Haftstrafen: Kölner Richter nennt Chlodwigplatz-Schläger „lächerliche Witzfigur“

Zwei Männer stehen vor dem Landgericht in Köln. Das Urteil wird am Montag erwartet.

Zuerst bedrohten und beraubten sie in einem Bus der Linie 132 zwei Sportstudenten, dann griffen sie am Chlodwigplatz so brutal wie wahllos eine junge Frau, ihren Vater und ihren damaligen Freund an – am Montag sind Hamed G. (24) und Tarik D. (17, Namen geändert) vom Landgericht zu Freiheitsstrafen verurteilt worden.

Die 15. Große Strafkammer unter Vorsitz von Jan F. Orth verhängte gegen den Älteren, der alkoholsüchtig ist, wegen schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung viereinhalb Jahre Haft und ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Der Jüngere soll nach Jugendstrafrecht für drei Jahre ins Gefängnis. An den Taten Anfang März dieses Jahres war ein gesondert verfolgter Dritter beteiligt.

Ein Opfer erlitt Schädel-Hirn-Trauma und Schädelbruch

Besonders der Angriff am Chlodwigplatz verlange eine „krasse und harte Reaktion der Rechtsordnung“, sagte Orth. Ohne jeden Anlass angegriffen zu werden, „das geht in unserer Stadt überhaupt nicht“. Am schwersten verletzt worden war der 48-jährige Lebensgefährte der Frau. Die Täter hätten ihn buchstäblich „weggetreten aus dem Leben“, und um ein Haar wäre er gestorben. Er trug ein Schädel-Hirn-Trauma und einen Schädelbruch davon; bis heute ist ein Sehnerv so gequetscht, dass er doppelt sieht, nicht Auto fahren darf und nur eingeschränkt seiner Arbeit nachgehen kann.

Seinem Antrag folgend, den er als Nebenkläger gestellt hatte, verurteilte die Kammer Hamed G. zusätzlich zur Zahlung von 10 000 Euro Schmerzensgeld. Im Fall von Tarik D. ist das nicht möglich, weil das Jugendstrafrecht dies nicht vorsieht. Die junge Frau, die versucht hatte, die Täter zu beschwichtigen und dafür Schläge einstecken musste, kam am glimpflichsten davon, ist aber wie ihr ehemaliger Freund bis heute psychisch belastet. Ihr Vater erlitt eine Kopfplatzwunde, Rippenprellungen und verlor zwei Schneidezähne.

Trunkenheit verminderte Schuldfähigkeit

Gegen Hamed G., der die Taten unter laufender Bewährung verübt hat, sprachen in den Augen der Richter seine, wie Orth sagte, „erheblichen und einschlägigen Vorstrafen“. Andererseits hielt die Kammer ihm zugute, er sei so stark betrunken gewesen, dass verminderte Schuldfähigkeit nicht auszuschließen sei. Und sein Geständnis sei „von Reue und Bedauern getragen“ gewesen. Bekomme er sich jetzt nicht in den Griff, verspiele er seine „letzte Chance“, fuhr Ort fort, und müsse „mit härteren Sanktionen des Rechtsstaats rechnen.“

Sein Kumpel Tarik D. sei zwar „kein durch und durch schlechter Kerl“, aber etwa ein halbes Jahr vor der Tat auf die schiefe Bahn geraten, habe häufig die Schule geschwänzt und sei in die falschen Kreise geraten. Als Hobbyboxer habe er wissen müssen, was der „gezielte Einsatz körperlicher Gewalt anrichten“ könne. Er habe „Entwicklungs- und Charakterdefizite“, und ihm mangele es an „Empathiefähigkeit“. Vor Gericht habe er sich „wie eine lächerliche Witzfigur verhalten“, Verantwortung nur widerwillig übernommen und sein „Bedauern kaum glaubhaft vorgetragen“.

„Entgegen der Hoffnung des Richters“ werde das Urteil wohl „nicht zum gewünschten Erfolg führen“, sagte der Nebenkläger nach dem Prozess, denn: „Resozialisierung ist nur da möglich, wo es vorher Sozialisierung gab.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta