Giffey beruft "Nationalen Rat" zum Kampf gegen sexuelle Gewalt an Kindern ein

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Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD)

Mit einem "Nationalen Rat" will Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sexualisierte Gewalttaten gegen Minderjährige effektiver und koordinierter bekämpfen. Das Gremium kam am Montag in Berlin zu seiner ersten Sitzung zusammen. Der Missbrauchsbeauftragte der Regierung, Johannes-Wilhelm Rörig erhofft sich einen "spürbaren Rückgang der Missbrauchsfälle". Es sei davon auszugehen, dass aktuell ein bis zwei Kinder in jeder Schulklasse betroffen seien. "Dieses Ausmaß darf nicht länger hingenommen werden", so Rörig.

An der konstitutierenden Sitzung nahmen neben der Vorsitzenden Giffey über 40 Wissenschaftler, Vertreter von Kinder- und Jugendverbänden und Betroffene teil. Für den "Nationalen Rat" wählten Giffey und Rörig gemeinsam Akteure aus, die "Verantwortung für die Hilfe von Mädchen und Jungen sowohl im institutionellen Bereich als auch im Bereich der Justiz und Ermittlung" tragen. Darunter sind Vertreter der Kirchen, des Deutschen Olympischen Sportbunds, der Kultusministerkonferenz oder der Jugendarbeit.

"Wir haben leider bis heute noch keinen Rückgang der Fallzahlen zu verzeichnen", sagte Rörig. Im Bereich der Kinderpornografie seien die Fallzahlen innerhalb der vergangenen fünf Jahre sogar um 50 Prozent gestiegen. "Wir wissen, dass da eine sehr große Dunkelziffer ist - der Druck ist daher enorm groß", betonte der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs.

Bis zum Sommer 2021 will die Bundesfamilienministerin wirksamere Schutzmaßnahmen schaffen und durch eine bessere Koordination von Jugendamt, Polizei und Ärzten die Soforthilfe verbessern. Zudem solle durch schonende Gerichtsverfahren verhindert werden, dass Kinder und Jugendliche, die in einem Verfahren aussagen müssen, nicht "retraumatisiert werden", sagte Giffey. Der "Nationale Rat" sei keine "weitere große Runde, wo viel Zeit verbraucht wird", sondern solle tatsächliche Ergebnisse hervorbringen.

In Deutschland werden täglich im Schnitt 40 Kinder sexuell missbraucht. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik stieg die Zahl im Jahr 2018 um sechs Prozent. Insgesamt waren rund 14.500 Kinder von sexueller Gewalt betroffen. Allgemein sind die Zahlen beim Missbrauch auf einem gleichbleibenden Niveau. Zwar sei die Aufklärungsquote beim sexuellen Missbrauch mit 80 Prozent relativ hoch, doch da die Täter meist aus dem sozialen Umfeld ihrer Opfer stammten, ist die Bereitschaft zur Anzeigenerstattung geringer.