Mit Gewinnschub in Richtung Dax

Covestro überrascht die Märkte mit glänzenden Zahlen. Die Bayer-Kunststofftochter hat Umsatz und Gewinn im abgelaufenen Quartal deutlich gesteigert. Damit behält das Unternehmen den Dax-Aufstieg fest im Auge.


Eine hohe Auslastung und gestiegene Preise geben dem Kunststoffhersteller Covestro Rückenwind. Im zweiten Quartal steigerte die Bayer-Tochter Umsatz und Gewinn deutlich und bekräftigte ihre Ziele für das Gesamtjahr. „Wir haben eine sehr hohe Auslastung, das hat unsere Rentabilität enorm verbessert“, sagte Vorstandschef Patrick Thomas am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Das Betriebsergebnis (Ebitda) kletterte von April bis Juni um mehr als 56 Prozent auf 848 Millionen Euro – deutlich mehr, als Analysten erwartet hatten. Dazu trug vor allem der Bereich Polyurethane mit den Kunststoffvorprodukten TDI und MDI bei, in dem sich das Ergebnis mehr als verdoppelte. Auch für das laufende Quartal ist Covestro optimistisch: Der Betriebsgewinn soll signifikant zulegen.

Angesichts der hohen Nachfrage laufen die Anlagen von Covestro derzeit unter hoher Auslastung, das Unternehmen ist nahezu an seinen Kapazitätsgrenzen angelangt. Dabei profitiert Covestro weiter auch von Produktionsausfällen bei der Konkurrenz. So hadert etwa der weltgrößte TDI-Hersteller BASF noch mit Problemen bei seiner Anlage in Ludwigshafen, die noch bis ins nächste Jahr hinein nicht auf Volllast fahren kann.


Da die Konkurrenz aber bereits erfolgreich dabei ist, ihre Kapazitäten wieder hochzufahren, geht Analyst Markus Mayer von Baader Helvea davon aus, dass sich die starke Entwicklung von Covestro im ersten Halbjahr nicht auf das zweite Halbjahr oder 2018 übertragen lässt und die gegenwärtigen Margen nicht nachhaltig sind.

Im zweiten Quartal setzte Covestro 3,5 Milliarden Euro um, ein Plus von 17 Prozent binnen Jahresfrist. Der Nettogewinn wurde auf 484 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Vorstandschef Thomas bekräftigte die im April erhöhten Jahresziele. Für 2017 rechnet Covestro mit einem Betriebsgewinn deutlich über dem Vorjahresniveau von gut zwei Milliarden Euro. Das Mengenwachstum im Kerngeschäft soll unverändert im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich liegen, im zweiten Quartal waren die Absatzmengen leicht um 1,6 Prozent gesunken.

Bayer hatte Covestro im Herbst 2015 an die Börse gebracht und Anfang März den angekündigten Ausstieg mit dem Verkauf eines Aktienpakets für 1,46 Milliarden Euro gestartet. Anfang Juni verkauft der Konzern erneut 17,25 Millionen Covestro-Aktien und nahm damit rund 1,07 Milliarden Euro ein, die zur Tilgung von Schulden eingesetzt werden sollen.

Noch wird Covestro weiter vollständig in der Bilanz der Konzernmutter konsolidiert und liefert üppige Ergebnisbeiträge in die Bilanz. Das Unternehmen mit weltweit 15.600 Mitarbeitern war zuvor als Bayer Material Science bekannt. Die Materialien etwa für Hart- und Weichschäume werden in der Auto-, Bau- und in der Elektroindustrie eingesetzt. Bayer bekräftigte aber, sich mittelfristig vollständig von der Tochter trennen zu wollen.


Für Covestro verbessern sich mit dem Rückzug von Bayer weiter die Perspektiven auf einen Aufstieg in den Leitindex Dax. Der Konzern rangiert derzeit im Nebenwerteindex MDax im oberen Drittel.

Das Unternehmen peilt offenbar einen Aufstieg im kommenden Jahr an. „Im September entscheidet die Deutsche Börse das nächste Mal über die Dax-Zusammensetzung, da wären wir wahrscheinlich noch nicht so weit. Doch im nächsten Jahr könnte Covestro in den Dax aufsteigen, zumal das Handelsvolumen mit Covestro-Aktien schon hinreichend groß ist“, sagte Covestro-Chef Thomas kürzlich der „Rheinischen Post“. Am Dienstagmorgen startet die Aktie mit einem Plus von 1,6 Prozent in den Handel.

In den nächsten fünf Jahren will Thomas gezielt im Spezialchemiegeschäft zukaufen. Der Vorstandschef wird – wie bereits bekannt – seinen im September 2018 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Sein Nachfolger wird Covestro-Vorstand Markus Steilemann.

KONTEXT

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.