Gesichter der Spiele: Tucker West

Gesichter der Spiele: Tucker West

Ein Schlitten, ein Hügel, ein bisschen Schnee, mehr brauchen die meisten Kinder an einem Wintertag eigentlich nicht. Tucker West war gerade mal sechs Jahre alt, als ihm das nicht mehr reichte: "Zu langsam, Dad, mach' mal was."
Also nahm Vater West einen Gartenschlauch in die Hand und vereiste den Hügel hinter seinem Haus in Ridgefield/Connecticut. Und als auch das nicht spektakulär genug war, bekam der kleine Tucker eben eine eigene Rodelbahn im Garten - mehr als 200 Meter lang, mit Flutlicht, Lautsprechern und Vereisungsanlage. Es sollte sich lohnen: Heute ist West 22 Jahre alt, der beste US-Rodler und ein Olympia-Athlet. In Pyeongchang darf er am Sonntag sogar insgeheim auf eine Medaille hoffen.
"2002 habe ich die Olympischen Spiele im Fernsehen verfolgt, das ist eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen", sagt West über den Auslöser seines Rodel-Fiebers: "Seitdem wusste ich, dass ich diesen Sport machen will, ich war von der Geschwindigkeit begeistert."
Schon 2014 in Sotschi gab West sein Debüt bei Winterspielen und wurde mit 18 Jahren zum jüngsten Olympia-Rodler der US-Geschichte. Seither gestaltet er den Aufstieg des Rennrodelns in Nordamerika mit - die Nischensportart wird dort erst seit einigen Jahren wirklich gefördert, die Ergebnisse sind schon jetzt sichtbar. Vor allem auf den Nordamerika-Bahnen ist West mittlerweile ein echter Gegner für die Branchenriesen um Felix Loch, er gewann schon die Weltcups in Whistler und Lake Placid.
Das Podest in Pyeongchang wäre nun eine sehr große Überraschung, unmöglich scheint das aber nicht. Für die nötige Unterstützung erhielten kürzlich Tausende Fans des 22-Jährigen T-Shirts mit dem Slogan "Team Tucker". Der Absender: Vater Brett West. Die Rodelkarriere seines Sohnes liegt ihm am Herzen. Das war ja schon zu erahnen, damals, im Garten in Ridgefield/Connecticut.