Geteilte Stadt: Nikosia vor der Stichwahl in Zypern

Es ist eine der letzten geteilten Hauptstädte der Welt, und das, seit nun über 40 Jahren: Nikosia. Die Stadt liegt auf Zypern genau zwischen dem griechisch geprägten Südteil und dem türkisch besetzten Norden der Insel.

Vor der am Sonntag stattfindenden Präsidenten-Stichwahl hat das Spaltungs-Thema neben Wirtschaftsfragen den Wahlkampf beherrscht. In der Republik Zypern zeigt man sich bereit, um die Wiedervereinigung voranzubringen .

Auch diejenigen, die nach der Besetzung des Nordteils durch die Türkei im Jahre 1974 geboren sind, machen sich heute Gedanken.

"Für mich wäre die Lösung, dass der türkische Eroberer geht und die türkischen Zyprer bleiben", sagt ein griechisch-zyprischer Einwohner in Nikosia. "Diese sollten dann ihre Grundstücke und das Land, das ihnen gehört, behalten. Aber leider haben wir Politiker, die ihre politische Karriere dem Zypern-Streit verdanken."

Zahlreiche Anläufe, die Zypernfrage zu lösen, sind bisher gescheitert. Der politische Journalist George Kaskanis verfolgt alle Phasen der Verhandlungen. Für ihn könnten sich die beiden Kandidaten der Stichwahl - der konservative Amtsinhaber Nicos Anastasiades und sein linker Kontrahent Stavros Malas - nach der Wahl für eine Lösung der Zypernfrage einsetzen. Besonders optimistisch ist er aber nicht.

"Ich denke nicht, dass es nach der Wahl einen besonders großen Impuls geben wird", meint Kaskanis. "Vieles ist auch davon abhängig, wie das Ergebnis in der Türkei ankommen wird. Wir sollten nicht vergessen, dass sich das Land in einer Wahlperiode befindet. Präsident Erdogan wird wahrscheinlich die extremsten Teile an Bord haben wollen, also wird er nichts Besonderes für die Zypernfrage tun."

Aus Nikosia für Euronews, Efi Koutsokosta:

"Die politische Debatte wurde einige Tage vor der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen durch den türkisch-zypriotischen politischen Anführer, Mustafa Akinci, angefacht. Dieser sagte, dass die Karte der türkisch-zyprischen Seite über die umstrittenen Gebiete nicht mehr auf dem Verhandlungstisch liegt. Dies bedeutet, dass selbst wenn die Verhandlungen nach der Wahl wiederaufgenommen werden, es sehr schwer sein wird, sie von demselben Punkt aus wiederaufzunehmen."