Gislason: Das werde ich im Nationalteam ändern

Niclas Löwendorf

Seine erste große Aufgabe als neuer Handball-Bundestrainer hat Alfred Gislason bewältigt, am Montag gab er in der Botschaft von Japan in Berlin den deutschen Kader für den bevorstehenden Lehrgang des DHB-Teams bekannt.

Dieser wird die wichtige Partie gegen die Niederlande am 13. März in Magdeburg bestreiten. Dieser letzte Härtetest vor dem entscheidenden Olympia-Qualifikationsturnier in der Berliner Max-Schmeling-Halle (17. bis 19. April) wird die erste sportliche Aufgabe des Erfolgstrainers.

Vorab spricht Gislason im SPORT1-Interview unter anderem über seine ersten Wochen als Bundestrainer, seinen Vorgänger Christian Prokop sowie die Rückkehr von Torhüter Silvio Heinevetter.


SPORT1: Die ersten Wochen als Bundestrainer sind vorbei. Sie haben erste Gespräche geführt. Welche Probleme haben Sie bis jetzt erkannt?

Alfred Gislason: Ich habe eine Deutschlandreise gemacht und mit Spielern gesprochen, um zu hören, was sie beschäftigt, was es für Probleme gab, was besser werden kann und was sehr gut war. Ich habe ihnen gleichzeitig erzählt, was ich nach und nach einbringen möchte. Das habe ich ihnen vermittelt.

SPORT1: Die Road to Tokio nimmt immer mehr Fahrt auf. Wo wollen Sie ansetzen und wie wollen Sie weitermachen mit dem DHB?

Gislason: Ich möchte alles beibehalten und wenn möglich leicht verbessern, was sehr gut lief. Die Sachen, die nicht optimal liefen, möchte ich nach und nach verbessern. Das ist die eine oder andere Sache im Angriff, es geht auch um Gegenstöße und sowas. Ich habe dafür nicht allzu viel Zeit und muss aufpassen, dass ich nicht zu viel zu schnell möchte.

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SPORT1: Haben Sie sich mit Ihrem Vorgänger Christian Prokop ausgetauscht? 

Gislason: Nein. 

SPORT1: Christian Prokop hat erst die Rückendeckung vom DHB bekommen, dann wurde er durch Sie ersetzt. Wie haben Sie den Umgang mit ihm wahrgenommen?

Gislason: Das ist nicht mein Thema. Ich war natürlich überrascht, wie es gekommen ist. Ich war selbst in Gesprächen mit anderen Nationen. Ich bin jetzt bald 30 Jahre Trainer und mir ist das selber ein paarmal passiert. Ich weiß also, was passieren kann. Es tut mir leid für Christian, dass ihm das passiert ist. Trotzdem habe ich Deutschland zugesagt.

SPORT1: Wie ist der Kontakt mit Spielern, die sich nach dem Aus von Prokop geschockt gezeigt haben? Haben Sie mit ihnen besonders das Gespräch gesucht?

Gislason: Nein. Ich habe überhaupt nicht darauf geachtet, wer was gesagt hat, sondern habe mit allen gesprochen. Ich habe mit nicht mit manchen Spielern anders gesprochen, sondern ganz sachlich vorgetragen, was ich mir vorstelle. Ich habe die Spieler auch alle angehört, das ist ganz normal.


SPORT1: Silvio Heinevetter kehrt zurück. Wie wichtig ist er und was kann er für eine Rolle spielen? 

Gislason: Silvio hatte eine schwere Saison hinter sich. Er war zuerst verletzt, dann hat er nicht viel gespielt. Ich kenne ihn sehr gut. Ich war damals Trainer in Magdeburg und habe ihn aus Delitzsch zu mir geholt. Seine Laufbahn ging dann steil nach oben. Ich weiß, was er für riesige Qualität er hat. Er ist ein sehr ungewöhnlicher Torhüter. Ich denke, das ist auch seine Stärke. Er ist ein sehr emotionaler Mensch. Natürlich ist er jetzt erst reingekommen, weil Andi Wolff am 11. März noch ein Spiel hat und deswegen erst am 12. in Aschersleben zu uns stößt. Silvio wird dann ab dem 12. oder 13. eine Pause bekommen. Wenn alles normal läuft, werden Andi Wolff und Johannes Bitter das Duo im Länderspiel gegen Holland bilden.

SPORT1: Wie planen Sie auf Linksaußen? Uwe Gensheimer droht im Olympia-Qualifikationsturnier auszufallen. 

Gislason: Gensheimer fällt vier bis sechs Wochen aus durch seine Verletzung. Für ihn habe ich Marcel Schiller aus Göppingen nominiert. Er ist ein sehr guter Spieler, der in dieser Saison auch eine sehr gute Quote auf Linksaußen bekommen hat.

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SPORT1: Ist das ausgerufene Ziel einer Medaille bei Olympia realistisch?

Gislason: Das würde ich nicht sagen, weil wir uns nicht einmal qualifiziert haben für die Olympischen Spiele. Ich werde also gar nichts sagen über Ziele, was wir dort erreichen wollen. Wir müssen uns erst in dieser extrem schweren Gruppe in Berlin durchsetzen, dort spielen wir gegen Slowenien, Schweden und Algerien. Danach können wir darüber reden, aber nicht vorher. Das kann nicht gut gehen.

SPORT1: Erhöht der Traum von der Goldmedaille den Druck für das Quali-Turnier?

Gislason: Nein, überhaupt nicht. Der Druck ist der gleiche und das Ziel ist das gleiche, zu Olympia zu kommen. Wir wissen, dass es schwer sein wird, aber das sind halt die Olympischen Spiele und das kann durchaus schwer sein.