Gilead verlangt einen Mega-Preis für die neue CAR-T-Therapie

Motley Fool Investmentanalyst

Gilead Sciences (WKN:885823) erwarb kürzlich den CAR-T-Drogenhersteller Kite Pharma für 11,9 Milliarden US-Dollar und am Mittwoch half die FDA, den Kaufpreis des Unternehmens zu rechtfertigen, indem sie Yescarta mehr als einen Monat früher als geplant genehmigte.

Damit bildet Yescarta eine völlig neue Kategorie der Krebsmedikamente. Der stolze Preis von 373.000 US-Dollar legt nahe, dass er Gilead seine sinkende Einnahmen im Bereich Hepatitis C nächstes Jahr sinnvoll versetzen könnte.

Die Zelltherapie ist da!

Yescarta ist eine chimäre Antigenrezeptor-T-Zelltherapie (CAR-T), die dem Immunsystem hilft, Krebs zu finden, indem sie T-Zellen umprogrammiert, so dass sie Krebszellen finden und an Proteine  binden.

Im Gegensatz zu Kymriah von Novartis (WKN:904278)  – dem ersten CAR-T, das die Zulassung erhalten hat – behandelt Yescarta das fortgeschrittene diffuse große B-Zell-Lymphom (DLBCL), die häufigste Form des Non-Hodgkin-Lymphoms (NHL) bei Erwachsenen. Kymriah ist für den Einsatz bei pädiatrischen Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie oder ALL, einem seltenen Blutkrebs, zugelassen.

Yescarta und Kymriah arbeiten jedoch ähnlich. Jedes dieser Verfahren beinhaltet die Entfernung der T-Zellen eines Patienten und den Transport zu einer Einrichtung, in der sie so umgebaut werden, dass sie CD19, ein Protein, das üblicherweise durch B-Zellkrebs exprimiert wird, erkennen und binden. Sind die T-Zellen durch erst einmal verändert, werden sie wieder in den Patienten zurück implantiert.

Marktchance

In den USA werden jedes Jahr etwa 72.000 neue Fälle von NHL diagnostiziert, wobei DLBCL etwa ein Drittel dieser Fälle ausmacht. Anfangs ist Yescarta für den Einsatz bei fortgeschrittenen Patienten zugelassen, die andere Behandlungen erfolglos ausprobiert haben, so dass der ansprechbare Markt etwa 7.000 Patienten entspricht.

Kite Pharma hatte bereits angekündigt, dass die Investitionen in Herstellungsverfahren und -prozesse es ihnen erlauben würden, im ersten Jahr nach der Zulassung von Yescarta etwa 4.000 Patienten zu behandeln. Angesichts der Tatsache, dass fortgeschrittenen DLBCL-Patienten nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und 82 % der Patienten während ihrer klinischen Studien auf Yescarta ansprachen, wäre ich nicht überrascht, wenn sie dieses Ziel 2018 erreichen oder übertreffen würden.

Wenn ja, dann könnte Yescarta Gilead Sciences Umsatz ziemlich schnell um mehr als eine Milliarde Dollar aufstocken. Gilead Sciences verlangt 373.000 US-Dollar pro Patient und obwohl Rabatte die Preise erheblich verringern, können wir annehmen, dass Gilead Sciences einige hundert tausend Dollar für jeden Patienten einsteckt.

Ein wichtiger Sieg

Yescarta versetzt Gilead Sciences in eine gute Position, um etwas von den abnehmenden Umsätzen seiner Hepatitis-C-Medikamente auszugleichen.

Gilead Sciences revolutionierte die Behandlung von Hepatitis C mit Medikamenten, die Heilungsraten von über 90 % in etwa 12 Wochen liefern. In Folge dessen erreichte der annualisierte Quartalsumsatz seiner Hepatitis C-Medikamente 2015 einen Spitzenwert von fast 20 Milliarden US-Dollar.

Heute ist der Hepatitismarkt mit Konkurrenten überfüllt und die Preise sind gesunken. Hohe Heilungsraten haben auch den adressierbaren Markt für diese Medikamente geschrumpft, was dazu geführt hat, dass der Umsatz von Gilead Sciences mit Hepatitis C von 4 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal 2016 auf 2,9 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal 2017 gesunken ist.

Die Hep-C-Umsätze könnten im kommenden Jahr weiter sinken, da die FDA Mavyret von AbbVie (WKN:A1J84E) genehmigt hat, ein Medikament mit hohen Heilungsquoten in 8 Wochen.

Wie viel niedriger der Umsatz von Gilead Sciences sinken könnte, bleibt offen, aber es ist schwer vorstellbar, dass mehr Wettbewerb in einem kleineren Markt den Umsatz des Unternehmens nicht unter Druck setzen wird.

Vor diesem Hintergrund können die Investoren besser verstehen, warum die Übernahme von Yescarta durch Gilead Sciences und die anschließende Zulassung so wichtig sind. Eine schnelle Zunahme der Verkäufe könnte einen guten Teil des zusätzlichen Hep-C-Rückgangs auffangen. Damit könnte Gilead auch wieder wachsen.

Die Konkurrenz kommt

Gilead Sciences wird schnell arbeiten müssen, um sich hier zu etablieren, bevor die Konkurrenten Ärger machen. Novartis und Juno Therapeutics (WKN:A12GMP ) sind nur zwei von vielen Unternehmen, die CAR-T-Therapien für den Einsatz in DLBCL entwickeln.

Kymriah bietet eine ähnliche Wirksamkeit und Sicherheit wie Yescarta bei DLBCL-Patienten und eine Studie, die die Zulassung ermöglichen könnte, wird bald abgeschlossen sein. Juno Therapeutics’ JCAR017 befindet sich ebenfalls in einer Zulassungsstudie. Die Daten aus dieser Studie werden im nächsten Jahr erwartet.

Das schnelle Tempo der CAR-T Entwicklung und die Bereitschaft der FDA lassen vermuten, dass Gilead Sciences diesen Markt nicht lange für sich allein haben wird. Daher sollten die Investoren das Risiko zusätzlicher DLBCL-Therapien mit dem Potenzial für eine frühere Anwendung von CAR-T in der Patientenbehandlung vergleichen. Insgesamt bin ich der Meinung, dass der Markt groß genug ist, um mehrere Akteure zu verkraften, aber die Anleger werden den Fortschritt der Konkurrenten und den möglichen Preiskampf im Auge behalten wollen, wenn die Medikamente von Novartis und Juno gut ankommen.

Motley Fool besitzt und empfiehlt Gilead Sciences. Motley Fool empfiehlt Juno Therapeutics.

Dieser Artikel wurde von Todd Campbell auf Englisch verfasst und wurde am 19.10.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt die folgenden Optionen: Short Oktober 2017 $86 Calls auf Gilead Sciences.

Motley Fool Deutschland 2017