Gesichtserkennung, künstliche Aussichten und virtuelle Ausflüge – ist dies das Kreuzfahrtschiff der Zukunft?

Ein Muster der „Kreuzfahrtkabine der Zukunft“ von Royal Caribbean, das vergangene Woche in New York vorgestellt wurde – Royal Caribbean International (RCI)

Futuristische Kabinen mit Videowänden, auf denen entspannende Strandszenen und Sternenhimmel gestreamt werden, gehören zu den zahlreichen Funktionen, die Royal Caribbean International (RCI) – das Kreuzfahrtunternehmen, das 2014 das erste „Smarte Schiff“ vorstellte – entwickelt.

Von der NASA inspiriert

Eingelullt vom beruhigenden Wellenrauschen, sanften Regenschauern, ruhigen Gewittern und weiteren Surround-Sound-Optionen – der Entwurf der Kabine der Zukunft, der von RCI vergangene Woche in New York vorgestellt wurde, ist designt, um „ein bisschen Außenwelt nach drinnen zu bringen“, damit die Passagiere sich in ihrer Kabine der Natur näher fühlen.

„Die Idee ist, die Wände weniger statisch erscheinen zu lassen”, sagte ein Sprecher von RCI. „Wir wollten einen Ort kreieren, an dem Menschen den Ausblick aufs Meer und in den Himmel von der Kabine aus genießen können, ohne unbedingt an Deck des Schiffs gehen zu müssen.“

Die Videos können entweder live gestreamt oder aus Archivmaterial zusammengesetzt werden, um die „perfekte” natürliche Umgebung zu schaffen. Ein individueller Wecker mit Sonnenaufgang kann für jeden Passagier angepasst werden – bis zur exakten Farbe des Himmels.

Das höhlenartige Kabinendesign erinnert an ein Raumschiff, was nicht unbedingt Zufall sein muss. Die neuen Kabinen wurden nämlich nach Rücksprache mit NASA entwickelt.

Diese Technologie wurde nach Rücksprache mit der NASA entwickelt. Bild: RCI

„Wir fanden heraus, dass NASAs größte Herausforderung bei den Raumschiffen die gleiche ist wie bei Kabinen von Kreuzfahrtschiffen – das Fehlen einer Umgebung, also visuell gesprochen“, sagte RCI. „NASA fand heraus, dass das, wonach sich die Besatzung am meisten sehnte, Natur war.“

Virtual Reality Essen

Vergangene Woche wurde auch das „hoch-sensorische“ Essens-Erlebnis vorgestellt, das sowohl Augmented als auch Virtual Reality kombiniert. Ähnliche Angebote gibt es bereits an Land, aber RCI behauptet, das wird das erste Erlebnis dieser Art auf hoher See sein.

„Die immersive Erfahrung soll den Geschmack des Essens, das Sie zu sich nehmen, erhöhen“, sagte der Senior Vice President von Digital, Jay Schneider.

Das Essen soll angeblich mit einem Virtual Reality Headset noch besser schmecken. Bild: RCI

Ich habe es in New York ausprobiert. Mit einem High-Tech-Headset auf den Augen und Ohren begann das Erlebnis in einem virtuellen Wohnzimmer eines traditionellen japanischen Hauses. Ein kleiner leuchtender blauer Ball erschien und wir wurden angewiesen, eine Hand zu benutzen, um ihn aufzuheben und zu essen – in Wirklichkeit war dies ein herzhaftes Canapé. Dann wurde ich für einen zweiten Snack (auch wieder in der Form eines leuchtenden Balls) in einen winterlichen japanischen Garten transportiert, voller Vögel, es war wie in einem Anime Comic. Dann wechselte der Hintergrund erneut – zu einem frühlingshaften Garten, bevor er für das Dessert zu einer Nachtszene wechselte – Nachtisch unter dem pulsierenden Glanz der Sterne.

Waren die Aromen intensiver, so wie RCI behauptet? Das ist schwer zu sagen, aber das visuelle Eintauchen in eine andere Welt hat das Ganze definitiv zu einem erinnerungswürdigen Abendessen gemacht.

Gesichtserkennung und virtuelle Ausflüge

Es wurden auch neue praktische Funktionen vorgestellt, die „Probleme und Frustration“ beim Check-in beheben und die Buchung einer Kreuzfahrt leichter als je zuvor machen sollen. Dazu gehört eine Gesichtserkennungs-App, mit der Passagiere ein Foto zur Erkennung von sich selbst machen und dadurch lange Warteschlangen vermeiden können. Einmal an Bord, kann die App auch eingesetzt werden, um Getränke zu bestellen. Diese werden dann dorthin gebracht, wo sich der Passagier befindet.

„Unsere Vision ist es, dass das Erlebnis für unsere Gäste problemlos, personalisiert und unterhaltsam ist“, sagte Herr Schneider, „mit einem Fokus auf die Einsparung von Zeit, sei es durch das Warten in einer Schlange oder auf einen Tisch – also eine Rückbesinnung auf die Gäste durch den Einsatz von Technologie.“

Die App hat auch ein zusätzliches Feature, das Gästen ermöglicht, die Bereiche des Kapitäns virtuell zu erkunden und sie kann auch für virtuelle Küstenerkundungen eingesetzt werden. RCI sagt, es wird eher als „Kostprobe“ funktionieren statt die eigentliche Erfahrung zu ersetzen.

Dafür gibt es eine App. Bild: RCI

Der Wow-Faktor

Das Wow-Band, das um das Handgelenk getragen wird, ist bereits im Einsatz und funktioniert als Brieftasche und Zimmerschlüssel für die Gäste. Es kann auch genutzt werden, um das Licht und die Temperatur in der Kabine zu steuern.

Das klingt ziemlich beeindruckend, aber es gibt dabei auch Risiken. Wenn man zum Beispiel unbeabsichtigt die Tür zur Kabine aufschließt, könnten andere Zugang zu Ihrem Zimmer erhalten.

„Das Armband zu verlieren ist, als wenn man seinen Kabinenschlüssel verliert. Man müsste es so schnell wie möglich beim Gästeservice als verloren oder gestohlen melden. Aber so wie ein Kabinenschlüssel haben auch die Bänder keine Zimmernummer aufgedruckt. Wenn es also jemand findet, weiß derjenige nicht, zu welcher Kabine es gehört“, erklärte ein Sprecher von RCI gegenüber Telegraph Travel.

Kleine Probleme wie unstetes WLAN und andere Kinderkrankheiten, die es bei der Vorstellung der „Quantum of the Seas“, des ersten „smarten“ Kreuzfahrtschiffes, gab, sollen angeblich der Vergangenheit angehören.

„Alles was wir aus dieser Erfahrung [dem Launch der „Quantum of the Seas“] gelernt haben, wurde genutzt, um jedes einzelne Stück unserer Technologie zu verbessern“, sagte Schneider gegenüber Telegraph Travel

Umweltbelastung

Neben schicken Gadgets und Geräten führt das Kreuzfahrtunternehmen auch eine neue Technologie ein, um die Umweltbelastung durch die Schiffe zu verringern. Das Unternehmen präsentierte das weltweit erste „Luftschmier-System“, das die Rümpfe der Schiffe in Millionen mikroskopisch kleiner Luftblasen hüllt, um so den Widerstand zu verringern und dadurch den Kraftstoffverbrauch zu senken.

„Mit neuen Antriebsmöglichkeiten für unsere Schiffe zu experimentieren, ist Teil unserer Verpflichtung im verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt“, sagte RCIs Präsident und CEO Richard D. Fain.

Royal Caribbean wird die Technologie in den kommenden Jahren einführen. Bild: GETTY

Wann werden diese Upgrades gemacht?

Während noch nicht bestätigt wurde, auf welchem Schiff sie als erstes eingeführt werden, will das Unternehmen laut Schneider seine neue App bis Ende das Jahres auf 15 Prozent seiner Flotte von 48 Schiffen verfügbar machen und diesen Wert 2018 verdoppeln.

Die anderen Technologien wie das Virtual Reality Essen werden voraussichtlich bis 2019 auf der Hälfte aller Schiffe und bis 2020 auf allen Schiffen von Royal Caribbean angeboten. Für die Einführung der Konzept-Kabine gibt es noch kein Datum.

Soo Kim

The Telegraph