Gesungene Geschichten: Kölsche Krätzjen bekommen ein eigenes Festival

Beim ersten „Kölner Krätzjer-Fest“ gibt es Konzerte, Stadtführungen und Events.

Als Gegenstück zu Ballermann-Veranstaltungen und Party-Karneval sind in den vergangen Jahren die kölschen Krätzjen wieder in Mode gekommen. Inzwischen setzten vielen Bands und Einzelsänger auf solche Lieder, die nicht gleich auf die Zwölf gehen, sondern in denen kleine Geschichten erzählt werden. Daher wurde es nun anscheinend Zeit, den Krätzjen – den altüberlieferten wie den neuen – ein eigenes Festival zu widmen.

Organisiert von Musiker Jörg P. Weber und Autor Helmut Frangenberg – der Redakteur beim „Kölner Stadt-Anzeiger“ engagiert sich auch in der „Loss mer singe“- Initiative und ist Organisator der Karnevals-Reihe „Jeckespill“ – gibt es beim „Erste Kölner Krätzjer-Fest“ eine Woche lang Konzerte, Stadtführungen und andere Veranstaltungen rund um die kölsche Liedkultur jenseits des Karnevals. „Bei insgesamt 15 Veranstaltungen in der Kölner Altstadt – in Kneipen, dem kleinen Saal des Gürzenichs, im Domforum und auf der MS Loreley der KD – sind mehr als 25 Sänger und Bands mit dabei“, sagt Weber, der beim Festival zudem sein neues Album „Irjendeiner fingk et schön“ vorstellen will.

„Bekannte treffen auf Unbekannte, Etablierte auf neue Exponenten dieser besonderen, typisch kölnischen Musikkultur.“ Dabei wollen die Macher den Krätzjen-Begriff nicht allzu eng fassen. „In der ursprünglichen Bedeutung geht es ums Geschichtenerzählen“, sagt Frangenberg. „Es geht also um Texte jenseits der karnevalistischen Selbstbeweihräucherung und dem Absingen von Hymnen auf Dom, Rhing und Sunnesching.“

Nicht an Musikstil gebunden

Die Krätzjen seien somit nicht an einen bestimmten Musikstil gebunden. Die Musiker, die zur Vorstellung des Festival-Programms ins Haxenhaus gekommen waren, hatten sich dann auch schnell auf einen gemeinsamen Nenner geeinigt. Vor dem Eingang des Brauhauses sang man auf dem Kopfsteinpflaster des Buttermarkts in der Gasse das Lied von der „Kayjass Nummer Null“ – mit allen Strophen.

Die Künstlerschar ist bunt gemischt. Der Jüngste ist Yannick Weingartz (21), Sänger der Band Lupo, die älteste ist Jutta Gersten (86) mit ihrem Akkordeon.

Dazu machen Philipp Oebel und Thomas Cüpper, Chanson-Sängerin Gaby Koof und Ex-Puppenspieler Walter Oepen, der frühere Fööss-Sänger Kafi Biermann, das türkische Trio Kent Coda und andere mit. Zwei Duos, die schon seit Jahren die Krätzjen-Tradition pflegen – Gerd Köster&Frank Hocker sowie Fuhrmann&Kulik – sind beim Festival allerdings diesmal nicht dabei, da sie zeitgleich in Porz in dem „Kölsch Miljö“-Programm auftreten. Vielleicht dann im nächsten Jahr, denn das Festival ist auf Dauer angelegt.

„Es zeigt auch, dass die Altstadt mehr zu bieten hat als Junggesellen-Abschiede. Wir brauchen das traditionelle Köln“, sagt Hans Linnartz von der IG Altstadt, die das Festival genauso unterstützt wie die Akademie för uns kölsche Sproch, Loss mer singe, das Festkomitee Kölner Karneval und die Musiker-Initiative Humba Efau sowie die Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums. Denn da sind sich alle einig: „Das Krätzjen lebt. Und ist auch etwas für die Zukunft.“

Das erste Kölner Krätzjer-Fest findet vom 9. bis 15. Oktober statt. Die meisten Veranstaltungen kosten Eintritt (11 bis 28 Euro), andere sind „ömesöns“. Programm und Karten sind im Internet erhältlich. Mehr Infos unter www.kölnerkrätzjerfest.de. ...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta