Vergifteter Doppelagent Skripal laut Ärzten außer Lebengefahr

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Skripal 2006 vor einem Moskauer Militärgericht

Einen Monat nach dem Giftanschlag von Salisbury ist der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal außer Lebensgefahr und befindet sich auf dem Wege der Besserung

Einen Monat nach dem Giftanschlag von Salisbury ist der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal außer Lebensgefahr und befindet sich auf dem Wege der Besserung. Skripals Gesundheitszustand "verbessert sich rasch", erklärte das behandelnde Krankenhaus im britischen Salisbury am Freitag. Der Ton zwischen Russland und Großbritannien im Streit um die Verantwortung für den Anschlag verschärfte sich unterdessen weiter.

Skripal spreche gut auf die medizinische Behandlung an, sagte Krankenhausdirektorin Christine Blanshard. Er befinde sich nicht mehr in Lebensgefahr. Seine Tochter Julia werde "mit jedem Tag stärker" und könne sich "auf den Tag freuen, an dem es ihr gut genug geht um das Krankenhaus zu verlassen", sagte Blanshard. Es war die erste offizielle Erklärung zu Skripals Zustand, seit der Ex-Agent und seine Tochter am 4. März zusammengesunken auf einer Bank vor einem Einkaufszentrum in Salisbury entdeckt worden waren.

Die britischen Behörden gehen davon aus, dass bei der Tat ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion eingesetzt wurde. London vermutet die russische Regierung hinter dem Anschlag. Moskau weist jede Verantwortung zurück.

Der Fall hat eine schwere diplomatische Krise zwischen Russland und Großbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten ausgelöst. Viele westliche Staaten wiesen russische Diplomaten aus, worauf Russland ebenfalls mit Ausweisungen reagierte.

Bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats warf der russische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Wassili Nebensia, London vor, einen "Propaganda-Krieg" vom Zaun zu brechen. "Hätten Sie keine bessere erfundene Geschichte präsentieren können?", höhnte er. Die Briten spielten mit dem Feuer und würden ihr Vorgehen noch bereuen, warnte er am Donnerstagabend (Ortszeit).

Moskau wies einen Bericht der britischen "Times" zurück, wonach das bei dem Anschlag verwendete Nervengift aus einer Forschungseinrichtung in der Stadt Schichani südöstlich von Moskau stammte. "Dieses Labor war nie Teil unserer Arbeit", sagte Michail Babitsch, Kremlgesandter im Föderationskreis Wolga, am Freitag der Nachrichtenagentur Interfax. Die Standorte, an denen chemische Waffen gelagert wurden, seien "wohlbekannt", erklärte Babitsch. Schichani gehöre nicht dazu.

Schichani ist Teil eines Netzwerks sogenannter geschlossener Städte, in denen während der Sowjetära geheime Militärbauten und Forschungseinrichtungen untergebracht waren. Heute befindet sich dort ein Standort des staatlichen Forschungsinstituts für organische Chemie und Technologie.

Mehrere russische Wissenschaftler hatten erklärt, Nowitschok sei in Schichani entwickelt worden. Ein Wissenschaftler berichtete, er habe 27 Jahre in Schichani gearbeitet und dort seine Doktorarbeit über die Entwicklung von Nowitschok geschrieben.

Nach Angaben des Forschungsinstituts wird dort heute an der Zerstörung chemischer Waffen und an der "Wahrung der Sicherheit" des Landes gearbeitet. Im September 2017 hatte der russische Präsident Wladimir Putin versichert, Moskau habe seine letzten chemischen Waffen zerstört.

Der britische Botschafter in Deutschland, Sebastian Wood, sagte dem Deutschlandfunk nach Erkenntnissen des britischen Geheimdienstes habe die russische Regierung nach dem Ende der Sowjetunion ein geheimes Programm zum Nervengas Nowitschok beibehalten. Es sei dabei auch geforscht worden, wie kleine Mengen verabreicht werden könnten um Menschen zu töten. Es sei höchst wahrscheinlich, dass der Anschlag auf Skripal im Auftrag des russischen Staates geschehen sei.