Corona-Impfungen in Deutschland beginnen voraussichtlich direkt nach Weihnachten

·Lesedauer: 3 Min.
Die EU-Behörde EMA entscheidet am Montag über das Biontech-Pfizer-Vakzin

Lichtblick inmitten des harten Lockdowns: Voraussichtlich direkt nach Weihnachten werden in Deutschland die Corona-Impfungen starten. Dies geht aus Angaben der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit vom Mittwochabend hervor. Laut "Bild"-Zeitung wollen die Bundesländer die zu der Impfung bevorzugt berechtigten Bürger unmittelbar nach der für Montag erwarteten Zulassung des Vakzins der Firmen Biontech und Pfizer teilweise direkt anschreiben.

Nach den Angaben der Berliner Gesundheitsverwaltung informierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bereits die Gesundheitsministerkonferenz der Länder über die erwartete Zulassung und Lieferung des Impfstoffs. Für die Bundesländer ergebe sich daraus der 27. Dezember als Starttermin. Insbesondere solle mit den Impfungen in Pflegeheimen begonnen werden.

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA will am Montag ihre Entscheidung über das Biontech-Pfizer-Vakzin fällen. Es wird mit einem positiven Entscheid gerechnet. In mehreren Ländern - darunter den USA, Kanada und Großbritannien - ist das Vakzin bereits zugelassen.

In einem ersten Schritt nach der Zulassung könnten laut Spahn rund 400.000 Impfdosen in Deutschland ausgeliefert werden. Bis Ende des ersten Quartals rechnet der Gesundheitsminister mit elf bis 13 Millionen Impfdosen.

Deutschland hat über die EU 100 Millionen Dosen des Biontech-Pfizer-Vakzins bestellt, will dies aber möglicherweise aufstocken. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Spahn und Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) wollen am Donnerstag (11.00 Uhr) per Video mit den Biontech-Gründern Ugur Sahin und Özlem Türeci beraten.

Am Freitag will Spahn auf Grundlage der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert-Koch-Institut eine Verordnung zur Priorisierung von Bevölkerungs- und Berufsgruppen bei den Impfungen vorlegen. Direkt nach der Zulassung sollen dann bevorzugt Impfberechtigte von den Bundesländern dazu eingeladen werden, einen Termin in einem Impfzentrum zu vereinbaren, wie "Bild" unter Berufung auf Angaben aus Gesundheitsministerien und -behörden einzelner Länder berichtete.

Demnach sollen etwa Impfberechtigte in Niedersachsen einen Brief mit einem QR-Code zum Scannen mit dem Handy erhalten, der zur Impfteilnahme berechtigt. In Hamburg sollen der Zeitung zufolge ebenfalls postalisch Kennnummern zur Vorlage im Impfzentrum verschickt werden. Bayern, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern wollen demnach Betroffene ebenfalls teils per Post über ihre Impfberechtigung informieren. Ferner gebe es Planungen, Impftermine per Telefon-Hotlines und auf Websites zu vergeben.

Bundesweit ist seit Mittwoch ein neuer harter Lockdown in Kraft. Ein Großteil der Geschäfte bleibt geschlossen. Auch die Schulen machten weitgehend dicht, in Kitas gibt es nur noch Notbetreuung. Die Maßnahmen sind vorerst bis zum 10. Januar befristet. Voraussichtlich am 5. Januar wollen Bund und Länder darüber beraten, ob die rigorosen Restriktionen möglicherweise verlängert werden.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) plädierte dafür, bei der künftigen Lockerung der Corona-Maßnahmen auf Impfverweigerer keine Rücksicht zu nehmen. "Wer sich bei breiter Verfügbarkeit eines Impfstoffes nicht impfen lassen will, muss dann auch mit dem Risiko leben, an Covid-19 zu erkranken oder gar daran zu sterben", sagte KBV-Chef Andreas Gassen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Es könne nicht sein, "dass der Rest der Gesellschaft dauerhaft auf Impfverweigerer Rücksicht nehmen muss", betonte der KBV-Vorsitzende. Deshalb sollten nach seiner Ansicht die Corona-Schutzmaßnahmen aufgehoben werden, nachdem alle impfbereiten Menschen eine Impfung erhalten haben.

Bundesweit wurden zuletzt innerhalb eines Tages 26.923 Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstagmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte. Der Rekordwert liegt bei 29.875 Neuansteckungen und war am vergangenen Freitag registriert worden. Die Zahl der Corona-Todesfälle stieg nach den jüngsten RKI-Angaben um 698 auf insgesamt 24.125.

dja