US-Börsen ziehen Dax deutlich ins Minus


Der Dax hat seine satten Vortagsgewinne am Donnerstag nicht zusammenhalten können. Wegen der Unsicherheit im Handelsstreit zwischen den USA und China sowie gemischt ausgefallener Unternehmensbilanzen nahmen Anleger die Gewinne der gestrigen Rally mit. Der Dax, der in den vergangenen fünf Handelstagen zwei Prozent zugelegt hatte, führte bis zum Wall-Street-Auftakt leichte Verluste. Mit den schwachen US-Börsen bauten die Kurse in Frankfurt weiter ab. Am Ende ging der Deutsche Aktienindex 0,9 Prozent leichter aus dem Handel bei 12.690 Punkten. Der Euro-Stoxx-50 verlor 0,8 Prozent auf 3525 Zähler.

Zwar sei noch nicht absehbar, inwieweit der Streit um US-Zölle Firmen weltweit beeinflusse, sagte Anlagespezialist Alastair George vom Handelshaus Edison Investment Research. Aber die Diskussion sorge für Unklarheit bei Managern und mache strategische Entscheidungen schwerer.

Eine hochrangige US-Handelsdelegation war am Donnerstag in China, um über die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle zu verhandeln. Die Regierung in Peking strebe an, eine „machbare Lösung zu finden, um den laufenden Streit zu beenden“, wie die staatliche China Daily schrieb.


Trump hat China mit Zöllen im Gesamtvolumen von 150 Milliarden Dollar gedroht, die asiatische Wirtschaftsmacht kündigte Vergeltungsmaßnahmen an. China ist bislang am stärksten von den neuen US-Zöllen auf Stahl- und Aluminium-Produkte getroffen. Trump droht aber auch europäischen Firmen.

Der Abwärtstrend verstärkte sich mit dem miesen Wall Street-Handel. Dow und Co. rutschten in ihrem Handelsverlauf kontinuierlich ab. Zum Frankfurter Handelsschluss hatte der Dow Jones anderthalb Prozent verloren, S & P 500 und Nasdaq büßten jeweils 1,3 Prozent ein. Auch in New York hatten Quartalszahlen nicht vollends überzeugen können. Die US-Notenbank Fed nährte am Mittwoch die Erwartungen von Anlegern, dass die Zügel in der Geldpolitik im nächsten Monat gestrafft werden sollen.

An den Leitzinsen änderte sie nichts. Ihrem selbst gesteckten Inflationsziel von zwei Prozent kommt sie mit aktuell 1,9 Prozent schon sehr nahe. Spekuliert wird auf dem Parkett noch, ob die Währungshüter im laufenden drei Zinsschritte – wie auch 2017 – oder vier unternehmen.

Ganz anders die Situation in der Euro-Zone , wo sich die heute bekanntgegebene April-Inflation auf 1,2 Prozent verlangsamte. Damit bleibt der Druck auf die EZB hoch, die langsam ihren Ausstieg aus der ultralockeren Politik vorbereitet.


Der Dollar schwächte sich heute wieder leicht ab, was dem zuletzt unter Druck gekommenen Euro etwas Rückenwind gab. Zeitweise war der Euro am Donnerstag ein halbes Prozent aufgewertet und damit über die 1,20-Dollar-Marke geklettert, doch bis zum europäischen Handelsschluss pendelte sich der Wechselkurs wieder ein.

Der schwache Euro – innerhalb der vergangenen zwei Wochen hatte die Gemeinschaftswährung bis zu 3,5 Prozent verloren – war der Auslöser der gestrigen Dax-Rally. Wegen ihrem Export-Schwerpunkt profitiert vor allem die deutsche Wirtschaft von einer schwachen eigenen Währung, sie verbilligt deutsche Produkte im Ausland.

Experten rechnen aber bereits wieder mit einem Aufwärtstrend der US-Währung. „In Erwartung nächster Zinsschritte nach oben dürfte sich der Dollar in den kommenden Wochen weiter erholen und der im Gegenzug schwächere Euro die Gewinne der exportorientierten Unternehmen aus dem Euroraum und Deutschland aufbessern“, sagte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets.


Adidas und Vonovia trotz Gewinnanstieg im Minus

Im Blick standen neben Zinsentscheid und Euro-Aufwertung auch wieder die laufende Bilanzsaison. Gleich mehrere Dax-Titel öffneten ihre Bücher für das erste Quartal oder luden ihren Aktionäre zur Hauptversammlung. Dabei konnte die erste Frankfurter Börsenreihe die Investoren nur teilweise überzeugen.

Bei den vielen Bilanzen stach Infineon heraus: Der Halbleiterkonzern ist nach einem Gewinnschub etwas optimistischer geworden. Die Aktien führten den Dax am Donnerstag lange Zeit an, verbilligten sich im schwierigen Marktumfeld letztlich um 0,4 Prozent. Schon gestern waren die Papiere der Bayern gefragtester Titel im Dax, nachdem Apple – Kunde mit Signalwirkung – bessere Zahlen als erwartet präsentiert hatte.

Bei Adidas traten die Anleger trotz starker Zahlen den Rückzug an: Die Papiere des Sportartikel-Herstellers verbilligten sich mit knapp sieben Prozent deutlich – der mit Abstand schlechteste Wert im Dax. Das Unternehmen steigerte den Gewinn im ersten Quartal um 17 Prozent auf 542 Millionen Euro. Damit habe Adidas die Markterwartungen übertroffen, schrieb Analyst Volker Bosse von der Baader Helvea Bank.


„Enttäuschend ist aber, dass Adidas den Ausblick nach diesen Hammer-Zahlen nur bekräftigt hat“, betonte ein anderer Börsianer. Außerdem mache eine mögliche Trennung von Kanye West Investoren nervös. „Schließlich hat er nicht unerheblich zu den guten Umsätzen bei Schuhen beigetragen.“

Auch bei Vonovia konnte der Gewinnanstieg die Aktionäre nicht vollends überzeugen. Denn die finanziellen Belastungen durch die anhaltende Einkaufstour stoßen den Anlegern des Wohnungskonzerns sauer auf. Die Aktien verloren 2,6 Prozent. Nach zwei Übernahmen in Österreich und einer strategischen Partnerschaft in Frankreich greift der Konzern nun nach dem schwedischen Immobilienunternehmen Victoria Park. Finanziert wird die 900 Millionen schwere Übernahme zunächst mit Krediten, später will Vonovia aber rund eine Milliarde Euro an Eigenkapital aufnehmen.

„Die Kapitalmaßnahme lastet auf den Aktien, obwohl der Zeitpunkt noch nicht feststeht“, sagte ein Börsianer. Das Unternehmen signalisiere weiterhin Interesse an einer europaweiten Expansion, hieß es bei Morgan Stanley. Eine positive Überraschung lieferte die angehobene Jahresprognose. „Vonovia ist gut positioniert, um von der anhaltenden Stärke im deutschen Markt zu profitieren“, sagten die Analysten von Morgan Stanley.


Der Gesundheitskonzern Fresenius und dessen Tochter Fresenius Medical Care (FMC) litten im ersten Quartal wie erwartet unter Wechselkurseffekten. FMC machten zudem Änderungen im US-Gesundheitssystem zu schaffen, so dass diese Aktie nach kräftigen Kursgewinnen am Vortag nun 3,9 Prozent einbüßte. Fresenius hielten sich mit minus ein Prozent besser.

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