Das ist Bayerns Plan mit Heynckes

Martin Volkmar
Jupp Heynckes Vertrag bei den Bayern läuft noch bis zum 30. Juni

Eigentlich ist die Sache eindeutig.

Jupp Heynckes hat eine Zukunft als Trainer des FC Bayern über die Saison hinaus ausgeschlossen – mehrfach und kategorisch.

Und doch haben die FCB-Bosse die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben, dass ihr Wunschkandidat trotz seiner klaren Aussagen und seiner bald 73 Jahre weitermacht.

Faktor Hoeneß entscheidend

Dabei setzen die Münchner vor allem auf den mehr oder weniger diskreten Charme von Präsident Uli Hoeneß. Matthias Sammer, der beide aus seiner Zeit als Bayern-Sportchef bestens kennt, sieht das als entscheidenden Faktor.


"Mein Gefühl ist aber, dass Uli den Jupp exzellent kennt. Wenn er weiter - salopp gesagt - wie bisher reingrätscht, ist die Hoffnung gegeben, dass die Aussage von Jupp keine Absolution für den Sommer darstellt. Aktuell ist dies zwar so, aber wir kennen doch alle den Uli: Aussichtsloses würde er nicht mehr befeuern", sagte Sammer bei Eurosport.

Und weiter: "Uli ist ein Kämpfer, und er hat einen unglaublichen Instinkt für den Verein und für außergewöhnliche Situationen. Uli macht das exzellent. Und Uli macht diese Dinge nicht aus einer Situation heraus, wo er keinen Sinn darin sieht…"

Halbherzige Nachfolgersuche

Mit anderen Worten: Auch Sammer sieht Chancen, dass die Vereinsführung den erfolgreichen Rückkehrer doch noch umstimmen kann. Weshalb die Suche nach einem Nachfolger derzeit nur sehr halbherzig angegangen wird.

Dies bestätigte Frankfurts Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Steubing mit Blick auf den immer wieder gehandelten Eintracht-Coach Niko Kovac.


"Ich habe wäh­rend des Spiels gegen Bay­ern mit Uli Ho­en­eß dar­über ge­re­det, und er hat mir be­stä­tigt, dass sie nicht mit Niko ge­spro­chen haben. Im Ge­gen­teil – sie wün­schen sich eine Ver­län­ge­rung mit Jupp Heynckes", sagte er der Bild.

Konkreter als mit Kovac, den man als ehemaligen Bayern-Profi ohnehin gut kennt, haben sich die Münchner mit Leipzigs Ralph Hasenhüttl auseinandergesetzt, auch Thomas Tuchel ist weiter ein Thema. Doch von Dortmunds Ex-Coach ist man nach dessen Scheitern beim BVB nach wie vor nicht vollends überzeugt.

Und bei Hasenhüttl, Kovac und auch dem inzwischen nur noch als Außenseiter gehandelten Julian Nagelsmann sprechen vor allem deren Unerfahrenheit als Trainer eines internationalen Spitzenklubs, die eigene Unschlüssigkeit, ob man selber schon bereit ist, und die mindestens noch bis 2019 laufenden Verträge dagegen.

2019 bessere Chancen auf neuen Trainer

Also möchten die Bayern unbedingt noch ein Jahr mit Heynckes überbrücken, weil dann die Chancen sowohl bei den oben Genannten als auch bei anderen Kandidaten wesentlich besser wären.

So könnte man die Entwicklung von Domenico Tedesco bei Schalke in Ruhe beobachten. Und auch Joachim Löw wäre dann eher bereit als nach der WM im Sommer, nach der der Bundestrainer definitiv eine mehrmonatige Pause einlegen wird.


Daher will die Bayern-Spitze bis zum Frühjahr warten, um dann noch einen letzten Versuch bei Heynckes zu starten. Erst danach würde die Nachfolgesuche konkreter als im Moment.

Keine Alternativen

Das Problem ist ja auch, dass es praktisch kaum andere geeignete Kandidaten gibt, die Zeit und Lust hätten, als Übergangslösung auszuhelfen. Fachlich würde vielleicht Ex-Trainer Louis van Gaal gut passen, aber menschlich ist das Verhältnis zu Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zerrüttet.

Also umschmeichelt Hoeneß weiter seinen Freund Heynckes, der den Klub mit 15 Siegen in 16 Spielen zurück in die Erfolgsspur gebracht hat. So wie kurz vor Weihnachten bei einem Fanclub-Besuch in der Nähe von Ulm, als er die Anwesenden über einen Verbleib abstimmen ließ.

"Der Schießener Fan-Club hat mit 300:0 Stimmen beschlossen, dass Heynckes bleiben muss. Ich werde es dem Jupp mitteilen", verkündete der Präsident danach unter großem Jubel.

Heynckes selber will sich zum anhaltenden Werben gar nicht mehr äußern. "Die Journalisten in Deutschland wissen, dass die das gar nicht mehr zu fragen brauchen", sagte er einem arabischen Fragesteller im Trainingslager in Katar.

Einige Beobachter werteten den Verzicht auf ein (weiteres) Dementi allerdings als Indiz dafür, dass Heynckes vielleicht doch ins Grübeln gekommen ist. Fortsetzung folgt.