Getrübte Meisterparty: Robben fordert DFL zum Handeln auf

Martin Volkmar, Florian Plettenberg, Stefan Kumberger
Arjen Robben hätte die Meisterschaft des FC Bayern München gerne früher gefeiert

Eigentlich war alles bereitet für eine rauschende Meisterfeier.

Die Sonne strahlte vom Himmel, die Legenden der ruhmreichen Vereinsgeschichte wie Franz Beckenbauer, Xabi Alonso, Miroslav Klose, Michael Ballack oder Sepp Maier standen zum Jubelspalier bereit.

Doch dann schenkte der VfB Stuttgart  dem FC Bayern die höchste Heimniederlage seit dem 0:3 gegen Borussia Dortmund vor vier Jahren ein und trübte die Freude über den 28. Meistertitel doch erheblich.

"Wir haben durch die Bank nicht die Mentalität auf den Platz gebracht, die uns zu dieser Meisterschaft gebracht hat. Das war eines Deutschen Meisters nicht würdig und ist ein Weckruf für die nächste Woche", gab Kapitän Thomas Müller zu.

Und Niklas Süle erklärte drastisch: "Wir haben scheiße gespielt, auch ich."

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Weißbierduschen bei Bayern als Pflichtprogramm

Dementsprechend wirkte die anschließende Party auf dem Rasen nach der sechsten Meisterschaft in Folge mehr routiniert als überschwänglich, die Weißbierduschen eher wie ein Pflichtprogramm.

Arjen Robben, zum siebten Mal mit den Münchnern Meister, wollte diesem Eindruck gar nicht widersprechen.


"Ich finde, man muss dann sofort feiern, wenn man die Meisterschaft gewinnt - mit Schale und allem. Also nach unserem Sieg in Augsburg. So macht man es auch in den Niederlanden", forderte der Routinier.

"Denn dann ist es noch spontan, dann ist man überglücklich. Jetzt sieht man, dass es nicht mehr spontan ist und das finde ich schade. Das muss man ändern und das ist vielleicht auch eine Botschaft an die DFL."

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Heynckes macht sich aus dem Staub

Auch der eigentliche Mann des Tages konnte mit den traditionellen Ritualen auf dem Rasen nichts anfangen: Jupp Heynckes machte sich kurz nach der Übergabe der Schale durch das DFL-Führungsduo Reinhard Rauball und Christian Seifert um 17.39 Uhr aus dem Staub.

"Ich denke, dass die Aktion Bierdusche überholt ist. Daher habe ich schon vor dem Spiel überlegt, möglichst schnell in die Kabine zu gehen. Für mich war das nicht angesagt heute", erklärte der 73-Jährige.


Die Niederlage gegen die starken Stuttgarter, die bei einem Pokalerfolg der Bayern sogar für die Europa League qualifiziert wären, vermieste Heynckes den perfekten Abschied. Und das ausgerechnet nach der bejubelten Verabschiedung vor Spielbeginn und in seinem 1038. Bundesligaspiel als Trainer und Spieler, mit dem er Otto Rehhagel als Rekordhalter überholte.

Doch der Erfolgscoach vermied allzu harte Kritik an seiner Mannschaft und verwies auf die bis Samstag überragenden Leistungen seit seiner Amtsübernahme im Oktober.

"Das Ergebnis hat nicht das weggewischt, was wir in der gesamten Saison geleistet haben. Solche Tage gibt es", meinte er.

"Da muss man den Mund abputzen, die Niederlage verdauen und sich ab Dienstag optimal auf Pokalfinale vorbereiten. Und ich gehe davon aus, dass man in Berlin eine andere Bayern-Mannschaft sieht als heute."

Spieler geloben Besserung im Pokalfinale

Seine Spieler jedenfalls zeigten sich einsichtig und gelobten Besserung. "Heute war es eine ärgerliche Niederlage. Wir wollten ein gutes Spiel machen, auch für den Trainer", sagte Sven Ulreich: "Ich denke schon, dass es vergessen sein wird, wenn wir gegen Frankfurt den Pokal holen. Aber dazu brauchen wir eine andere Leistung."

Und Mats Hummels, der sich kurz vor Schluss am Fuß verletzte, erklärte die schwächste Saisonleistung mit den anhaltenden Nachwehen des bitteren Champions-League-Aus gegen Real Madrid.

"Man hat die ganze Woche gemerkt, dass es nicht einfach war, auf Touren zu kommen. Diese Ballverluste hatten wir nicht erst heute, sondern die haben sich durch die Trainingswoche gezogen", sagte der Nationalspieler.


"Aber ich bin mir sicher, dass es ab Dienstag wieder ziemlich einfach sein wird, sich fürs Pokalfinale zu motivieren. Natürlich werden wir da ein anderes Gesicht zeigen."

Ansonsten könnte tatsächlich die nächste Pleite drohen. Aber davon geht in München niemand aus. Schließlich will man es am Tag nach dem Finale nochmal richtig krachen lassen – mit den Fans am Marienplatz.

Zunächst ging es allerdings am Samstagabend zur Meisterparty ins Paulaner am Nockherberg. "Es war nicht unser bester Tag, aber wir lassen uns davon nicht die Feier verderben", kündigte Müller an.

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