"Es gibt keinen Grund, uns mit Steinen zu bewerfen": SWR-Journalistin Tatjana Geßler macht ihrem Ärger Luft

teleschau
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"Es gibt keinen Grund, uns mit Steinen zu bewerfen, anzupöbeln, ins Gesicht zu schlagen, zu schubsen oder anzuspucken!" - SWR-Moderatorin Tatjana Geßler hat genug von Aggression und Anfeindungen gegen ihren Berufstand. (Bild: SWR / Christian Mader,)
"Es gibt keinen Grund, uns mit Steinen zu bewerfen, anzupöbeln, ins Gesicht zu schlagen, zu schubsen oder anzuspucken!" - SWR-Moderatorin Tatjana Geßler hat genug von Aggression und Anfeindungen gegen ihren Berufstand. (Bild: SWR / Christian Mader,)

SWR-Journalistin Tatjana Geßler hat sich nach der jüngsten "Querdenken"-Demo in Stuttgart zu Wort gemeldet: "Wir machen seriösen, ausgewogenen und objektiven Journalismus nach bestem Wissen und Gewissen."

Es ist irgendwie auch eines dieser merkwürdigen neuen Rituale in Zeiten von Corona: Am Wochenende zeigen selbsternannte "Querdenker" bei Demonstrationen in deutschen Innenstädten, was sie von den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung halten - und zum Wochenbeginn entflammt angesichts der transportierten Bilder eine unerbittliche Diskussion darüber, wie sinnvoll solcherlei Protest ist und warum man derartige Veranstaltungen überhaupt in der Form genehmigen muss.

Während die Mehrheit über Social Media oder dank der TV-Berichterstattung eher Zaungast dieses fragwürdigen Spektakels ist, absolvieren einige wenige - in erster Linie Polizisten und Journalisten - regelmäßig grenzwertige Vor-Ort-Einsätze in einem Spannungsfeld, wie man es in dieser Demokratie bis vor Kurzem kaum für möglich gehalten hat.

Besonders Journalisten werden massiv angefeindet, erst am vergangenen Wochenende musste die ARD eine Schalte nach Stuttgart abbrechen, weil dort offenbar Steine flogen und Reporter Thomas Denzel unter diesen Bedingungen nicht mehr weiter berichten konnte. Immer mehr Journalisten stellen sich gegen die zunehmende Aggression - so wie jüngst auch die Fernsehmoderatorin Tatjana Geßler ("Landesschau aktuell" Baden-Württemberg, SWR), die sich nach dem vergangenen Wochenende in einem leidenschaftlichen Statement auf Facebook zu Wort meldete.

"Es gibt kein Staatsfernsehen"

Die aus Heidelberg stammende Tatjana Geßler (48), die sich auf Facebook als durchaus eifrige Beobachterin des Geschehens rund um die Corona-Pandemie engagiert, richtet ihren vielfach kommentierten, aber bei den Adressaten vermutlich ins Leere laufenden Appell "an die etwas schwerfällig Denkenden, die mir hier so 'freundlich' schreiben, wir seien Staatsfernsehen und ich Systemling sei 'von oben' gelenkt".

Man merkt ihren Worten an, wie sehr sie gerade die jüngsten Ereignisse in Stuttgart beschäftigen. "Es gibt kein Staatsfernsehen", stellt sie klar. "Und wir werden auch nicht von oben, unten, hinten, vorn, von Reptiloiden oder Bill Gates gelenkt. Und es gibt keinen Grund, uns mit Steinen zu bewerfen, anzupöbeln, ins Gesicht zu schlagen, zu schubsen oder anzuspucken!" Tatjana Geßler: "Wir machen seriösen, ausgewogenen und objektiven Journalismus nach bestem Wissen und Gewissen - darauf bin ich, und ich denke, da kann ich auch für meine Kollegen sprechen, verdammt stolz."

Der SWR oder die ARD seien mitnichten Staats-TV, sondern öffentlich-rechtliches Fernsehen, insistiert Geßler in ihrem Beitrag und macht sich die Mühe, die Unterschiede zu erläutern: "Staatsfernsehen' wird vom Staat (der Regierung und/oder dem Parlament) kontrolliert. Öffentlich-rechtliches Fernsehen wird dagegen von der Gesellschaft kontrolliert, nämlich von gesellschaftlich relevanten Gruppen. Ein weiterer Unterschied ist die Finanzierung: Beim 'Staatsfernsehen' bestimmt der Staat, wie viel Geld ein Sender bekommen soll. Der Finanzbedarf des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird dagegen von einer unabhängigen Expertenkommission, der sogenannten KEF, überprüft. Die Finanzierung eines öffentlich-rechtlichen Senders erfolgt auch nicht über staatliche Gelder, also Steuern, sondern über eine Haushaltsabgabe. Dadurch soll eine möglichst große Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender vom Staat ermöglicht werden."

Zum Schluss zitiert sie in ihrem Post den Intendanten des Südwestrundfunks Kai Gniffke: "Egal, wie ungehörig sich Menschen gegenüber SWR-Mitarbeitern verhalten, es wird uns in der Unvoreingenommenheit und Unabhängigkeit nicht beeinträchtigen."

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