Dax ohne Rückenwind

Der deutsche Leitindex schleppt sich am Donnerstag mit leichten Verlusten durch den Mittagshandel. Mangelnde Impulse beenden die Hausse. Die Zinserhöhung der britischen Zentralbank kann die Anleger nicht schocken.


Die Feiertagsstimmung auf dem Frankfurter Parkett dauert nicht an: Der Dax notiert im Vormittagshandel mit 0,2 Prozent leicht im Minus. An Allerheiligen hatte er bei hohem Umsatz 1,8 Prozent auf 13.465 Punkte zugelegt und damit so hoch wie noch nie in seiner fast 30-jährigen Geschichte geschlossen. Die zweite Frankfurter Reihe, der MDax, legte am Donnerstag um 0,1 Prozent zu. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,2 Prozent.

„Nach der imposanten Rally mangelt es an neuen Impulsen“, meinte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Erste Investoren gingen auf Nummer sicher und strichen einen Teil ihrer Gewinne ein. Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets gab sich dennoch optimistisch: „Das Umfeld für deutsche Aktien stimmt und es kann jetzt sehr schnell weiter nach oben gehen: Schwacher Euro, starke Gewinnentwicklung bei den Unternehmen und ein weltweiter Aufschwung, dem die Zentralbanken wegen der Angst um noch immer zu tiefe Inflationsraten nicht wirklich im Wege stehen“.


Umso gespannter blickten Anleger am Donnerstag auf den Zinsentscheid der Bank of England (BoE): In Großbritannien steigen erstmals seit zehn Jahren die Zinsen. Die BoE entschied am Donnerstag, den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geldinstitute um einen Viertelpunkt auf 0,5 Prozent anzuheben. Die Entscheidung fiel mit sieben zu zwei Stimmen. Die BoE hatte den Leitzins im August 2016 nach dem Brexit-Schock auf das historisch niedrige Niveau von 0,25 Prozent gesenkt

Für David McNamara von Davy Research kommt es jetzt auf den Blick nach vorn an: Die Zinserhöhung sei eine „ausgemachte Sache“ gewesen. Mit einer weiteren Zinserhöhung werde an den Finanzmärkten aktuell für 2018 gerechnet. Höhere Zinsen sind tendenziell schlecht für Aktien. Sie verteuern die Refinanzierung der Unternehmen und machen zugleich Anleihen im Verhältnis zu Aktien attraktiver.


Auch in Übersee steht eine zinspolitisch wichtige Entscheidung aus: Am Abend will US-Präsident Donald Trump bekanntgeben, wer die amerikanische Notenbank (Fed) künftig leiten soll. Insidern zufolge hat der einzige Republikaner im Fed-Direktorium, Jerome Powell, die besten Karten.

Von dem 64-Jährigen wird eine Fortsetzung von Janet Yellens Kurs der behutsamen Zinserhöhungen erwartet. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank meint, dass Powell in Sachen Regulierung aber als flexibler gelte. „Auch das könnte Trump zur Nominierung bewogen haben, immerhin hatte er im Wahlkampf versprochen, den Finanzsektor zu deregulieren.“


Fresenius enttäuscht – Hugo Boss begeistert


Auf Unternehmensseite geht derweil die Bilanzsaison weiter. Enttäuscht waren die Börsianer von Fresenius und FMC. Fresenius-Papiere verloren zwischenzeitlich 1 Prozent, FMC 0,84 Prozent. Bei Fresenius blieb der operative Gewinn im dritten Quartal etwas hinter der Prognose zurück. Beim Dialyseanbieter FMC erfüllten die Ergebnisse knapp die Erwartungen.

Gänzlich überzeugen konnte die Anleger hingegen Hugo Boss. Der Konzern lockte im vergangenen Quartal mehr Kunden in seine Geschäfte. Die Aktien des Modehauses notierten im Mittagshandel ganze 5,6 Prozent fester. Auch Elektronikriese Apple legt am Donnerstag Zahlen für das vierte Quartal vor. Anleger setzten im Vorfeld der Bilanz auf hohe Verkaufszahlen des neuen iPhones. Eine Sprecherin des Konzerns hatte zuvor gesagt, dass die Vorbestellungen für das iPhone X „durch die Decke“ gingen.


An der Dax-Spitze standen am Mittag – mit einem Plus von 1,8 Prozent – Titel der Deutschen Bank. Telekom-Papiere legten um 0,6 Prozent zu und trotzten damit den Spekulationen um die gescheiterten Fusionsbemühungen der US-Tochter T-Mobile US.

Im Kleinwertesegment SDax waren die Scheine des Fußballclubs Borussia Dortmund (BVB) die größten Verlierer. Nach einem enttäuschenden Unentschieden in der Fußball-Königsklasse Champions League haben Anleger BVB-Aktien aus ihren Depots geworfen. Die Papiere sackten am Donnerstag um 4,5 Prozent auf ein Zwei-Monats-Tief ab

Auch ein Neuzugang wurde am Donnerstag an der Deutschen Börse begrüßt: Der Lebensmittel-Lieferdienst Hellofresh feierte sein Aktienmarktdebüt. Die am Vorabend zu 10,25 Euro je Aktie ausgegebenen Papiere nahmen den Handel mit einem Kurs von 10,60 Euro auf und stiegen im Mittagshandel auf 10,88 Euro.

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