„Getrieben von Gier und Angst“: EU-Wettbewerbskommissarin vergleicht deutsches Autokartell mit Googles illegalen Praktiken

Marcel Bohnensteffen
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„Getrieben von Gier und Angst“: EU-Wettbewerbskommissarin vergleicht deutsches Autokartell mit Googles illegalen Praktiken

Volkswagen, Daimler, BMW, Audi und Porsche müssen in der Dieselaffäre mit drastischen Konsequenzen rechnen. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte zu Business Insider Deutschland: „Sollte sich der Verdacht gegen die deutschen Autohersteller gerichtlich bestätigen, drohen ihnen sehr hohe Geldstrafen.“

Die fünf Autohersteller sollen über Jahre hinweg ein Kartell betrieben haben, bei dem es in großem Stil zu verbotenen Absprachen gekommen sein soll, unter anderem bei Abgaswerten von Verbrennungsmotoren. Daimler und VW haben in dieser Sache Selbstanzeige gestellt.

„Ich sehe keinen großen Unterschied“

Vestager betonte zwar, es sei noch zu früh, „über das Ausmaß möglicher Sanktionen und einen Entscheidungszeitpunkt der EU-Kommission zu spekulieren“. Die Wettbewerbshüterin stellte den Fall jedoch auf eine Stufe mit den Kartellvergehen von Google und Facebook. „Ich sehe keinen großen Unterschied zwischen den Geschäftspraktiken amerikanischer Tech-Unternehmen und denen deutscher Autohersteller“, sagte sie Business Insider. „Wenn Firmen illegale Handlungen begehen, werden sie dabei meist von Gier oder von Angst getrieben.“

Vestager gilt als Verfechterin von freiem und fairem Wettbewerb. Dafür scheut sie auch nicht den Kampf mit global operierenden Unternehmen. Zuletzt bekam das Google zu spüren. Der Suchmaschinengigant soll seine Marktmacht missbraucht haben, um Millionen Kunden auf seine Preisvergleichsplattform Google Shopping zu lenken. Die EU-Kommission sprach dafür jüngst 2,42 Milliarden Euro Strafe aus. Das höchste Bußgeld, das Brüssel je gegen einen Konzern verhängt hat. Vestager war die treibende Kraft in dem Verfahren.

Eine Frau gegen Google

„Google bevorzugt bei der Anzeige bestimmter Suchergebnisse seinen eigenen Preisvergleichsdienst“, sagte Vestager. „Es geht um die Frage, ob Google-Konkurrenten überhaupt ausreichend sichtbar bei den Suchergebnissen sind. Wir glauben, dass das nicht der Fall ist. Die wenigsten schauen sich bei Google die vierte Seite der Trefferliste an.“

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