Gespräch: Ein bisschen mehr Respekt und eine Kneipe

Eines stand ziemlich schnell fest - viele Menschen leben gern in ihrem Heimat-Stadtteil Chorweiler und im gleichnamigen Bezirk. Auch wenn es dort das ein oder andere Problem gibt. Für mehrere Stunden hatte ein Team des "Kölner Stadt-Anzeiger" seinen Stand auf dem Wochenmarkt am Liverpooler Platz aufgebaut und suchte das Gespräch mit Passanten. "Wie gefällt es Ihnen in Ihrem Veedel? Was läuft gut, was nicht? Was muss sich verändern?", lauteten die Fragen, die die Mitarbeiter der Stadtteil-Redaktion den Marktbesuchern stellten.

Kristiane Bölke lebt nun in Seeberg - davor aber hat sie 40 Jahre in Chorweiler gewohnt. Sie ärgert sich über das ihrer Meinung nach schlechte Image, das am Viertel haftet. "Es ist unfair, wie Chorweiler in der Öffentlichkeit behandelt wird", findet die 66-Jährige. "Der Stadtteil wird schlecht geredet. Mir ist hier nie etwas passiert." Nach sechs Jahren Aufenthalt in der Türkei ist sie mit ihrem Mann zurück nach Köln gekommen - und suchte eine Wohnung. "In Chorweiler haben wir nichts Passendes gefunden", sagt sie. Seitdem lebt sie in Seeberg und fühlt sich auch dort wohl. "Hier sind alle Nationen vertreten, und wir kommen wunderbar miteinander aus." Einen Wunsch aber hat sie: "Der Stadtteil Chorweiler braucht eine kölsche Kneipe, einen Treffpunkt."

Auch Serafima Selezneva schätzt ihr Veedel sehr. Seit 18 Jahren wohnt sie in einem der ehemals unter Zwangsverwaltung stehenden Hochhäuser, die sich nun im Besitz der GAG Immobilien AG befinden. "In Chorweiler gibt es so viele Möglichkeiten, beispielsweise zum Einkaufen, in der Freizeit." Allerdings muss es dort ihrer Ansicht nach sauberer und sicherer werden. Sie kennt auch die Lösung: "Wenn wir uns alle respektvoll benehmen, dann wäre alles gut in Chorweiler."

Die parteilose Bezirksvertreterin Lilo Heinrich, die ebenfalls beim Stand des "Kölner Stadt-Anzeiger" vorbeischaut, ärgert sich über den schlechten Zustand des Daches an der S- und Straßenbahnhaltestelle. "Da regnet es rein". Auch die Fensterfront und die Kacheln müssten ihrer Meinung nach gereinigt werden. "Dafür kämpfe ich seit dem Jahr 2004."

Emil, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung gedruckt sehen will, hat ein durchaus zwiespältiges Verhältnis zum Stadtteil Chorweiler. Er selbst lebt seit 40 Jahren in Chorweiler-Nord, "und da ist es sehr ruhig und angenehm, viele Arztpraxen und die Geschäfte im Zentrum sind trotzdem schnell erreichbar", sagt er. Abends jedoch geht er nicht gern ins Zentrum - nicht bloß, weil er inzwischen schlecht zu Fuß ist: Die Atmosphäre empfinde er manchmal als unangenehm.

Die guten Einkaufsmöglichkeiten dort bringt auch ein Besucher aus Longerich zur Sprache, der heute extra nach Chorweiler gekommen ist. Jakob Badem lobt zunächst sein eigenes Viertel, in Longerich sei zum Beispiel der Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr durchaus zufriedenstellend. Aber: "Einkaufen muss ich überwiegend woanders. Bei uns in der Gegend gibt es ja nichts mehr." Der Rewe-Markt an der August-Haas-Straße hatte im Januar 2016 nach fast 30 Jahren seines Bestehens geschlossen, und der geplante Edeka auf dem ehemaligen Tankstellen-Grundstück an der Longericher Straße ist noch nicht eröffnet worden: "Das dauert". Vor allem für ältere Leute, die nicht mehr so schnell von A nach B gelangen, ein Problem.

Ein ganz anderes Ärgernis schildert die 25-jährige Manuela Reinhard aus Lindweiler. Sie ist in dem Stadtteil aufgewachsen, schätzt die Ruhe hier und fühlt sich im Viertel sehr gut aufgehoben. Aber: "Unsere schönen Spielplätze werden oft als Hunde-Fläche missbraucht", schimpft die Mutter zweier Kinder. Dann findet sich Kot im Sand und auf den Wegen - ein Risiko für die Kleinen. Und mancher große Vierbeiner sei unangeleint unterwegs, was auch die Erwachsenen verschreckt.

Ein Ehepaar, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, lebt seit 40 Jahren im beschaulichen Esch. "Dort gibt es nicht viel, deswegen kommen wir zum Einkaufen auf den Chorweiler Wochenmarkt", sagt die Frau. Beide fühlen sich wohl in Esch. "Es ist sehr grün", sagen beide. "Aber die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr muss besser werden." Esch liegt mit Auweiler und Pesch recht isoliert und ist nur per Bus erreichbar. Auch die Taktung sei schlecht - wenn ein Bus zu spät komme, verpasse man gleich auch die Anschlusslinie.

Wunschlos glücklich ist hingegen Anna Abel. Sie lebt seit ebenfalls 40 Jahren in Weiler. "Vom Wohnzimmer aus schaue ich in den Garten, auf eine Pferdekoppel und auf den Wald." Die Anbindung an den Stadtteil mit Bus und Bahn sei gut, die Nachbarschaft fantastisch. "Wir helfen uns gegenseitig", sagt sie. "Es ist wie im Paradies".

Donnerstags und samstags werden die Stände aufgebaut

Schon seit dem Jahr 1973 gibt es einen Wochenmarkt in Chorweiler, zunächst fand er auf dem Pariser Platz statt, inzwischen wurde er auf den Liverpooler Platz verlagert. In der Regel präsentieren hier 55 Händler ihre Waren - im Vergleich mit den anderen Kölner Märkten eine recht große Anzahl. Insgesamt gibt es im Stadtgebiet 66 Wochenmärkte, an 38 Standorten.

Die Stände in Chorweiler werden donnerstags von 7 bis 13 Uhr aufgebaut. Samstags kann sogar noch länger eingekauft werden: von 7 bis 14.30 Uhr. Damit stellt der Markt eine von wenigen Ausnahmen dar, die generelle Öffnungszeit in Köln läuft nur bis 13 Uhr. Samstags überwiegen nach Auskunft des Marktamts diejenigen Händler, die Lebensmittel im Sortiment führen, zudem verkaufen sogenannte Non-Food-Anbieter beispielsweise Textilien, Schuhe und Haushaltsartikel. Donnerstags ist das Verhältnis meistens umgekehrt. (PRe)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta