Technologien sich SAP beschäftigt und welche der daraus entstehenden Produkte für unsere Branche interessant werden. Im Gegenzug bringen wir unser umfassendes Know-how als Competence-Center Retail ein und erweitern neue SAP-Lösungen frühzeitig um die für den Erfolg notwendigen Retail-Ausprägungen. Eines der vielen Beispiele dafür ist unsere Central Pricing Engine, die jetzt direkter Bestandteil von SAP CAR ist. Im Ergebnis unserer Partnerschaft haben wir gemeinsam mit SAP und SAP hybris die weltweit umfassendste Lösung für den modernen Handel geschaffen, in der die Komponenten Zentralsysteme, e-Commerce und Store nativ integriert sind. Das ist sicher einer der Hauptgründe dafür, dass wir international so erfolgreich sind.

Sie haben kürzlich eine Wandelanleihe ausgegeben. Was waren die Gründe dafür?

Zunächst einmal möchte ich hervorheben, dass wir dem Markt offensichtlich ein attraktives Produkt angeboten haben, denn unsere Wandelanleihe war innerhalb kürzester Zeit dreifach überzeichnet. Aber auch wir als Unternehmen sehen die Wandelanleihe als gute Möglichkeit, um Mittel für Investitionen und damit für weiteres Wachstum einzuwerben. So dient sie zum einen der Finanzierung unserer Prudsys-Akquisition. Daneben planen wir die Mittel vor allem in Lösungsausprägungen für neue Marktsegmente und Kundengruppen, in neue Technologien sowie komplementäre Produkte zu investieren.

Welche Erwartungen haben Sie an den Rest des Jahres?

Wenn man auf unsere Zahlen der letzten Jahre blickt, sieht man sehr schnell, dass unser Q4 traditionell meist das stärkste Quartal war. Unsere Pipeline ist gut gefüllt, die Chancen, dass Projekte noch in diesem Jahr zu einer für uns positiven Entscheidung kommen, sind gegeben und die Auslastung in unserem Dienstleistungsgeschäft ist weiterhin sehr hoch. Daher sind die wesentlichen Voraussetzungen dafür vorhanden, dass auch in diesem Jahr am Ende ein gutes Q4 zu Buche stehen wird.

Wenn Sie sich im Jahr 2020 eine Schlagzeile über die GK Software AG wünschen könnten, wie würde diese lauten

GK Software: Umsätze mit Cloudservices weiter gestiegen, Nordamerika-Geschäft trägt noch stärker zum Umsatzwachstum bei.

Vielen Dank für das Gespräch.