Gewerkschaft NGG fordert harte gesetzliche Regelungen für Fleischindustrie

Bei Westfleisch in Dissen wurden 92 Beschäftigte positiv getestet

Angesichts der gehäuften Corona-Fälle in deutschen Schlachthofbetrieben hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) harte gesetzliche Regelungen für die gesamte Fleischbranche gefordert. "Die Fleischbranche hat sich einer Selbstverpflichtung unterworfen, einem Kodex, und alles hat nichts genützt", sagte NGG-Vize-Chef Freddie Adjan am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin". "Es müssen jetzt gesetzliche Regelungen her, und zwar für die komplette Fleischbranche."

Adjan sprach von "unmenschlichen Zuständen" in den Schlachthöfen. Angesichts der Arbeitsbedingungen und der Unterbringung der Beschäftigten sei es nur "eine Frage der Zeit" gewesen, "bis diese Pandemie dort durchschlägt". Die Kontrollen müssten deutlich verschärft werden.

Er forderte, die Arbeiter in der Fleischindustrie direkt bei den Schlachthöfen und nicht bei Subunternehmern anzustellen. Das "Krebsgeschwür" der Werkverträge müsse entfernt werden. Zudem forderte er normale Mietpreise statt Wucherpreisen bei der Unterbringung der Beschäftigten.

Argumente der Fleischlobby wie Abwanderung, Arbeitsplatzverluste und steigende Preise lasse er nicht gelten, sagte Adjan. "Fleisch ist in Deutschland so billig wie fast nirgendwo in Europa", sagte er.

In den vergangenen Wochen hatte es in mehreren Schlachtbetrieben Corona-Ausbrüche gegeben. Das Corona-Kabinett berät am Vormittag über die Missstände in der Fleischindustrie. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will Werkverträge für die Branche weitgehend verbieten. Dagegen wehrt sich der Wirtschaftszweig.