Herr Thiemann, hat sich Giannis bei Ihnen entschuldigt?

Der Final-Traum lebt! (NEWS: Alles zur Basketball-EM)

Nach dem Coup gegen Griechenland will die deutsche Basketball-Nationalmannschaft bei der Heim-EM den nächsten Schritt machen. (SERVICE: Alle Spiele und Ergebnisse der Basketball-EM)

Im Halbfinale gegen Spanien (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) kann das DBB-Team zum ersten Mal seit 17 Jahren wieder in ein großes Finale einziehen. (SERVICE: Alle Spiele der Basketball-EM im SPORT1-Liveticker)

Im exklusiven SPORT1-Interview spricht der stark auftrumpfende Johannes Thiemann über sein Duell mit Superstar Giannis Antetokounmpo, die Rolle von Dennis Schröder und den Basketball-Hype.

Zudem lobt der Center von ALBA Berlin einen Teamkollegen und redet über die Wirkung der Fans und die deutschen Titelambitionen.

Thiemann wartet auf Entschuldigung von Giannis

SPORT1: Herr Thiemann, haben Sie Giannis Antetokounmpo in Ihrer Tasche gefunden (Wortspiel bei Twitter, Anm. d. Red.)?

Johannes Thiemann: Das ist ein spannender Tweet, aber ich glaube nicht. Auch, wenn es ein gutes Spiel war und wir uns sehr gefreut haben, würde ich nicht so weit gehen.

SPORT1: Im Schlussviertel gegen Griechenland lagen Sie nach einem Schlag von Antetokounmpo auf dem Parkett. Wie steckt man einen Schlag des „Greek Freak“ weg?

Thiemann: Ist natürlich nicht so leicht wegzustecken. Der Typ ist, wie man sieht, eine Maschine. Der Schlag hat mich schon ganz gut erwischt.

SPORT1: Hat sich Giannis bei Ihnen entschuldigt?

Thiemann: Er ist rausgeflogen und muss dann die Halle verlassen. Also hat er sich nicht entschuldigt. Da warte ich noch drauf, dass er vielleicht bei Instagram eine Nachricht schreibt.

SPORT1: Wie war es, ihn zu verteidigen?

Thiemann: Tough. Er ist nicht umsonst zweimaliger MVP der NBA. Er ist ein unglaublich guter Spieler. Ich glaube, Eins-gegen-Eins ist er sehr schwer zu halten, aber als Team haben wir einen sehr guten Job gemacht. Klar, er hat trotzdem 31 Punkte gemacht, aber im Großen und Ganzen haben wir ihn doch gut kontrolliert. (SERVICE: Das sind die größten Stars der Basketball-EM)

Thiemann findet gute TV-Quote „mega“

SPORT1: Wie fühlt es sich an, wenn man parallel zu Bayern gegen Barca läuft - und trotzdem Begeisterung entfachen und gute Einschaltquoten generieren kann?

Thiemann: Das ist mega! Das ist echt unglaublich und ich bin froh, dass es im Free-TV läuft und dass sich die Leute dafür interessieren und zugucken. Das ist so wichtig für den Sport. Klar, wenn Bayern zeitgleich läuft und wir trotzdem solche Quoten haben, hoffe ich, dass es am Freitag nochmal mehr wird und wir nochmal so eine Leistung bringen können.

SPORT1: Dennis Schröder, Franz Wagner und Andreas Obst wurden nach dem Sieg gegen die Griechen via Social Media übel beleidigt und bedroht. War das bei Ihnen auch so?

Thiemann: Man hat natürlich ein paar solcher Nachrichten bekommen. Aber das ist leider, wenn man gegen das griechische Team spielt, häufiger der Fall. Aber das muss man einfach ignorieren.

SPORT1: Schröder hatte in der Öffentlichkeit nicht immer das beste Bild. Jetzt wirkt er wie ein echter Leader. Hilft defensiv extrem, lobt viel. Merkt auch das Team, dass sich was bei ihm geändert hat?

Thiemann: Bei uns im Team war Dennis schon immer ein Leader. Er ist schon immer ein sehr guter Mensch gewesen. Ich glaube, da wurde von den Medien öfter mehr gemacht, als man intern mitbekommt. Er hat nochmal einen riesigen Schritt nach vorne gemacht. Er ist spielerisch nochmal besser geworden, auch wie er für andere kreiert. Dennis ist auf jeden Fall dieses Jahr unser Leader und er schafft es auch, dass das ganze Team gut spielt.

Fans für Thiemann eine wichtige Motivation

SPORT1: Franz Wagner liefert richtig ab. Deutschlands nächster großer NBA-Star, wenn er so weitermacht?

Thiemann: Auf jeden Fall. Man sieht, dass er unglaubliches Potenzial hat. Er spielt mit 21 Jahren schon auf einem Level, das ist unbegreiflich. Er steht am Anfang seiner Karriere. Er wird mit Sicherheit noch viel dazu lernen und wenn er sich da weiterentwickelt, hat er die Chance, ein ganz Großer zu werden.

SPORT1: Wie viel Hype haben Sie vor dem Viertelfinale gespürt - und wie viel danach?

Thiemann: Tatsächlich muss man sagen, dass viel Hype da ist. Man hat vorher schon die Unterstützung gespürt, ob in Form von Nachrichten, Social Media oder in der öffentlichen Wahrnehmung. Das Griechenland-Spiel hat nochmal extrem gepusht. Jetzt glauben auch die Leute, die vorher nicht daran geglaubt haben, dass wir hier mit einer Medaille nach Hause fahren können. (SERVICE: Die Gruppen und Tabellen der Basketball-EM)

SPORT1: Trägt einen das Publikum oder war einfach die Tagesform und die Vorbereitung bei allen Spielern top?

Thiemann: Beides. Ich glaube, wir waren gut vorbereitet. Wir wussten genau, was wir tun wollen, wie wir verteidigen wollen. Das hat größtenteils gut funktioniert. Dann hilft es natürlich, wenn du zweimal aus der Kabine kommst und jeden Dreier triffst. Die Tagesform gehört auch dazu. Gerade in solchen K.O.-Spielen, an dem Tag zu funktionieren und das haben wir. Dann kommen noch die Fans dazu. Dass man die Unterstützung spürt und auch wenn es nicht läuft, vielleicht den Extra-Meter geht.

Thiemann warnt vor starken Spaniern

SPORT1: Wie realistisch ist jetzt der Titel?

Thiemann: Eins nach dem anderen. Wir wollen jetzt erstmal das Halbfinale gewinnen und dann können wir uns über einen möglichen Titel unterhalten. Es sind noch vier Teams übrig, also von daher ist die Chance da.

SPORT1: Wie sind die abgezockten Spanier zu stoppen?

Thiemann: Spanien ist ein toughes Team. Das ist eine Basketball-Nation. Sie sind das Siegen gewohnt. Sie sind Weltmeister geworden. Klar ist es ein anderes Team, aber sie haben eine große Basketballkultur und es wird auf jeden Fall tough. Wir müssen uns aber nicht verstecken. Wir spielen auch sehr guten Basketball und wenn wir unser Spiel spielen, haben wir auch gute Chancen.